Betäubung beim Zahnarzt in Zukunft ohne Spritze

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Forscher haben einen neuen Weg gefunden, eine Anästhesie im Oralbereich herbeizuführen.

Falls sie Angst vor den Nadeln ihres Zahnarztes haben, sind sie damit bei weitem nicht der oder die Einzige – Neue Forschungsergebnisse machen jetzt jedoch Hoffnung. Eine Studie(DOI: 10.1016/j.colsurfb.2015.11.005), welche im Journal Colloids and Surfaces B: Biointerfaces veröffentlicht wurde beschreibt, wie der Zahnarzt zukünftig eine Betäubung mit Hilfe eines winzigen elektrischen Stroms anstatt der schmerzhaften Injektion von Anästhetika herbeiführt.

Die Wissenschaftler hinter der Studie arbeiten an der Universität von Sao Paulo und sind davon überzeugt, dass ihre Erkenntnisse dabei helfen könnten zahnärztliche Eingriffe zu verbessern und Millionen von Patienten mit Angst vor Nadeln zu entlasten. Auch könnte die neue Methode Geld einsparen und behandlungsassoziierte Kontaminationen sowie Infektionen vorbeugen.

Zahnbehandlungen verursachen Ängste

Oftmals sind Zahnärzte im Rahmen einer Therapie dazu gezwungen, invasive und schmerzhafte Vorgänge im Mund des Patienten durchzuführen. Um die Beschwerden nach und während solcher Eingriffe zu reduzieren, verwenden Zahnärzte Anästhetika, die den Schmerz blockieren. Um diesen Zustand zu erreichen muss die Betäubung allerdings durch einen empfindlichen Nadelstich ins Zahnfleisch eingeleitet werden. Viele Patienten fürchten sich extrem vor dieser Injektionen, weshalb sie entsprechende Termine immer wieder aufschieben oder sogar komplett meiden. Die birgt wiederum ein gesundheitliches Risiko für solche Patienten in sich.

Für sie ist zur erfolgreichen Behandlung oft ein zusätzlicher Zwischenschritt notwendig: Zahnärzte verabreichen ihnen zunächst topische Schmerzmittel, welche den durch die Nadel verursachten Schmerz und die damit verbundene Angst reduzieren. Dieses kann in Form von einem Hydrogel, einer Salbe oder durch ein Spray erfolgen; am häufigsten verwendet werden gegenwärtig Hydrogele, die Wirkstoffe wie Lidocain und Prilocain enthalten.

Forscher suchten nach effektiverem Weg der Aufnahme von Anästhetika

In der nun veröffentlichten Studie untersuchten die brasilianischen Forscher einen Weg, mit dem die topischen Anästhetika effektiver in den Körper aufgenommen werden, um letztendlich festzustellen, ob sie so die Injektion vollständig ersetzen können. Dabei fanden sie heraus, dass die Applizierung eines kleinen elektrischen Stroms – ein Prozess, der Iontophorese genannt wird – die Betäubungsmittel merklich effektiver machte.

Bei der Verfolgung ihres Ziels, stellten die Forscher zunächst spezielle Narkose-Hydrogele her. Sie haben die Besonderheit, dass sie mit einem Polymer versehen sind, welches dabei hilft das Gel an seinem Wirkungsort im Mund besser halten zu können. Als Wirkstoffe fügten sie die zwei Anästhetika Prilocain Hydrochlorid (PCL) und Lidocainhydrochlorid (LCL) hinzu. Sie testeten das Gel zunächst auf dem Zahnfleisch eines Schweins. Dabei applizierten sie einen kleinen elektrischen Strom um zu sehen, ob die Narkose dadurch wirkungsstärker wird.

Die auf diesem Weg herbeigeführte Anästhesie war schnell und hielt lange an. Der elektrische Strom sorgte dafür, dass das Prilocaine Hydrochlorid deutlich effektiver in den Körper gelangte. Die Permeation des Medikaments zum Wirkungsort vergrößerte sich um das 12 fache im Vergleich zur Anwendung ohne den Strom.

Die Forscher vermuten, dass diese Technologie nicht nur in der Zahnmedizin zum Einsatz kommen könnte. Auch andere Bereiche, wie die Krebstherapie, könnten von ihr zukünftig profitieren.

Prof. Lopez erklärt: “In den letzten Jahren, hat unsere Forschungsgruppe an der Entwicklung neuartiger Dosiersysteme für die Behandlung von verschiedenen Haut- und Augenkrankheiten, gearbeitet. Augen und Haut stellen große Herausforderungen dar, wenn es um die optimale Applizierung von Wirkstoffen geht. Wir haben uns deshalb darauf fokussiert, die Medikamentenaufnahme in diese beiden Organe mit Hilfe der Nanotechnologie, Iontophorese und Sonophorese (verbesserte Permeation durch die Verwendung von Schallwellen), zu verbessern.”

Als nächstes wollen die Forscher nun ein auf Iontophorese basierendes Gerät entwickeln, welches der speziellen Verwendung im Oralbereich dienen soll. Das System soll dann in einigen präklinischen Studien getestet werden.

Text: esanum / pvd

Foto: Nejron Photo / Shutterstock.com

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