Mit Antikörpern gegen Multiple Sklerose

Forscher entdecken Antikörper mit potentiell therapeutischem Effekt bei Multipler Sklerose

Im Rahmen des Projektes Inserm (Nationales Institut für Gesundheit und medizinische Forschung in Frankreich) Unit U919, geleitet von Prof. Denis Vivien (“Serine Proteases and Physiopathology of the Neurovascular Unit”) ist ein Antikörper mit potentiell therapeutischem Effekt bei Multipler Sklerose entwickelt worden. Die Studie dazu, geleitet von Fabian Docagne und publiziert im Magazin Brain, ebnet den Weg für eine neue Strategie zur Kontrolle der Erkrankung.

Multiple Sklerose ist eine Krankheit, die das zentrale Nervensystem betrifft, vor allem das Gehirn und das Rückenmark. Es ist die häufigste Ursache für neurologisch bedingte Behinderungen bei jungen Erwachsenen.

Der Erkrankung wird eine autoimmune Genese zugeordnet, da das Immunsystem, dessen Aufgabe die Verteidigung des Organismus gegen externe Angriffe ist, seine eigenen Komponenten attackiert. Die Zellen des Immunsystems, besonders die Lymphozyten, bewirken die Zerstörung der Myelinscheiden, die die Verlängerungen der Neurone, die sogenannten Axone, umhüllen und schützen. Die Demyelinisierung, die den Beginn neuronaler Degeneration bedeutet, führt zur Unterbrechung der Transmission neuronaler Impulse. Läsionen in Form von Plaques verteilen sich über das Gehirn und das Rückenmark. Sie verursachen Symptome, die zwischen verschiedenen Individuen sehr stark variieren können.

Normalerweise ist die Exazerbation ein Charakteristikum der Erkrankung, mit dem Auftreten motorischer, sensorischer und kognitiver Störungen, gefolgt von Phasen der Remission, die einige Wochen später folgen. Im Laufe der Jahre können diese Symptome jedoch zu irreversiblen Schäden und Behinderungen führen. Aktuell zielt die Behandlung auf die Reduktion der Exazerbationen, sowie auf die Verbesserung der Lebensqualität ab, der Krankheitsprogress wird damit jedoch nicht kontrolliert.

Damit die Zellen des Immunsystems, die im Blutsystem zirkulieren, das zentrale Nervensystem erreichen können, müssen sie die Bluthirnschranke überwinden.

Während zurückliegender Forschungsarbeiten zum Thema Schlaganfall am Mausmodell untersuchte das Team der Inserm Unit 919 einen Faktor, der an der Überwindung der Bluthirnschranke beteiligt ist, den NMDA-Rezeptor. Sie beobachteten, dass die Blockade dieses Rezeptors mit tPA (einem Mitglied der Serin-Protease-Familie) protektive Auswirkungen hat, die mit der Integrität der Barriere assoziiert sind.

In ihrer Studie entwickelten die Forscher eine Strategie zur Blockade des Rezeptors mit tPA bei Multiple-Sklerose-Patienten. Im Labor entwickelten sie einen monoklonalen Antikörper, der spezifisch an die Untereinheit des Rezeptors bindet, an die sonst tPA bindet.

Am zellulären Modell der menschlichen Bluthirnschranke verhinderte der Einsatz dieses Antikörpers die Öffnung der Bluthirnschranke in Entzündungssituationen, was letztlich zu einer Einschränkung des Lymphozytenübertritts führte. Daraufhin untersuchte das Team den therapeutischen Effekt des Antikörpers am Mausmodell für Multiple Sklerose. Nach der intravenösen Applikation wurde der Progress motorischer Defizite (partielle oder komplette Paralysen der Extremitäten) – untersucht anhand von klinischen Scores – verhindert. Bei den so therapierten Mäusen war der Behandlungseffekt mit einer reduzierten Einwanderung von Lymphozyten in das neuronale Gewebe und mit einer verminderten Demyelinisierung assoziiert. Durch die auf diese Weise verhinderte Zerstörung der Myelinscheiden der Neurone durch die Zellen des Immunsystems stellt diese Strategie möglicherweise einen vielversprechenden Therapieansatz zur Beherrschung der Multiplen Sklerose dar.

Die Anwendung am Patienten ist in Planung.

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