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Alkoholspektrumstörung: Gefahren durch Alkohol in der Schwangerschaft

Falschdiagnosen bei FASD-Patienten keine Seltenheit

Fetal Alcohol Spectrum Disorders, FASD oder Alkoholspektrumstörung heißt die Behinderung, mit der jedes Jahr in Deutschland zwischen 3000 und 4000 Kinder zur Welt kommen. FASD ist wahrscheinlich die häufigste angeborene Störung mit Intelligenzminderung. FASD entsteht, wenn die Mutter während der Schwangerschaft Alkohol trinkt.

Um Ärzte und Öffentlichkeit für das Thema FASD zu sensibilisieren, veranstaltet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und der Berufsverband der Frauenärzte am 12. Juli 2017 in Berlin mit Unterstützung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, eine Tagung zum Thema FASD mit hochkarätigen Experten aus Medizin, Psychologie, Sozialer Arbeit und der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mortler dazu: "Mir ist es wichtig, dass sich neben den Kinderärzten auch die Frauenärzte dem Thema FASD annehmen. Sie sind es, die die Frauen vor und nach der Geburt betreuen und mit Rat und Tat zur Seite stehen, auch rund ums Thema Alkohol. Außerdem ist es mir ein besonderes Anliegen, dass wir Menschen mit FASD nicht allein lassen. Deshalb unterstützen wir die Entwicklung der 'Leitlinien für die Diagnose der Fetalen Alkoholspektrumstörung'. Menschen mit FASD brauchen gute und gezielte Unterstützung, sowohl durch professionelle Institutionen als auch durch die Selbsthilfe. Ein wichtiges Thema, das in die tägliche Praxis gehört - die FASD-Fachtagung legt dazu einen guten Grundstein."

Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte: "Prävention beginnt schon lange vor der Empfängnis. Wir müssen schon Jugendlichen in den Schulen klarmachen, wie schädlich Alkohol in der Schwangerschaft ist. Wir brauchen also mehr und frühere Aufklärung. Alle Frauen, die schwanger werden wollen, und alle Schwangeren müssen wissen, dass schon kleinste Mengen Alkohol ihr Kind lebenslang schädigen können. Dieses Wissen muss auch in der Allgemeinbevölkerung noch mehr als heute verbreitet werden."

Angeborene Fehlbildungen, geistige Behinderungen, hirnorganische Beeinträchtigungen, Entwicklungsstörungen und extreme Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS - all das können Symptome von FASD sein. Da diese Symptome auch bei anderen Krankheiten und auch isoliert auftreten können, bekommen viele FASD-Patienten Falschdiagnosen wie etwa ADHS oder einfache Lernbehinderung. Ohne genaue Diagnose ist keine frühe und kompetente Hilfe möglich.

"FASD ist dreifach tragisch für die betroffenen Kinder. Ihre Mütter hätten die Behinderung vollständig vermeiden können durch Verzicht auf Alkohol. Weil die Behinderung nicht immer auf den ersten Blick einzuordnen ist, dauert es oft jahrelang, bis die Betroffenen kompetente Hilfe finden. Weil die Behinderungen so schwer sind, gelingt den meisten FASD-Opfern nur selten ein erfülltes und selbständiges Leben", so Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Berlin.