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Deutscher Pflegetag 2016: Stress und Burn-out in Heilberufen

Unter dem Motto “Humor hilft heilen” leitete der bekannte Arzt/Humorist Eckart von Hirschhausen die Veranstaltung “Stress und Burn-out in Heilberufen” ein, die im Rahmen des

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Unter dem Motto “Humor hilft heilen” leitete der bekannte Arzt/Humorist Eckart von Hirschhausen die Veranstaltung “Stress und Burn-out in Heilberufen” ein, die im Rahmen des Deutschen Pflegetages am 11.03.2016 in Berlin stattfand und auf merkbares Interesse vieler Teilnehmer stieß.

Hirschhausen leitete ein, dass gerade der Bereich der seelischen Gesundheit in den letzten 30 Jahren einen enormen Entwicklungsschub erfahren hat: man weiß heute, dass Menschen im Angesicht von überlebensgroßen Herausforderungen wachsen können (Post traumatic growth, z. B.), aber auch, dass langfristiger Stress gefährlich ist.

Gegen Stress im modernen Berufsleben, insbesondere den Pflege- und Heilberufen mit ihrem vergleichsweise hohen suchtgefährdenden Potenzial,  helfen laut Hirschhausen vor allem Sinnhaftigkeit, soziale Unterstützung und Humor- und fernöstliche Weisheit: der Mensch braucht positive Rituale,  um positiv zu sein.

Damit gemeint ist, neuhochdeutsch ausgedrückt, die “mindfulness”, ein ständiges Sich-selbst-reflektieren und ein daraus resultierendes Regime von seelenhygienischen und körperlichen Maßnahmen (dazu kann z. B. Yoga gehören).

HIER finden Sie unser Interview mit Dr. Eckart von Hirschhausen

Der erste Fachreferent war der vortragsbekannte Charité-Mediziner Dr. Mazda Adli. Ihn beschäftigten insbesondere die “Depression am Arbeitsplatz” und die Frage, was man unter Burn-out eigentlich unter heutigen Berufsbedingungen versteht.

Anhand von verschiedenen aktuellen SPIEGEL-Titelblättern verdeutlichte er die anhaltende Relevanz des Themas. Die veränderte Dienstleistungs- und Internetgesellschaft findet hauptsächlich digitalisiert und sitzend statt.

Statt einzelner fokussierter Tätigkeiten müssen heute oft kompliziertere Prozesse vom Einzelnen gemanaged werden. Dieser Generalismus, so Atli, setzt uns mehr unter  Stress.

So zitierte er die TK-Studie “Bleib locker, Deutschland”: in der Altersgruppe der 33-45 Jährigen gaben acht von zehn Befragten an, gestresst zu sein. Gefragt nach den Top drei der Stressfaktoren wurden Multitasking, Unterbrechungen und Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten besonders hervorgehoben.

Von Wissenschaftlern wurde davon unabhängig eine Stressfalle gefunden, nämlich den Perfektionismus. Dieser schaffe auf Dauer viele Probleme und müsse von den Betroffenen erstmal als Problem wahrgenommen.

Besonders betroffen sind dabei laut Adli Manager in mittleren Führungsrollen, IT’ler sowie Heil- und Pflegeberufe.

Vermeidungsrezepte können nach aktuellem Forschungsstand sein: stetiges Loben von Mitarbeitern und Kollegen, ebenso das entgegenbringen von Vertrauen, Sport, gesunder Schlaf und das vermeiden von sozialem Jet-lag – damit gemeint ist, nicht gegen die eigene innere Uhr zu leben und z. B. als Langschläfer früh aufzustehen (das kann sich freilich nicht jeder aussuchen).

Ein wichtiger Tipp für Stressgeplagte: es ist immer ratsam, Komplementärtugenden zu aktivieren, um gefühlte oder tatsächliche Belastungen zu konterkarieren. So würde Großzügigkeit gegenüber Mitmenschen oft zu ungeplanten Gratifikationseffekten führen, die den Stress neutralisieren helfen.

Weiterhin riet Adli zu regenerativen Maßnahmen, dem Suchen nach sinnstiftenden Tätigkeiten und täglichen Anstrengungen, das Besondere/Außergewöhnliche im eigenen Alltag zu suchen.

Als letzte Referentin sprach Rita Bauer, PD, über “Web-basierte Psychotherapie”.

Sie führte aus, dass in Deutschland über vier Millionen Menschen an Depressionen leiden, aber nur 10% erkannt bzw. behandelt werden.

Die Nationale Versorgungsleitlinie schreibt für Patienten Psycho- und Physiotherapieleistungen vor, die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Bei nur 3,3 Millionen depressionsbezogenen Therapieausgaben im Jahr kann man sich ausrechnen, dass nur wenige Patienten erreicht werden.

Als Alternative schlug sie ein naheliegendes, wenn auch in diesem Zusammenhang bisher wenig erachtetes Medium vor: das Internet. Bisher findet es wenig Akzeptanz unter Medizinern – dagegen umso mehr bei Patienten.

Zu den gebräuchlichsten Informationsquellen zählen Facebook, Blogs, Foren, Informationsmedien aller Art und schlußendlich das “Forum der Deutschen Depressionshilfe”.

Die originären Online-Angebote für depressive Erkrankungen basieren meist auf kognitiver Verhaltenstherapie. Wissenschaftlicher Nachweis finden sich unter anderem in der Studie “Computer-based psychological treatments for depression: a systematic review and meta-analysis.” (Richard, Richardson 2012, DOI: 10.1016/j.cpr.2012.02.004).

Hauptkomponenten solcher Selbsthilfeprogramme basieren auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Maßnahmen, z. B.:

Als besonders erwähnenswertes Beispiel für ein aktuelles, in Deutschland nutzbares Angebot, stellte sie mit deprexis24 vor.

Das Onlineprogramm bietet einen zeitlich begrenzten interaktiver Dialog mit Patienten an, die wahlweise auch mit dem behandelnden Arzt gemeinsam genutzt werden können.

Durch moderne Kommunikationsmittel wie SMS bietet deprexis24 den Patienten auch praktischen Mehrwert, den die althergebrachte Therapie so nicht bieten kann.

Die übergreifenden Themenbereichen beinhalten Übungen und Techniken zur Bewältigung der Krankheit. Dabei spielen eine Rolle:

Als Therapieziel beim Einsatz von deprexis24 ist vorstellbar eine Einstellungsänderung zu neuen, alternativen Denkmustern, eine kognitive Umstrukturierung und eine positive Umdeutung des Alltags des Betroffenen.

Der Patient kann auswählen, wann und wie oft er oder sie das Programm nutzen will. Ein Stimmungsbarometer zeigt in der grafischen Darstellung die monatliche Stimmungskurve.

Bei dauerhaften Tiefpunkten kann bei Einbeziehung des Behandlers auch direkt reagiert werden, wenn es beispielsweise der Patient aufgrund des momentanen Zustands nicht mehr schafft, die Wohnung zu verlassen.

Das Programm ist sinnvoll vor allem bei Risikogruppen, aber auch bei Patienten, die noch keine ausgeprägte Depression haben und so einer Verschlimmerung vorbeugen wollen. Ebenso sinnvoll ist es bei all jenen, die es zu weit zum Behandler haben.

Insgesamt ist deprexis24 ein vielversprechender Online-Therapieansatz für Depressionsgeplagte.

Zum Abschluß der Veranstaltung gab es noch einen beherzten Aufruf, den kommenden Berliner Care Slam im April beizuwohnen.

Text und Foto: Sami Seyfert