Neue Antikörper-Therapie gegen HIV erscheint vielversprechend

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Eine neue Studie zu den Effekten einer neuen Antikörperbehandlung deutet darauf hin, dass diese eine neue Langzeitlösung zur Kontrolle einer HIV-Infektion darstellen könnte.

Heutzutage gibt es keinerlei Zweifel mehr daran, dass die Antiretrovirale Therapie (ART) die Behandlung von HIV revolutioniert hat. Eine Infektion mit HIV, die zuvor noch ein sicheres Todesurteil bedeutete, verwandelte sich seit ihrer Einführung in eine chronische Erkrankung. Infizierten Personen beschert die ART ein um Jahrzehnte verlängertes Leben.

Aber auch diese äußerst erfolgreiche Behandlungsmethode hat tückische Nachteile. Damit sind nicht nur die körperlichen Nebenwirkungen, wie eine verringerte Knochendichte und Nierenprobleme gemeint, sondern auch die Tatsache, dass eine Unterbrechung der Behandlung einen unmittelbaren Anstieg der Viruslast nach sich zieht. Im schlimmsten Fall kann dies schon durch das Vergessen von ein paar Tabletten ausgelöst werden.

Die neue Studie, welche im Journal Science publiziert wurde, präsentiert nun einen anderen, möglicherweise überlegenden Ansatz zur Bekämpfung der Viren. Dieser besteht aus einer langfristig wirkenden Immuntherapie, welche das Immunsystem eines infizierten Menschen dazu anregt Antikörper gegen HIV zu bilden und es auf diesem Weg aus dem Körper entfernt.

Einer der Erstautoren der Arbeit ist Dr. Till Schoofs, Wissenschaftler für molekulare Immunologie an der Rockefeller University in New York. Er und seine Kollegen sind davon überzeugt, dass ihre Studie den Beweis dafür bietet, dass die einmalige Anwendung eines Antikörpers, der das Immunsystem stimuliert, ausreicht, um einen infizierten Körper in die Lage zu versetzen neue und bessere Antikörper gegen den Virus herzustellen.

Im letzten Jahr vermeldete das Team bereits, dass es ihnen mit derselben Behandlungsmethode, basierend auf einem Molekül namens 3BNC117, gelungen sei, den Großteil der Viruslast im Blut eines betroffenen Körpers zu eliminieren.

Patienten bilden die neuen Antikörper 6 Monate nach der Behandlung

Die neue Studie generierte ihre Ergebnisse, indem die Forscher geeignete Patienten für einen längeren Zeitraum nach der Einnahme der Antikörper begleiteten und überwachten. Auf diesem Weg war es ihnen möglich, die Antwort des Immunsystems auf die neuartige Therapie genau zu untersuchen.

3BNC117 ist der Name eines vielfältig neutralisierend wirkenden Antikörpers. Vielfältig deswegen, weil er mehr als 80 Prozent der über 200 bekannten HIV-Stämme bekämpfen kann.

Das Molekül wurde vor einigen Jahren aus einem Patienten isoliert, dessen Immunsystem die außergewöhnliche Fähigkeit hatte das Abtöten von CD4 positiven Zellen durch den Virus zu stoppen. Der Untergang dieser Immunzellen, stellt ein Hauptmerkmal der Erkrankung AIDS dar.

Für die Phase I Studie verabreichte man 15 Patienten mit hoher Viruslast eine einzige Injektion von 3BNC117.

6 Monate später bildeten 14 der Patienten neue Antikörper, die fähig waren, eine Reihe verschiedener HIV-Stämme zu neutralisieren.

Eine weitere Gruppe von unbehandelten Patienten – deren HIV-Infektion mit Hilfe von ART kontrolliert wurde – zeigte im gleichen Zeitraum wenig Veränderung in ihrer neutralisierenden Aktivität. Die Autoren kommen deshalb zu dem Schluss, dass die durch 3BNC117 vermittelte Immuntherapie, die humorale Immunität des Wirtes gegenüber HIV-1 verbessert.

Da in der Regel Jahre vergehen, ehe es dem Körper gelingt gute Antikörper gegen HIV zu bilden, mutmaßen die Forscher, dass die Wirkung von 3BNC117 möglicherweise im Laufe der Zeit zunimmt – besonders dann, wenn der Patient mehr als eine Dosis erhält.

Die Behandlung hat das Potential latente HIV Reservoirs zu beseitigen

In einer weiteren Studie, die gleichzeitig in der Zeitschrift veröffentlicht wurde, untersuchten Forscher, ob und wenn ja welche weiteren Vorteile 3BNC117 gegenüber der Behandlung mit ART bietet.

Sie ließen die Versuchsergebnisse durch ein mathematisches Modell laufen und stellten dabei fest, dass der Rückgang der Viruslast nicht nur durch die neutralisierenden und schützenden Eigenschaften von 3BNC117 erklärt werden konnte.

Ihre Analyse legt nahe, dass hier noch etwas Anderes im Gange ist, dass dem HI-Virus zu schaffen macht. Weitere Tests an Mäusen ergaben, dass das Molekül sogar bereits infizierte Zellen angreift.

Erstautor der Studie, Ching-Lan Lu, vermutet, dass der Antikörper dementsprechend nicht nur Druck auf das Virus selbst ausübt, sondern auch das Überleben der infizierten Zellen verkürzen kann.

Die Forscher sind davon überzeugt, dass die Therapie mit 3BNC117 eine wichtige Frage bei der Behandlung von HIV beantworten könnte: wie gelingt es das latente Virus-Reservoir auszulöschen? Dieses Reservoir ermöglicht es dem Virus sich im Körper zu verstecken und einer Behandlung zu entziehen – ein Faktor der bis heute die Heilung einer HIV-Infektion verhindert.

Die Forscher planen das Molekül nun in Kombination mit anderen Anti-HIV-Antikörpern zu testen, um zu überprüfen, ob so eine noch stärkere antivirale Wirkung erzielt werden kann. Darüber hinaus werden sie eine Phase-II-Studie mit Patienten, die von ART auf die neue Therapie umsteigen, durchführen.

Text: esanum /wt

Foto: Sebastian Kaulitzki / Shutterstock.com

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