Das Geschlecht beeinflusst die Tumortherapie

Männer und Frauen sind verschieden. Das bringt ja bereits die Genetik der Geschlechter so mit sich. Doch sind diese Unterschiede sehr wahrscheinlich auch therapeutisch von Bedeutung. Gerade im Bereich der Tumormedizin hängen Risiken und Chancen offensichtlich vom jeweiligen Geschlecht ab.

Mehr Männer sprechen z. B. auf Checkpoint-Inhibitoren an

Männer und Frauen sind verschieden. Das bringt ja bereits die Genetik der Geschlechter so mit sich. Doch sind diese Unterschiede sehr wahrscheinlich auch therapeutisch von Bedeutung. Gerade im Bereich der Tumormedizin hängen Risiken und Chancen offensichtlich vom jeweiligen Geschlecht ab.

Sowohl bei soliden als auch bei hämatologischen Tumoren existieren einer Studie zufolge geschlechtsspezifische Unterschiede, die sich bis auf die Ebene der DNA und der dort auftretenden Veränderungen erstrecken. Dies führe dazu, dass für einzelne Tumorentitäten, wie z. B. bei Gallen- oder Leberkarzinomen, nicht nur die Häufigkeit des Auftretens bei Männern und Frauen unterschiedlich ist, sondern ebenfalls, ob die betreffenden Malignome mono- oder polyklonal sind. Die Klonalität der Krebszellen scheint demnach gleichermaßen mit dem Geschlecht assoziiert zu sein.

Die ForscherInnen vermuteten bisher, dass sich möglichweise Unterschiede im Auftreten einzelner Tumorentitäten sowie das Therapieansprechen bei Mann und Frau zumindest partiell mit geschlechtsspezifischen Unterschieden erklären lassen könnten. Nachgewiesen wurde ein solcher Zusammenhang jedoch bisher nicht.

Was wissen wir bereits?

Dass sich Tumorinzidenzen der einzelnen Entitäten durchaus unterscheiden, ist hingegen seit Längerem bekannt. So beträgt beispielsweise die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate fürs Lungenkarzinom in Deutschland beim Mann etwa 57,3/100.000 Männer und bei Frauen circa 29,0/100.000. Darmkrebs tritt mit 54,0/100.000 bei den Männern und mit 35,7/100.000 bei den Frauen auf.

Darüber hinaus sterben PatientInnen auch unterschiedlich häufig an den jeweiligen Tumorentitäten. Beim Lungenkarzinomen beispielsweise ist die Sterblichkeit etwa doppelt so hoch für Männer im Vergleich zu Frauen, beim Darmkrebs immerhin noch um den Faktor 1,6.

Im Ergebnis eindeutige Geschlechts-assoziierte Unterschiede

Insgesamt fanden sich in den gentischen Untersuchungen der Studie sechs onkogene DNA-Bereiche, welche sich in ihrer Mutationshäufigkeit zwischen Männern und Frauen unterschieden. Ganz oben auf der Liste rangierten bekannte Markergene, wie z. B. CTNNB1, ALB und PTCH1.

Die größten genomischen Geschlechtsunterschiede fanden sich jedoch im sogenannten TERT-Promotor. In den männlichen Gewebeproben fanden sich hier in 64% der Fälle Mutationen, bei den Frauen waren es nur 11%. Männer tendierten zudem tumorübergreifend zu einer höheren Mutationsrate pro Malignom als die Frauen.

Ist das bedeutsam für die Praxis?

Diese Daten zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, Tumoren genetisch zu charakterisieren, insbesondere dann, wenn dies direkte Auswirkungen auf die Therapieentscheidung haben kann. Erst vor kurzem zeigte eine weitere Metaanalyse, dass Männer mit bestimmten Tumorerkrankungen deutlich besser auf eine Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren ansprachen als Frauen.

Solche Daten sind allerdings nicht nur für die Behandlungsplanung wichtig, sondern beeinflussen auch die Rekrutierung und Charakterisierung von PatientInnen, die im Rahmen onkologischer Studien gesehen werden. Alles in allem sollte das jeweilige Geschlecht zukünftig in die Therapieplanung diverser Malignome mit einbezogen werden, so die Studienautoren zum Abschluss.

Quellen:

Li CH et al., Sex Differences in Oncogenic Mutational Processes. BioRxiv 2019; doi: http://dx.doi.org/10.1101/528968

Conforti F et al., Cancer immunotherapy efficacy and patients‘ sex: a systematic review and meta-analysis. Lancet Oncol 2018; http://dx.doi.org/10.1016/S 1470–2045(18)30261–4

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