Bewertung des PSA-Tests geht in die nächste Runde

Antrag der Patientenvertretung fruchtet: Das Ringen um den PSA-Test in der Früherkennung des Prostatakarzinoms geht in die nächste Runde. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, den Nutzen eines Prostatakrebs-Screenings mittels prostataspezifischem Antigen (PSA) bis 2022 neu zu bewerten.

Lösung im jahrzehntelangen Streit in Sicht?

Das Ringen um den PSA-Test in der Früherkennung des Prostatakarzinoms geht in eine neue Runde: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Einleitung eines Beratungsverfahrens zur Bewertung eines Prostatakrebs-Screenings mittels Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) auf seiner Sitzung am 20. Dezember 2018 beschlossen. Damit wurde der entsprechende Antrag der Patientenvertretung im G-BA vom Oktober 2018 angenommen. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) begrüßt den Beschluss des G-BA wie auch die Initiative der Patientenvertretung, insbesondere des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS), die den Antrag eingebracht hat.

Hintergrund ist, dass zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms alle wissenschaftlichen urologischen Fachgesellschaften national und international neben der rektalen Tastuntersuchung die Durchführung eines PSA-Tests empfehlen. Trotz dieser eindeutigen Positionierung der Fachexperten gilt in Deutschland der PSA-Test nicht als Teil der sogenannten "gesetzlichen Vorsorge" und muss deshalb von den Patienten in der Regel selbst bezahlt werden.

Da eine unkritische Anwendung des PSA-Tests zur "Überdiagnose" von Prostatakrebs führen kann und damit auch zur "Übertherapie", haben sich in der Vergangenheit Experten anderer Fachgesellschaften, insbesondere Epidemiologen und Gesundheitsökonomen, gegen den PSA-Test als Früherkennungsmaßnahme ausgesprochen.

Der PSA-Wert als Tumormarker

In diesem jahrelangen Streit wurde als Argument immer angeführt, dass die internationale Datenlage bislang keine Senkung der Mortalität am Prostatakarzinom durch PSA-basierte Früherkennung habe nachweisen können. Die DGU hatte dabei stets kritisiert, dass eine Senkung der Mortalität zwar ein statistisch wichtiger, aber nicht der entscheidende Parameter bei einer Krebserkrankung mit jahrelanger Laufzeit auch bei Progression der Erkrankung sein dürfe.

Viel entscheidender sei die Betrachtung des Parameters der Entwicklung einer metastasierten Erkrankung, denn diese bedeute Therapie, Nebenwirkungen sowie menschliches Leid und ist mit immensen Kosten für Bildgebung und medikamentöse Therapie verbunden. Diese Argumente wurden bislang von den Kritikern der PSA-basierten Früherkennung ignoriert.

Neuere Daten aus Langzeitstudien haben nun jedoch auch eine deutliche Senkung der Mortalität durch Therapie des Prostatakarzinoms nachweisen können. Dies ist beim Prostatakrebs tatsächlich nur in Studien mit sehr langer Laufzeit (> 10 Jahre) möglich. Dass diese Nachweise jetzt vorliegen, sollte dazu führen, dass eine Neubewertung erfolgt. Dazu ist der G-BA durch den Antrag des BPS aufgefordert worden. "Aufgrund der neuen Datenlage sollte man ein positives Votum der Gremien erwarten dürfen", so der amtierende DGU-Präsident Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg.

Mit viel Geduld und guten Argumenten voran

Bei einer positiven Bewertung durch den G-BA würde der PSA-Test im Rahmen der Früherkennung wohl als GKV-Leistung anerkannt werden müssen. Die federführend von der DGU erstellte „S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ empfiehlt schon jetzt, dass Männer über 45 Jahre und einer verbleibenden Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren über diese Früherkennungsmethode zum Prostatakrebs informiert werden.

Es ist auch kein Zufall, dass die Notwendigkeit des PSA-Tests von Urologen, den betroffenen Patienten und den Vertretern der Prostatakrebskranken sehr deutlich gesehen wird, während Theoretiker der Medizin wie Statistiker und Epidemiologen Vorbehalte haben. Die DGU begrüßt es daher ausdrücklich, dass eine neue wissenschaftliche Evaluation der aktuellen Datenlage vorgenommen werden wird. "Die DGU wird diesen Prozess begleiten und sich spätestens im Stellungnahmeverfahren aktiv einbringen", ergänzte DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Maurice Stephan Michel.

Nach dem G-BA-Beschluss ist zunächst die Beauftragung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) zur Nutzenbewertung des PSA-Tests als Früherkennungsmaßnahme vorgesehen. Der Abschlussbericht des IQWiG soll im September 2020 vorliegen. Dem folgt ein weiterer Bewertungs- und Abwägungsprozess einschließlich Stellungnahmeverfahren. Die Beschlussfassung zum PSA-Screening ist laut Zeitplan des G-BA für Januar 2022 geplant.

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