CT-Screening bei Lungenkrebs sinnvoll?

Lungenkrebs: Neue Studie zeigt, bei welchen Patienten ein CT-Screening Sinn machen kann. In Deutschland ist Lungenkrebs nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Männern.

Lungenkrebs: Neue Studie zeigt, bei welchen Patienten ein CT-Screening Sinn machen kann.

In Deutschland ist Lungenkrebs nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Während die Neuerkrankungen bei Männern jedoch deutlich abnehmen, steigen die Inzidenzen bei Frauen seit den 1990er Jahren an. Als wesentlicher Grund hierfür wird der zunehmende Nikotinkonsum in der weiblichen Bevölkerungsgruppe angesehen. Rauchen ist schätzungsweise bei acht bis neun von zehn Erkrankten für Lungenkrebs verantwortlich. Wenn man einmal an Lungenkrebs erkrankt ist, endet das häufig tödlich: Es handelt sich um die häufigste Krebstodesursache bei Männern mit Zehn-Jahresüberlebensraten von nur zwölf Prozent. Gründe hierfür sind unter anderem, dass insbesondere kleinzellige Formen des Karzinoms schnell wachsen, früh metastasieren und zu spät entdeckt werden. Sind erstmal Metastasen aufgetreten, gibt es nur noch begrenzte Therapiemöglichkeiten.

Sollte Früherkennung bei Risikopatienten eingeführt werden?

In Fachkreisen wurde immer wieder diskutiert, ob es nicht gerade in Hochrisikogruppen sinnvoll sein könnte, eine Art Lungenkrebs-Screening mittels low-dose CT einzuführen. Bei einem Nikotinkonsum über 30 Pack Years (PY, entspricht einer Packung Zigaretten pro Tag pro Jahr) und zunehmendem Alter, könnte eine jährlich durchgeführte CT-Untersuchung zur Früherkennung eines Bronchial-Karzinoms beitragen.

Screening mittel CT umstritten

Allerdings bleibt bisher unklar, ob so ein Screening tatsächlich einen Einfluss auf die Mortalität von Betroffenen haben kann. Außerdem besteht wie bei jedem Screening-Verfahren die Möglichkeit, dass falsch positive Ergebnisse zu unnötigen Eingriffen führen. Ohne klare Indizien für die Nützlichkeit eines  Screenings, scheint es ethisch kaum vertretbar, Angst und Unsicherheit bei Menschen hervorzurufen, die ein falsch positives CT-Ergebnis erhalten. Unter diesen Gesichtspunkten macht es Sinn, dass die alte S3-Leitlinie eine CT-Untersuchung zum generellen Screening asymptomatischer Risikopersonen nicht empfiehlt.

Neue Studie schlägt Subgruppe vor, die eventuell von Screening profitiert

Shepshelovich und Kollegen schlagen in ihrer aktuellen Studie eine neue Subgruppe von Patienten unter langjährigen Rauchern vor, für die ein CT-Screening sinnvoll sein könnte: Raucher, die mit einer ambulant erworbenen Pneumonie ins Krankenhaus kommen. In die retrospektive Datenauswertung wurden Patienten über 40 Jahre mit mehr als 30 PY eingeschlossen, sowie Raucher, die innerhalb der letzten 15 Jahre mit dem Rauchen aufgehört hatten. Ausgeschlossen wurden unter anderem Patienten mit Verdacht auf Legionellose, Aspirationspneumonie, früherer Lungenkrebs-Diagnose oder Zustand nach Lungentransplantation. Die Datenerhebung bezog sich auf den Zeitraum Januar 2007 bis Dezember 2011 und erfasste ausschließlich Patienten des Beilinson Krankenhaus in Israel, es handelt sich somit um eine Single-Center-Studie.

Bei 8,14 Prozent der Raucher mit Pneumonie wurde innerhalb eines Jahres Lungenkrebs festgestellt

Insgesamt konnten 381 Raucher mit ambulant erworbener Pneumonie in die Studie eingeschlossen werden, von denen 31 Patienten im Laufe des ersten Jahres nach ihrem Krankenhausaufenthalt die Diagnose des Lungenkarzinoms erhielten. Interessanterweise waren insbesondere Patienten mit Pneumonie im Oberlappen vom Lungenkarzinom betroffen. Insgesamt war der Krebs überwiegend in dem Lappen zu finden, in dem auch das pneumonische Infiltrat aufgetreten war (75,8 Prozent der betroffenen Patienten). Die Inzidenz von anderen Krebsformen als Lungenkrebs war unabhängig von einer Pneumonie-Erkrankung.

Starke Raucher mit Pneumonie profitieren gegebenenfalls von CT-Untersuchung

Die Untersuchungsergebnisse sprechen dafür, dass starke Raucher mit Pneumonie von einer anschließenden CT-Untersuchung profitieren könnten. Die Anzahl von Patienten, die man scannen müsste, um einen einzigen neu aufgetretenen Fall von Lungenkrebs zu diagnostizieren, beträgt 12,3 gemäß der aktuellen Studie. Die Autoren der Studie halten es für möglich, dass die Pneumonie als Komplikation eines bereits vorhandenen Karzinoms aufgetreten war, im Sinne einer postobstruktiven Pneumonie. Es könnte sich auch um Karzinome handeln, die initial fälschlicherweise als Pneumonie diagnostiziert wurden.

Limitationen der Studie sind sicherlich zum einen der Single-Center Charakter, der sie empfindlich macht für unbekannte Störfaktoren, sowie zum anderen das retrospektive Studiendesign, welches es unter anderem unmöglich macht, einen guten Zeitpunkt für das Screening zu bestimmen. Die Studienpopulation könnte dadurch verzerrt sein, dass vor allem sehr starke Raucher mit über 60 PY das Zentrum aufsuchten. Raucher mit weniger PY und Pneumonie profitieren eventuell nicht so stark von dem Screening. Ebenfalls problematisch ist das Fehlen einer Kontrollgruppe. Die Forscher ziehen für die Auswertung und Interpretation ihrer Daten andere Studien mit ähnlicher Fragestellung heran.

Prospektive Studien müssen folgen

Trotz der Limitationen liefert die Studie einen wichtigen Beitrag hinsichtlich neuer Screening-Ansätze bei Patienten, die ein hohes Risiko haben, an einem Lungenkarzinom zu erkranken. Zukünftig werden prospektive Studien zeigen müssen, ob eine frühe CT-Untersuchung das Überleben der Patienten verbessert und welches der geeignetste Zeitpunkt für das Screening wäre.

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