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HPV: Ärzte hoffen auf STIKO-Impfempfehlung für Jungen 2017

Ein neuer nonavalenter HPV-Impfstoff bietet Schutz vor fünf weiteren HPV-Typen. Eine Impfung von Jungen könnte die Infektionsrate reduzieren und damit auch vor Krebsarten wie Anal- und Peniskrebs schützen, so Experten auf dem STI-Kongress.

Seit die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) für etwa zehn Jahren zugelassen wurde, gehört sie zu den am meisten diskutierten. Sie erreicht auch deshalb nur eine Impfquote von knapp 40 Prozent. Impfgegner führen als Argumente an, dass die Impfung vergleichsweise teuer sei, die pharmazeutische Industrie erheblichen Einfluss auf die über die Zulassung entscheidenden Institutionen habe ausüben können und teils schwere Nebenwirkungen bei geimpften Personen aufgetreten seien. Zudem sei die Impfung keinesfalls ein Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs, wie medial verbreitet würde, sondern sie biete nur Schutz gegen bestimmte HPV-Erreger – konkret HPV 16 und HPV 18 als Hochrisikotypen und HPV 6 und HPV 11 als mit einem geringeren Risiko assoziierte Typen.

Ein neuer nonavalenter Impfstoff könnte Gegnern der HPV-Impfung möglicherweise zumindest teilweise Wind aus den Segeln nehmen, da er gegen fünf weitere HPV-Typen wirkt: 31, 33, 45, 52 und 58. Bisher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland, lediglich Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren zu impfen. Jungen bleiben außen vor, so dass Mediziner wie Dr. Heiko Jessen, Präsident des diesjährigen STI-Kongresses in Berlin, auf eine Ausweitung der Impfempfehlung durch die STIKO spätestens im Jahr 2017 hoffen. Jessen und weitere Kollegen versprechen sich von diesem Schritt eine deutliche Reduktion von Krebsarten im Genital- und Analbereich auch bei Männern. Ärztliche Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) plädieren ebenfalls für eine Impfung von Jungen. Der Penis stelle den Haupt-Transmitter für HPV dar, so dass ein Verzicht auf die Jungenimpfung fahrlässig sei, sagen sie.

Professor Alexander Kreuter, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Helios St. Elisabeth Klinik in Oberhausen, machte auf dem STI-Kongress deutlich, dass sich ein Großteil der durch Humane Papillomaviren verursachten schweren Erkrankungen im Genitalbereich – aber auch durchaus im Mund- und Rachenraum – durch eine Impfung verhindern ließen. Dies betreffe allerdings eben nicht nur Mädchen beziehungsweise Frauen, sondern genauso männliche Jugendliche und Männer. Die Häufigkeit der durch HPV verursachte Krebsarten wie das Anal-, Penis und Oropharynx-Karzinom bewege sich in ähnlichen Größenordnungen wie die der Zervixkarzinome. Weshalb also Jungen von einer Impfung ausschließen?

Universelle Impfprogramme sind erfolgreicher

Für den niedergelassenen Berliner Kinderarzt, Dr. Burkhard Ruppert, steht fest: “Eine Gesellschaftsimmunisierung in Deutschland werden wir mit einer Beschränkung auf die Impfung von Mädchen nicht erreichen.” Er verwies darauf, dass universelle Impfprogramme grundsätzlich eine höhere Wirksamkeit erreichten als geschlechterspezifische. Für Ruppert ist eine Impfung von Jungen eine Frage der Gleichberechtigung, da sich Männer genauso häufig mit HPV anstecken würden wie Frauen: “Wir halten den Jungen eine wichtige präventive Maßnahme vor, die sie in finaler Konsequenz vor Krebs schützen kann.” Eine Beschränkung der Impfung auf die Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), hält er für wenig sinnvoll. MSM seien zwar eine Hochrisikogruppe für eine Ansteckung mit HPV und entsprechend höher sei das Analkrebsrisiko, nur solle eine Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen, um wirklich wirksam zu sein. Es sei nicht möglich, MSM zu diesem Zeitpunkt bereits zu identifizieren.

Ruppert unterstrich, in Ländern wie Österreich, den USA oder Australien würde immer dann eine deutlich bessere Impfquote erzielt, wenn es Schulimpfprogramme gebe, die auch Jungen bei der Impfung einbeziehen. Eine höhere Impfquote in Deutschland sei allein deshalb nicht zu erreichen, da “wir als Pädiater die Gruppe der 9- bis 14-Jährigen zu wenig bei uns in der Praxis sehen.” Die Schule könnte deshalb ein Ort sein, Kinder und Jugendliche anzusprechen.

Solange die STIKO keine Empfehlung ausspreche, auch Jungen gegen HPV zu impfen, müssen die gesetzlcihen Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen. Die Sächsische Impfkommission (SIKO) hat hierfür eine eigene Lösung entwickelt. Sie empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und junge Männer mithilfe des tetravalenten Impfstoffes gegen karzinogene und warzenfördernde HP-Viren bereits seit Jahren. Die Impfung, da offiziell von der SIKO im Freistaat empfohlen, ist zumindest abrechnungsfähig bei den sächsischen Krankenkassen.

Die Impfung gegen HPV erfordert mehrere Dosen. Abhängig vom Zeitpunkt der ersten Impfung wird eine Verabreichung von zwei oder drei Dosen empfohlen, so die European Medicines Agency (EMA). Alle Dosen gelte es innerhalb eines Jahres zu verabreichen.

STI-Kongress 2016: Lunchsymposium “Impfpräventable STI: Potential und Praxis der HPV-Impfung bei Männern”, unterstützt von Sanofi Pasteur MSD.