Darmbakterien gegen Nebenwirkungen von Chemotherapeutika

Zermürbende Episoden von Diarrhöen sind eine weit verbreitete Nebenwirkung vieler Chemotherapien. Jetzt gibt es erste Hinweise darauf, dass unsere Darmbakterien die Ursache der Durchfälle darstellen könnten.

Zu dieser Entdeckung kam eine neue Studie (DOI: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1074552115003257?via%3Dihub), welche am Mausmodell durchgeführt und im Wissenschaftsjournal Chemistry & Biology veröffentlicht wurde. Wenn der menschliche Körper versucht sich über den Darm von Chemotherapeutika zu befreien, tut er dies mit Hilfe von  Bakterien. Diese produzieren dabei einen giftigen Saft. Laut den Autoren der Studie liegt in genau diesem Saft die Ursache für das Auftreten der heftigen Diarrhöen.

Irinotecan ist eines der am häufigsten eingesetzten Zytostatika bei Krebspatienten. In 90% der Fälle kommt es bei Patienten nach der  Einnahme des Medikaments zu den fulminanten und überaus unangenehmen Durchfällen.

Die Wissenschaftler der Studie vertreten die Auffassung, dass in der Blockierung des durch Darmbakterien durchgeführten Abbaus zu giftigen Substraten, der Schlüssel zur Vermeidung dieser Nebenwirkung liegt. Studienautor Matthew Redinbo, Professor für Chemie, Biochemie und Mikrobiologie an der Fakultät für Chemie der University of North Carolina in Chapel Hill, bezeichnet diese Mikroben als “die großen Crowdsourcer der Chemie”.

Er erläutert weiter, dass die Bakterien “eine schwindelerregende Anzahl verschiedener Enzyme verwenden würden, um Medikamente und andere Chemikalien abzubauen. Gelegentlich mit negativen Konsequenzen für den Körper.”

Darmbakterien enthalten für Medikamente zugängliche Angriffspunkte

Redinbo und seinen Kollegen ist es nun gelungen zu zeigen, dass die Hemmung des oben genannten Prozesseses dabei helfen kann, die gastrointestinalen Nebenwirkungen nach der Einnahme von Irinotecan zu verringern. Vorangegangene Forschungsarbeiten der Arbeitsgruppe haben gezeigt, dass die Blockierung des Enzyms Beta-Glucuronidase dazu führen könnte, die gastrointestinale Toxizität von Irinotecan zu mindern.

Redinbo erklärt: “Es ist uns gelungen zu zeigen, dass die Bakterien im Darmtrakt für Medikamente geeignete Angriffspunkte enthalten. Diese Targets können wir mit dem gleichen Typ niedermolekularer Verbindungen modulieren, mit welchen auch schon andere Gebiete der Medizin und Gesundheit  grundlegend verändert werden konnten.”

Sollten sich diese Ergebnisse auch bei weiteren Chemotherapeutika reproduzieren lassen, könnten sie den Weg für eine ganz neue Strategie im Kampf gegen gastrointestinale Toxizität bei Patienten mit Chemotherapie ebnen.

Text: esanum /pvd

Foto: Sebastian Kaulitzki / Shutterstock.com

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