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Das Trockene Auge – Pathogenese, Diagnostik und neue Therapieoptionen

Der Überbegriff Trockenes Auge bezeichnet ein multikausales Krankheitsbild mit unterschiedlichem morphologischen Erscheinungsmuster. Die Differenzierung der verschiedenen Ursachen und das klinische Erscheinungsbild sind vor dem Einleiten einer Therapie von großer Bedeutung.

Ophthalmo Update 2017: neue Definition des Trockenen Auges

Der Überbegriff Trockenes Auge bezeichnet ein multikausales Krankheitsbild mit unterschiedlichem morphologischen Erscheinungsmuster. Die Differenzierung der verschiedenen Ursachen und das klinische Erscheinungsbild sind vor dem Einleiten einer Therapie von großer Bedeutung. Es wird zwischen einem Tränenmangel (10% der Patienten) und einem hyperevaporativen Trockenen Auge unterschieden. Dem Großteil der Patienten mit Trockenem Auge liegt pathogenetisch eine Mischform aus hyperevaporativ und hypovolämisch zugrunde.

Der DRY EYE WORKSHOP (DREWS) II-REPORT 2017 stellt eine neue Definition des Trockenen Auges vor. Neue Charakterstika sind der "Verlust der Homöostase des Tränenfilms" und die Erwähnung "neurosensorischer Veränderungen" in der Pathogenese. Die Reduktion von Hornhautnerven und neuropathische Störungen spielen eine wichtige Rolle in der Pathogenese des Trockenen Auges. Die humane Hornhaut ist 40x höher innerviert als die Zahnpulpa. Der neuropathische Schmerz ist ein entscheidender pathogenetischer Faktor und die Sicca-Symptome der Patienten sind daher nicht objektivierbar.

Der Circulus Vitiosus

Das Trockene Auge ist eine multifaktorielle Erkrankung der Augenoberfläche (Hornhaut, Bindehaut, akzessorische Tränendrüsen). Sie geht einher mit Instabilität und Hyperosmolarität des Tränenfilms, mit einer Entzündung und strukturellen Schädigung der Augenoberfläche. Eine funktionelle Einheit wird aus folgenden Komponenten gebildet: Augenoberfläche, Meibomdrüsen und Haupttränendrüse. Eine Dysfunktion einer der genannten Strukturen kann in einem Trockenen Auge resultieren. Umwelteinflüsse, Infektionen, Antigene, eine genetische Prädisposition und endogener Stress können das Krankheitsbild hervorrufen. Zusammen mit der MMP (Matrix-Metalloproteinasen) können proinflammatorische Botenstoffe eine Ausbreitung autoreaktiver T-Helferzellen auf die Augenoberfläche und in die Tränendrüse herbeiführen. Das Resultat ist ein Circulus Vitiosus.

Diagnostik des Trockenen Auges und zentrale Sensibilisierung

Klinische Zeichen eines Trockenen Auges sind die Oberflächen-Anfärbung mit Fluoreszein, die Tränenfilmaufreißzeit, der Schirmer-Test, die Tränenfilmosmolarität und die Funktion der Meibomdrüsen. Es besteht eine Diskrepanz zwischen dem klinischen Erscheinungsbild und der Symptomatik. Vehof et al. konnten beobachten, dass Patienten, die gleichzeitig an einer Depression, chronischen Schmerzen und einer Allergie leiden, einen subjektiv höheren Leidensdruck haben. Eine zentrale Sensibiliserung der okulären Schmerzen liegt vor, wenn trotz Applikation eines Lokalanästhetikums die Schmerzen persistieren. Zu diesem Ergebnis kamen Crane et al..

Biomarker des Trockenen Auges

Es gibt eine Reihe von Biomarkern, die in der Diagnostik und für das Therapieansprechen relevant sind. So sind bei inflammatorischen Prozessen die Biomaker HLA-DR, TNFa, IL-6, IL-17A und IL-8 zu nennen. Die Stabilität des Tränenfilms, die Funktion der Meibomdrüsen, die Hornhauoberflächenbeschaffenheit, der Tränenmeniskus, die Lipidschicht und die bulbäre Rötung sind Biomaker für das okuläre Imaging.

Beim Sjögren-Syndrom und der Meibomdrüsendysfunktion sind erhöhte HLA-DR-Werte mit der Symptomatik und den klinischen Zeichen des Trockenen Auges assoziiert. Die HLA-DR-Werte korrelieren positiv mit einem reduzierten Schirmer-Test, einer Anfärbbarkeit der Hornhautoberfläche und einer erniedrigten Tränenfilmaufreißzeit. Brignole-Baudouin et al. konnten zeigen, dass eine Therapie mit Cyclosporin Augentropfen mit einer Reduktion der HLA-DR-Werte einhergehen kann.

Neue Therapieoptionen: Muttermilch und Manuka-Honig

Im Mausmodell wurde mittels Benzalkoniumchlorid 0,2% das Trockene Auge induziert. Eine Therapie mit humaner Muttermilch wurde 4 x täglich für 7 Tage appliziert. Es zeigte sich eine Verbesserung der Hornhautoberflächenbeschaffenheit mit reduzierter Anfärbbarkeit. Durch eine additive Therapie mit Manuka-Augengel und Manuka-Augentropfen konnte in einer anderen Studie eine Verbesserung der Meibomdrüsenfunktion bewirkt werden. Der als Gel und Augentropfen applizierte Manuka-Honig führte auch zu einer Reduktion der Staphylococcus epidermidis-Besiedlung der Lidkanten.

Referenz:
Messmer, Prof. Dr. med. E., Augenklinik der LMU, München, Symposium: Trockenes Auge, Ophthalmo Update, Düsseldorf 2017.