Deutsche Krankenhausgesellschaft spricht sich gegen Zugangskontrollen in Kliniken aus

In Krankenhäusern kann jeder ein- und ausgehen. Sollte sich daran nach dem Messerangriff auf den Arzt Fritz von Weizsäcker in Berlin etwas ändern?

Zugangskontrollen wären massive Behinderung im Klinikalltag

In Krankenhäusern kann jeder ein- und ausgehen. Sollte sich daran nach dem Messerangriff auf den Arzt Fritz von Weizsäcker in Berlin etwas ändern?

Nach dem Tod von Fritz von Weizsäcker bei einem Messerangriff in einer Berliner Klinik hat sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft gegen Zugangskontrollen ausgesprochen. "Zugangskontrollen zu installieren, wie wir sie an Flughäfen kennen, ist bei uns nicht möglich", sagte der Präsident der Organisation, Gerald Gaß. "Wir würden die Abläufe im Klinikalltag massiv behindern." Auch bei Patienten würde dies für Unverständnis sorgen.

"Die Krankenhäuser sind ein öffentlicher Raum, deren Schutz eine Herausforderung ist", betonte Gaß. Dies versuchten Kliniken im Alltag "bestmöglich zu gewährleisten". Den tödlichen Messerangriff auf den Mediziner in der Charlottenburger Schlosspark-Klinik vom Dienstagabend wertete Gaß als "absolute Ausnahme" - solche Taten seien ausgesprochen selten. Solche Extremereignisse ließen sich in einer offenen Gesellschaft auch nie ganz ausschließen.

Durch Schulungen und Deeskalationstrainings Situationen frühzeitig erkennen

In Krankenhäusern gebe es zum Beispiel Schulungen für MitarbeiterInnen und Deeskalationstrainings, schilderte Gaß. Es gehe darum, auffällige Menschen anzusprechen und zu versuchen, "Situationen frühzeitig zu erkennen und dadurch zu vermeiden", so Gaß. Sicherheitsdienste kämen zum Teil in Rettungsstellen zum Einsatz: Die Ambulanzen, wo viele PatientInnen aufeinanderträfen, seien Problembereiche - auch weil die PatientInnen teilweise selbst in einer Ausnahmesituation und aufgeregt seien. Es komme dort öfter zu Streits bis hin zu körperlichen Übergriffen, wenn sich PatientInnen oder Angehörige "nicht schnell genug oder nicht aufmerksam genug betreut und behandelt fühlen", so Gaß.

Der 59 Jahre alte Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker war während eines öffentlichen Vortrags von einem Zuhörer mit einem Messer am Hals attackiert worden und gestorben. Der Angreifer, ein 57-Jähriger aus Rheinland-Pfalz, wurde von einem zufällig anwesenden Polizisten überwältigt und später festgenommen. Der Polizist wurde schwer verletzt.

Angreifer gegen von Weizsäcker in psychiatrisches Krankenhaus gebracht

Der Angreifer sollte nach einem sogenannten Unterbringungsbeschluss in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht werden. Die Unterbringung wolle man in Hinblick auf eine "akute psychische Erkrankung" des Beschuldigten beantragen, hieß es zuvor von der Behörde. Sein Motiv liege in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten". Details zu den Wahnvorstellungen wurden vom Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, in Fernsehinterviews nicht genannt. Der Angreifer war zuvor nicht mit Straftaten in Erscheinung getreten.

Der 57-Jährige habe angegeben, die Tat geplant zu haben, hieß es. Im Internet sei er auf den Vortrag des Chefarztes in der Schlosspark-Klinik gestoßen. Der Mann sei mit der Bahn zu der Veranstaltung gefahren. Zuvor habe er noch in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft, um damit die Tat zu begehen. Für von Weizsäcker kam jede Hilfe zu spät.

Heiner Geißler spricht von prägender Rolle von Weizsäckers

Dem Angreifer werden Mord und versuchter Mord zur Last gelegt. Der 33-jährige Polizist, der privat bei dem Vortrag war und dazwischen ging, wurde operiert. Er ist außer Lebensgefahr, wie es von der Polizei hieß. Mehrere der etwa 20 Menschen im Publikum halfen, den Angreifer festzuhalten. Er wurde festgenommen. Seine Wohnung in Rheinland-Pfalz wurde durchsucht. Der Verdächtige kommt nach vorliegenden Informationen aus Andernach.

Das Verbrechen löste auch in der Fachwelt Bestürzung aus. "Es ist ein großer Schock und erfüllt mich mit großer Trauer, dass ein hochintellektueller, dem Zeitgeist kritisch gegenüberstehender, unterhaltsamer und bodenständiger Mensch und Arzt wie Fritz von Weizsäcker nicht mehr unter uns weilt", schrieb sein Medizinkollege Michael Geißler, Sohn von CDU-Politiker Heiner Geißler, in einem Nachruf in der "Welt". Viele erfolgreiche WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen seien von ihm klinisch und akademisch geprägt worden.

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