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Chirurgische Kinderonkologie: Halbierung der zertifizierten Zentren

DGCH-Präsident Prof. Dr. Jörg Fuchs erläutert auf dem 135. Kongress der Fachgesellschaft Aspekte des Fortschritts in der Kinder-Chirurgie und die Notwendigkeit einer weiteren Konzentration der Zentren.

Bessere Versorgung durch Zentralisierung in der Kinderchirurgie

DGCH-Präsident Prof. Dr. Jörg Fuchs erläutert auf dem 135. Kongress der Fachgesellschaft Aspekte des Fortschritts in der Kinder-Chirurgie und die Notwendigkeit einer weiteren Konzentration der Zentren.

Etwa 1800 Kinder erkranken in Deutschland jedes Jahr an Krebs. Die Behandlung dieser Erkrankungen hat große Fortschritte gemacht. In den 70er Jahren verstarben 80 Prozent der erkrankten Kinder kurze Zeit nach der Operation. Heute überleben 80 Prozent der kleinen Patienten fünf Jahre und länger. Viele erreichen das Erwachsenenalter, so Prof. Fuchs. Wesentliche Gründe für diesen Erfolg sieht der Kinderchirurg in der guten Zusammenarbeit spezialisierter Zentren. Alle Behandlungen werden protokolliert und daraus werden optimale Behandlungsstrategien entwickelt.

Dieser Prozess müsse aber konsequent weiter geführt werden, ist der Tübinger Kinderchirurg überzeugt. Deshalb haben die Kinderchirurgen gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Hämatologie und Onkologie, mit der Deutschen Krebsgesellschaft und anderen Fachgesellschaften eine Initiative vorgelegt, um eine weitere Zentralisierung der Behandlungen anzustoßen. In einem ersten Schritt will man die Zahl der Zentren halbieren.
Wie ist das zu erreichen? Es gehe um Strukturvorgaben, die deutlich schärfer und härter sind als der GBA es vorgibt, indem alle Fachgesellschaften, die solche Tumoren behandeln, eingebunden werden.

Indem man das Ganze zertifiziert, wird durch unabhängige Personen kontrolliert, ob diese Vorgaben wirklich eingehalten werden. Ergänzt wird die Qualitätsoffensive durch klare Zahlenvorgaben. Das sei in der Pädiatrie relativ schwierig, so Prof. Fuchs, aber man wolle eine Klinik nur dann zertifizieren, wenn sie pro Jahr mindestens 30 Tumorerkrankungen behandelt. Zum Vergleich: Große universitäre Einrichtungen, die sich auf diesem Gebiet spezialisiert haben, haben ungefähr 80 bis 120 Tumorneuerkrankungen im Jahr. Das zeige, dass die Anzahl von 30 Fällen relativ gering ist. Auch Prof. Fuchs war zunächst skeptisch. Aber statistische Untersuchungen hätten gezeigt, dass bei 30 Neuerkrankungen pro Jahr die Zahl der 110 Zentren bereits halbiert werde - und das sei ja das Ziel. "Für uns als Chirurgen war es eine besondere Herausforderung festzulegen, wie der operative Leistungskatalog aussehen soll," erklärt der Kinderchirurg. Dabei wurde festgelegt, dass in einer zertifizierten Einrichtung mindestens 20 Tumoren operiert werden sollen. Im Schulterschluss mit den Neurochirurgen wurde ferner festgelegt, dass auch mindestens 10 Hirntumoren operiert werden müssen – "so dass, wenn man auch die orthopädischen Operationen dazu nimmt, in einem solchen Zentrum eine stattliche Zahl von Operationen im Kindesalter zusammen kommt."

Das alles soll natürlich zu einer Qualitätsverbesserung führen, und insbesondere dazu, dass Kinder nicht an Kliniken operiert werden, wo ein- bis zwei mal im Jahr ein Tumor operiert wird – woraufhin dann die Zentren erst mit dem Rezidiv konfrontiert werden.

"Da diese Erkrankungen nicht so häufig sind, haben wir inzwischen internationale Behandlungsprotokolle," so Prof. Fuchs. Beispielsweise werden alle Kinder, die einen bösartigen Lebertumor haben, in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland nach dem gleichen Protokoll behandelt. Das Gleiche gilt für die Rezidive. "Für bestimmte sehr komplexe Lebertumoren, die schwierig zu operieren sind, bei denen sich die Frage stellt, ob das eher ein Fall für eine Transplantation ist oder für eine sogenannte Extremresektion, gibt es mit dem Fraunhofer Institut ein Tool, wo wir eine virtuelle Tumorresektion durchführen können. Dabei zeigt sich, wie viel Restleber vorhanden ist, damit das Kind auch wirklich überleben kann. Diese Gruppe von Patienten wird von uns in Tübingen weltweit ausgewertet. Und wir geben im Rahmen einer Telekonferenz mit einem internationalen Expertenteam der behandelnden Klinik eine Therapieempfehlung.“

Ein zweites Beispiel internationaler Zusammenarbeit hat sich bei den Neuroblastomen etabliert. "Diese sind sehr schwierig, weil sie um alle lebenswichtigen Gefäße wachsen können. Wir diskutieren sie im Zweiwochenabstand in einem Panel über Telemedizin. Daraus wird jeweils eine klare Empfehlung, ob dieses Kind in einem Zentrum, wo viele Tumoren operiert werden, oder alternativ in ein Referenzchirurgisches Zentrum geschickt werden soll." In Deutschland gibt es davon zwei.

Die EU fördert diese internationale Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Begleitfragen in Höhe von 7 Millionen Euro. "Das ist meiner Meinung nach der richtige Weg, der die Brücke von Innovation und Globalisierung schlägt," schließt Prof. Fuchs seine Ausführungen.

Quelle:
Prof. Jörg Fuchs auf dem 135. Chirurgie-Kongress, PK 18. 4. 2018