Baricitinib bei rheumatoider Arthritis

Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) zeigten in der RA-BEAM-Studie nach Umstellung von Adalimumab auf Baricitinib – als "Rescue Therapie" oder mit Beginn einer offenen Langzeit-Extensionsstudie – signifikante klinische Verbesserungen. Ein Wechsel ist den Daten zufolge ohne Auswaschphase möglich.

Umstellung von Adalimumab ohne Auswaschphase möglich

Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) zeigten in der RA-BEAM-Studie nach Umstellung von Adalimumab auf Baricitinib – als "Rescue Therapie" oder mit Beginn einer offenen Langzeit-Extensionsstudie – signifikante klinische Verbesserungen. Ein Wechsel ist den Daten zufolge ohne Auswaschphase möglich.

Durch die Kombination konventioneller synthetischer krankheitsmodifizierender antirheumatischer Medikamente (csDMARDs) mit gezielt wirkenden synthetischen DMARDs (tsDMARDs) oder biologischen DMARDs (bDMARDs) ist das Erreichen der Remission oder einer niedrigen Krankheitsaktivität (Low Disease Activity) bei RA-Patienten heute ein realistisches Ziel. Doch nicht alle Patienten sprechen adäquat auf die First-Line-Therapie an oder setzen diese aufgrund von Nebenwirkungen ab. In diesem Fall kommen alternative Behandlungsstrategien zum Einsatz – darunter die Kombination mit anderen DMARDs oder ein Wechsel der Therapie. Da Letzteres in der klinischen Praxis häufig erfolgt, sollten neue Medikamente daraufhin untersucht werden.

Zu den neueren Medikamenten zählt der oral einzunehmende selektive Janus-Kinase (JAK)-Inhibitor Baricitinib, der in der EU seit Anfang 2017 zur RA-Therapie zugelassen ist. Zulassungsrelevant war unter anderem die 52-wöchige Phase III-Studie RA-BEAM, die 1305 Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf Methotrexat (MTX) einschloss. Sie wurden randomisiert im Verhältnis 3:3:2 der Gabe von Baricitinib (einmal täglich 4mg*) und Placebo oder Adalimumab (40mg s.c. alle zwei Wochen) zugeordnet. Die MTX-Therapie behielten sie in stabiler Dosis bei. Patienten, die zu Woche 16 oder bei einer der späteren Visiten als Non-Responder bewertet wurden, erhielten eine offene "Rescue-Therapie" mit Baricitinib 4mg. Nach 52 Wochen konnten Patienten die Baricitinib-Therapie im Rahmen einer Langzeit-Extensionsstudie (LTE) fortsetzen bzw. – ohne Auswaschphase – von Adalimumab auf Baricitinib wechseln.

"Rescue-Therapie" effektiv

Zwischen Woche 16 und 24 erhielten 7% der zunächst mit Baricitinib und 12% der mit Adalimumab behandelten Patienten eine Rescue-Therapie mit Baricitinib. In beiden Gruppen waren vier, acht und zwölf Wochen später signifikante Verbesserungen aller klinischen und von Patienten berichteten Endpunkte (patient-reported outcomes, PROs) nachweisbar, darunter im DAS28-ESR (Disease Activity Score 28 unter zusätzlicher Berücksichtigung der Erythrozytensedimentationsrate), im HAQ-DI (Health Assessment Questionnaire Disability Index) und mit einer visuellen Schmerz-Analogskala (p≤0,05 bis p≤0,001). Gemessen anhand des DAS28-ESR, des CDAI (Clinical Disease Activity Score) und des (Simplified Disease Activity Score) befanden sich unter den ursprünglich zu Baricitinib randomisierten Patienten zwölf Wochen nach Beginn der Rescue-Therapie 21%, 33% bzw. 33% im Stadium der LDA. Unter den ursprünglich mit Adalimumab behandelten Patienten betrug der Anteil 17%, 37% bzw. 43%. Bei den von Adalimumab auf Baricitinib umgestellten Patienten waren auch signifikante Verbesserungen der Entzündungsparameter nachweisbar (ESR und C-reaktives Protein; p≤0,001 zu Woche 4, 8 und 12). Das Ansprechen kann demnach nicht allein durch einen psychologischen Effekt bedingt sein. Als (Mit-)Ursache der Verbesserungen nach Umstellung von der verblindeten auf die offene Gabe von Baricitinib ist ein solcher nicht auszuschließen.

Verbesserungen nach Umstellung auf Baricitinib in der LTE

Von den Patienten ohne Rescue-Therapie nahmen 78% der mit Baricitinib und 72% der mit Adalimumab behandelten Patienten an der LTE teil. Schon vier Wochen nach der Umstellung von Adalimumab auf Baricitinib 4mg waren bei diesen Patienten signifikante Verbesserungen im CDAI, SDAI und DAS28-ESR nachweisbar, die bis Woche 24 anhielten (p≤0,001). Bei den schon während der Doppelblindphase mit Baricitinib behandelten Patienten hielten die Therapieeffekte während der LTE an. Hinsichtlich körperlicher Funktionen (HAQ-DI) und Schmerzen war das Ansprechen beider Patientengruppen 24 Wochen nach Beginn der LTE vergleichbar. In Bezug auf die Verträglichkeit und Sicherheit wurde nach Umstellung auf Baricitinib keine Zunahme von (schweren) Nebenwirkungen oder Infektionen verzeichnet.

Fazit

Mit Adalimumab behandelte Patienten können nicht nur bei fehlendem oder unzureichendem Therapieansprechen von einer Umstellung auf Baricitinib profitieren. Denn auch Patienten, bei denen in der RA-BEAM-Kernstudie keine Rescue-Therapie notwendig wurde, zeigten in der LTE nach dem Wechsel nochmals signifikante Verbesserungen. Die Umstellung von Adalimumab auf Baricitinib ist den Daten zufolge bei akzeptabler Sicherheit und Verträglichkeit ohne Auswaschphase möglich – beginnend mit der Baricitinib-Einnahme zwei Wochen nach der letzten Adalimumab-Injektion. Die Ergebnisse sind nicht für Patienten relevant, die auf ein bDMARD unzureichend ansprechen oder dieses nicht vertragen. Es ist auch für all jene von Interesse, die von einem zu injizierenden Medikament auf eine orale Therapie wechseln möchten.

Quelle: Tanaka Y, Fautrel B, Keystone EC et al. Clinical outcomes in patients switched from adalimumab to baricitinib due to non-response and/or study design: phase III data in patients with rheumatoid arthritis. Ann Rheum Dis 2019 [Epub ahead of print]

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