Ältere gebrechliche Patienten mit gastroösophagealem Karzinom profitieren von niedrig dosierter Chemotherapie

Die niedrigste getestete Dosis Oxaliplatin/Capecitabin war bei älteren und gebrechlichen Patienten mit einem fortgeschrittenen gastroösophagealen Karzinom vergleichbar wirksam wie die höchste untersuchte Dosis. Sie ging zudem mit geringeren Nebenwirkungen und besserer Lebensqualität einher.

Studie fokussiert sich auf höhere Altersgruppe als gewöhnlich

Die niedrigste getestete Dosis Oxaliplatin/Capecitabin war bei älteren und gebrechlichen Patienten mit einem fortgeschrittenen gastroösophagealen Karzinom vergleichbar wirksam wie die höchste untersuchte Dosis. Sie ging zudem mit geringeren Nebenwirkungen und besserer Lebensqualität einher. Dies ergab die prospektive randomisierte offene Phase-III-Studie GO2 mit 512 Patienten, die Peter S. Hall, Universität von Edinburgh, UK, beim Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) am 2. Juni 2019 vorgestellt hat.

Klinische Studien nur mit jüngeren Patienten

"Im Median sind Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose eines fortgeschrittenen, inoperablen gastroösophagealen Karzinoms 75 Jahre alt und viele sind gebrechlich", so Hall. "Allerdings werden die Standard-Chemotherapie-Regime mit Hilfe klinischer Studien entwickelt, in die meist nicht gebrechliche Patienten im Alter von unter 65 Jahren aufgenommen worden waren."

Eine Umfrage von Hall im Jahr 2011 unter britischen Onkologen hatte ergeben, dass die meisten bei älteren und gebrechlichen Patienten die Dosis der Chemotherapie reduzierten, allerdings gibt es hierfür praktisch keine Evidenz. In einer randomisierten Phase-II-Studie (321GO) hatte die britische Arbeitsgruppe verschiedene Chemotherapie-Regime bei gebrechlichen älteren Patienten mit gastroösophagealem Karzinom verglichen, wobei sich Oxaliplatin und Capecitabin als die am besten wirkenden Substanzen herausstellten.

Drei Dosierungen in GO2

Daher untersuchten Hall und seine Kollegen nun in der randomisierten, multizentrischen, prospektiven offenen Phase-III-Studie GO2 Nutzen und Risiken verschiedene Dosierungen einer Chemotherapie aus Oxaliplatin und Capecitabin bei älteren Patienten mit einem gastroösophagealen Karzinom. Die Studie war auf Nichtunterlegenheit angelegt. In 61 Zentren in Großbritannien wurden zwischen 2014 und 2017 512 Patienten im medianen Alter von 76 Jahren eingeschlossen, die für eine Chemotherapie mit drei Substanzen nicht ausreichend fit waren, aber für eine Chemotherapie mit reduzierter Intensität in Frage kamen. Randomisiert wurden sie wie folgt behandelt:

Zum einen sollte die Nicht-Unterlegenheit der niedrigeren Dosierungen im Vergleich zu Arm A in der Wirkung auf das progressionsfreie Überleben (PFS) nachgewiesen werden. Zum anderen wurde bestimmt, welche Dosierung die beste "Overall Treatment Utility" (OTU) hatte, wozu die Kontrolle der Erkrankung, Nebenwirkungen, Lebensqualität und die Einschätzung des Patienten zählten.

Niedrigste Dosierung ist ausreichend

Die Ergebnisse der Studie zeigen klar, dass die niedrigste Dosierung von Oxaliplatin/Capecitabin den höheren Dosierungen in der Wirkung auf das progressionsfreie und das Gesamtüberleben nicht unterlegen war (Arm B vs. A Hazard-Ratio 1,09, Arm C vs. A HR 1,10). Das Gesamtüberleben war in allen drei Gruppen vergleichbar mit 7,5 Monaten (Arm A), 6,7 Monaten (B) und 7,6 Monaten (C). Auch das progressionsfreie Überleben war mit 4,9 Monaten (A), 4,1 Monaten (B) und 4,3 Monaten (C) ähnlich.

Darüber hinaus wurde in Arm C der höchste OTU-Score mit 43% erreicht, was auf eine bessere Verträglichkeit der Therapie und eine bessere Lebensqualität der Patienten zurück zu führen war. In Arm A und B lag der Score bei 35 bzw. 36%. In den Armen B und C verbesserte sich die Lebensqualität im Mittel im Vergleich zum Ausgangswert.

Die Verträglichkeit der Therapie war in Arm C am besten, hier konnten die Patienten auch mit einem Therapiezyklus mehr behandelt werden.

Großzügige Äquivalenzgrenzen

"Dies ist die bislang größte randomisierte Studie in dieser Altersgruppe", betonte Diskutant Ian Chau, Royal Mardsen NHS Foundation Trust, UK. Klinische Studien würden in der Regel bei jüngeren Patienten durchgeführt. Obwohl in Studien, in denen jüngere und ältere Patienten verglichen worden sind, beide ein ähnliches PFS oder OS erreichten, müssten die Patienten ausreichend fit für die Therapie sein.

Die Studie habe den primären Endpunkt erfüllt, für das PFS sei die Nichtunterlegenheit nachgewiesen worden. Keine der untersuchten Dosierungen habe sich als besser erwiesen. Normalerweise werde in Nichtunterlegenheitsstudien eine Äquivalenzgrenze der HR von 1,2 festgelegt, in der GO2 war sie beim PFS jedoch bei 1,34 festgelegt, was Chau als "großzügig" bezeichnete. Die Folgen beschrieb er so: "Für die GO2-Studie bedeutet eine vordefinierte Nichtunterlegenheitsgrenze für die HR von 1,34 bei einer PFS-Dauer von 4,4 Monaten im Kontrollarm, das wir in der Gruppe mit reduzierter CAPOX-Dosis ein PFS von etwa 3,2 Monaten noch als nichtunterlegen akzeptieren." Dennoch sei für ihn klar, dass man ältere und gebrechliche Patienten mit einer reduzierten Dosis behandeln könne. Immer mehr Patienten würden aber auch eine Zweit- und Drittlinientherapie erhalten, deshalb müsse nun weiter untersucht werden, wie diese Therapien gestaltet werden, um das OS zu verlängern.

Quelle:
Hall PS, et al. Optimizing chemotherapy for frail and elderly patients (pts) with advanced gastroesophageal cancer (aGOAC): The GO2 phase III trial ASCO 2019, Chicago, 31. Mai bis 4. Juni 2019, Abstract 4006, http://abstracts.asco.org/239/AbstView_239_259067.html

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