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Bayern will Geburtshilfe verbessern

Gesundheitsministerin macht Vorschläge zur Optimierung der Geburtshilfe

Die Geburtshilfe in Bayern steckt in einem Dilemma: Zum einen muss sie sich rechnen, zum anderen wollen Gebärende schnelle Hilfe. Gesundheitsministerin Huml macht Vorschläge.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml verspricht Hebammen und werdenden Eltern Hilfe. Sie lässt prüfen, ob und wie Geburtshilfestationen im Freistaat durch die Krankenkassen landesspezifische Zuschläge zur Sicherstellung des Angebots bekommen können. "Im Bereich der Haftpflicht für die Belegärzte setze ich mich auf Bundesebene für Verbesserungen ein", sagte die CSU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in München. Hintergrund der Debatte sind Schließungen von Geburtsabteilungen in Kliniken und neue Vorschriften für Hebammen.

So hatte eine Schiedsstelle im September entschieden, dass freiberufliche Hebammen zwar rückwirkend zum 15. Juli rund 17 Prozent mehr Geld bekommen. Zu dem Beschluss gehört aber auch, dass sie in der Klinik künftig nur noch die gleichzeitige Betreuung von maximal zwei Schwangeren abrechnen können.

Das kritisierte der Hebammenverband als "massive Einschnitte in unsere Berufsausübung": Die aktuelle personelle Situation in der jeweiligen Klinik werde nicht berücksichtigt. Der GKV-Spitzenverband, der die Krankenkassen vertritt, argumentierte hingegen, so verbessere sich die Betreuung der werdenden Mütter.

Der Schiedsspruch sei für viele Hebammen nicht zufriedenstellend, räumte auch Ministerin Huml ein. "Die jetzt geäußerten Sorgen nehme ich ernst, zumal gerade in Bayern der Anteil der Beleghebammen weit überdurchschnittlich ist." Dieser betrug 2015 im Freistaat 51 Prozent, bei den in Krankenhäusern tätigen Hebammen waren es bundesweit aber nur 17 Prozent. Gezählt werden dabei Mitarbeiter, nicht Vollzeitstellen. Beleghebammen arbeiten selbstständig und haben mit einer oder mehreren Geburtskliniken Verträge abgeschlossen.

Kritisiert werden auch zahlreiche Kreißsaalschließungen. Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands wurden seit 2015 allein in Bayern acht Kreißsäle geschlossen, zwei weitere vorübergehend. Hinzu kommen drei Kreißsäle, die von einer Schließung bedroht seien.

Huml hatte im Mai Vertreter des Bayerischen Hebammen-Landesverbandes, der Landesärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenhausgesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände sowie des Landkreis-, Bezirks-, Städte- und Gemeindetages an einen Tisch geholt. "Dabei wurde deutlich, dass die Herausforderungen vielschichtig sind - im stationären, ambulanten, aber auch finanziellen Bereich", sagte sie nun.

Aus Sicht der Vorsitzenden des Bayerischen Hebammen-Landesverbandes, Astrid Giesen, hat sich seit dem Runden Tisch nicht viel getan. Was bis jetzt angeregt wurde, um die Situation zu verbessern, sieht sie als "Flickenteppich". "Wenn man das wirklich ändern wollte, müsste man grundlegend etwas in der Gesellschaft ändern", sagte Giesen am Freitag. "Dass soziale Arbeit, menschliche Zuwendung etwas wert ist, muss man spüren - und zwar auch im Portemonnaie."

Allerdings habe die Wirtschaft eine stärkere Lobby; die Situation der dort Beschäftigten habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Nun stiegen aber beispielsweise die Mieten. "Das bekommen Menschen in sozialen Berufen stärker zu spüren und das führt natürlich zu Unmut", machte Giesen deutlich.

Die Zahl der Hebammen und Entbindungspfleger in Bayern ist den Angaben zufolge seit dem Jahr 2004 von 2400 auf über 3600 im Jahr 2014 gestiegen. "Einen Mangel an Hebammen können wir rein zahlenmäßig also nicht feststellen", sagte Huml. Deshalb habe sie eine umfassende Studie zur Hebammenversorgung in Bayern in Auftrag gegeben. Dabei soll es vor allem darum gehen, in welchen Bereichen die Hebammen tätig sind und wie sie in Bayern verteilt sind.

"Wir werden auch Familien befragen, wie sie die Hebammenversorgung in Bayern bewerten. Und auch die Hebammen selbst kommen zu Wort", sagte Huml. Die Auswertung der Studie soll im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein.