Antibiotika: Zum Wegwerfen zu schade?

Eine aktuelle US-Umfrage brachte ans Licht, was ein Großteil der befragten Familien mit nicht verbrauchten Antibiotika tut: Wiederverwenden oder gern auch an andere Familienmitglieder weiterreichen. Nachhaltigkeit ist zwar in vielen Bereichen lobenswert, doch Vorsicht bei der arglosen Weitergabe von Antibiotika.

Antibiotika zum Durchreichen

Werden Antibiotika nicht lange genug oder in zu niedrigen Dosierungen eingenommen, fördert dies die Weiterverbreitung von Resistenzen. Darüber hinaus finden sich auch hierzulande mehr und mehr Antibiotikarückstände in den Abwässern. Da ist es doch sicher gut, dass etwa drei Viertel der US-amerikanischen Eltern in einer Befragung angaben, unverbrauchte Antibiotika einfach beim nächsten Mal weiterzuverwenden, oder nicht?

Die Zusammenfassung der Studie "Diversion of Prescription Antibiotics: Should you take from Peter to treat Paul?" wurde bereits im November 2018 im Rahmen der National Conference & Exhibition der American Academy of Pediatrics (AAP) vorgestellt.

Die Studienautoren sprachen dabei von einer alarmierend hohen Zahl von Eltern, welche Antibiotika unkontrolliert weiterverwenden würden. Damit gefährdeten die Eltern nicht nur das Wohl der eigenen Kinder und ihrerselbst, sondern auch anderer Menschen, die aufgrund der zum Teil hohen Resistenzlage, bei Komplikationen nicht mehr behandelt werden könnten.

Innerhalb der Studie mussten die Teilnehmer einen anonymisierten Online-Fragebogen ausfüllen, der an eine nationale Stichprobe von 496 Eltern ausgegeben worden war. Fast in jedem zweiten Fall gaben Eltern an, nicht verbrauchte Antibiotika zurückzuhalten, um sie später bei Bedarf wieder einsetzen zu können. Circa 73% dieser Eltern setzten die Medikamente dann später tatsächlich bei sich selbst oder bei den eigenen bzw. auch bei Nachbarskindern ein. Nicht selten vergingen dabei sogar Monate seit der Verschreibung des Antibiotikums.

Ein möglicher Grund für das Verhalten der Eltern könnte darin begründet liegen, dass sie einen erneuten Arztbesuch aus Kostengründen vermeiden oder die mangelnde Absicherung von Angehörigen oder Freunden in der Krankenversicherung kompensieren wollten. Das amerikanische Gesundheitssystem ist sicher prädestiniert für solche Gedankengänge und Motivationen.

Doch würde das Ergebnis in Deutschland wirklich anders ausfallen? Wahrscheinlich nicht, denn auch hierzulande herrscht noch immer oft große Unsicherheit im verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika bei Patienten und Ärzten gleichermaßen. Ein Umdenken ist jedoch weltweit vonnöten, sollen die Antibiotika als wirkungsvolle Waffe und große Errungenschaft des 20. Jahrhunderts auch zukünftig noch Leben retten können.

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