Covid-19-Register: Krankheitsverläufe während dritter Welle schwerer

Es gilt als wichtiges Frühwarnsystem in der Corona-Pandemie: das Covid-19-Register am Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen. Die Daten lassen nicht nur Rückschlüsse zu, sondern helfen auch bei Prognosen.

25,9 Prozent der Corona-Patient:innen auf Intensivstation

Der Krankheitsverlauf einer Corona-Infektion ist während der dritten Welle der Pandemie in Rheinland-Pfalz im Verhältnis häufiger schwerer als während der zweiten Welle. Das geht aus Zahlen des Covid-19-Registers am Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen hervor. Obwohl während der dritten Welle insgesamt weniger Corona-Patienten in den Krankenhäusern des Landes lagen, war die Belastung auf den Intensivstationen nahezu so hoch wie während der zweiten Welle, wie Studienleiter Anselm Gitt der Deutschen Presse-Agentur sagte.

"An der Spitze der zweiten Welle wurden von 1.150 stationären Patienten 226 intensivmedizinisch behandelt, das waren 19,7 Prozent", sagte Gitt. "Hingegen lagen in der Spitze der dritten Welle von 684 Corona-Patienten 177 auf Intensivstationen - das waren 25,9 Prozent." Die Gesamtzahl der stationären Corona-Patient:innen in der dritten Welle in Rheinland-Pfalz sei fallend.

Für Angaben darüber, wie sich das Patientenbild seit Pandemie-Beginn verändert habe, sei es zu früh, sagte der Vorstand der Stiftung Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen. "Das Krankheitsregister kann dazu noch keine abschließende Aussage liefern. Die Zentren geben die Daten der Patienten mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung in das Register ein." Mittel- und langfristig sehe er aber das Impfen als wesentlichen Ausweg aus der Pandemie.

In der Diskussion darüber, ob die Sieben-Tage-Inzidenz oder die Zahl der neuen Intensivpatient:innen aussagekräftiger ist, betonte Gitt die Bedeutung beider Faktoren. "Die Inzidenz ist ein wichtiger Parameter in der Abschätzung der zu erwartenden Patienten, die eine stationäre Behandlung bedürfen." Aus den bisherigen Erfahrungen des Registers mit einer relativen Zunahme der sogenannten Intensivpflichtigkeit in der dritten Pandemiewelle seien zusätzlich die Daten über die Zahl der Intensivpatient:innen von Bedeutung.

Deutschland fehlt aussagekräftige Datenbasis zu Krankheitsverläufen bei Covid-19-Infektion

Derzeit werde diskutiert, wann welche Intensivkapazitäten erschöpft seien und eine Triage drohen könnte. "Wir sollten uns aber nochmals in Erinnerung rufen, dass es vor allem darum gehen sollte, Patienten vor der potenziell tödlichen Erkrankung zu schützen und daher die Infektionsausbreitung einzuschränken", meinte Gitt. Es sei grundsätzlich gut, dass in Deutschland seit Beginn über die Pandemie in all ihren Schattierungen debattiert werde, sagte der Studienleiter. "Eine konstruktive Diskussion ist immer hilfreich. Vielen Fragestellungen fehlt es jedoch an aussagekräftiger Datenbasis."

Aus wissenschaftlicher Sicht habe Deutschland im internationalen Vergleich vor allem Probleme mit einer unzureichend strukturierten Datenerhebung. "Die Defizite der Digitalisierung in der Medizin und bei Gesundheitsbehörden sowie die Strenge des Datenschutzes in Deutschland erschweren im Vergleich zu anderen Ländern eine zeitnahe Datenerhebung und -Auswertung der Pandemie", sagte Gitt. Solche Daten wären aber sehr hilfreich - auch für eine politische Entscheidungsfindung.

Das auf dem Gelände des Klinikums Ludwigshafen ansässige Institut für Herzinfarktforschung führt seit April 2020 in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium das Covid-19-Register Rheinland-Pfalz durch. Es dokumentiert und charakterisiert alle stationär behandelten Patient:innen mit gesicherter Covid-19-Infektion in Rheinland-Pfalz.

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