Aktionstag gegen hochallergenes Ambrosia geplant

Seit Jahren wird das hochallergene Kraut gesucht, kartiert und gerupft. Doch die Ambrosia-Plage breitet sich immer weiter aus. Berliner und Brandenburger wollen in Sachen Ambrosiabekämpfung am 27.

Seit Jahren wird das hochallergene Kraut gesucht, kartiert und gerupft. Doch die Ambrosia-Plage breitet sich immer weiter aus.

Berliner und Brandenburger wollen in Sachen Ambrosiabekämpfung am 27. Juni gemeinsam am Strang ziehen: Zum weltweiten Ambrosia-Tag veranstalten Bekämpfer dann in beiden Ländern Ausreißaktionen, um auf die wachsende Verbreitung der hochallergenen Pflanze aufmerksam zu machen. “Das Problem wird in jedem Jahr massiver”, berichtete Thomas Dümmel (FU Berlin) vom Berliner Aktionsprogramm gegen Ambrosia. Während in der Hauptstadt vor allem die mehrjährige Ambrosia Probleme macht und sich vom Osten in den Westteil ausbreitet, sind speziell im Süden Brandenburgs weite Flächen von der einjährigen Pflanze heimgesucht.

So wachsen beispielsweise in Vetschau (Oberspreewald/Lausitz) Ambrosia-Pflanzen flächig auf Gurkenfeldern, berichtete der RBB jüngst. “Hier ist es sogar ein arbeitsschutzmäßiges Problem. Wenn hier die Gurkenernte läuft, ist auch die Ambrosia in Blüte”, kritisierte der Stadt- und Kreistagsabgeordnete Winfried Böhmer (Grüne) in dem Beitrag. In Drebkau (Spree-Neiße), einer der am meisten von Ambrosia betroffenen Kommunen Deutschlands, sind Lottomittel zur Bekämpfung dieses Jahr bislang nicht bewilligt. Weitere Landesmittel gibt es nicht. Nur Ambrosia-Karten und eine App – gemeinsam mit Berlin entwickelt – verzeichnen Fundorte und sollen warnen.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) bestätigte am Mittwoch im Landwirtschaftsausschuss, dass keine Gelder für Ambrosia-Bekämpfung beantragt und eingestellt worden seien. Das mag daran liegen, dass in Brandenburg nach der Wahl nunmehr drei verschiedene Ministerien für Ambrosia zuständig sind. “Gespräche darüber, wer die Federführung übernimmt, laufen aber”, hieß es aus der Pressestelle des Umweltministeriums.

Auch in Berlin läuft die Ambrosia-Bekämpfung mit angezogener Handbremse. “In den besten Zeiten hatten wir Ambrosia-Scouts in neun Bezirken. In diesem Jahr haben nur zwei Bezirke Scouts genehmigt”, berichtet Dümmel. Diese Scouts durchkämmen Straßen und Parks systematisch nach den Pflanzen. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem die Neubaugebiete im Osten der Stadt betroffen waren, wird der mit Ambrosia-Samen durchsetzte Erdaushub nun auch immer mehr im Westen eingesetzt. “Vor allem die Baubranche muss sensibilisiert werden”, fordert Dümmel. Hier könnten entsprechende Verordnungen bewirken, dass nur noch Ambrosia-freie Erde benutzt wird.

Der Experte schätzt, dass die Pflanze sich durch die für sie günstigen Klimaveränderungen immer weiter gen Norden ausbreiten wird. Der wichtigste Verbreitungsweg – neben der mittlerweile eingedämmten Streuung durch Ambrosia-versetztes Vogelfutter und dem Baugewerbe – seien offene Saatguttransporte. “Die Samen fallen von den Lastern und keimen entlang der Straßen und Autobahnen”, sagt Dümmel.

Ambrosiapflanzen müssen vor der ab August einsetzenden Blüte ausgerissen werden, damit sie ihre allergene Wirkung nicht entfalten. Schon wenige Pollen pro Kubikmeter Luft genügen, um eine Person zu sensibilisieren und bei Allergikern starke Beschwerden bis hin zum Asthma auszulösen. Bei Kontakt drohen Juckreiz und Hautausschläge. In Pollenfallen wird die Belastung regelmäßig gemessen. Drebkaus Bürgermeister Dietmar Horke berichtet: “Wo andere ein- oder zweistellige Pollenzahlen haben, landen wir bei drei- und vierstelligen.”

Text und Foto: dpa /fw

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