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DGPPN stellt neue S3-Leitlinie für unipolare Depressionen vor

Depressionen sind längst eine Volkskrankheit. Jeder achte Erwachsene erkrankt im Laufe seines Lebens an einer depressiven Störung. Bundesweit sind innerhalb eines Jahres rund 6,2 Millionen Menschen betroffen.

Im Gegensatz zu einer bipolaren Depression fehlen bei einer unipolaren Depression manische Phasen. Speziell für die Behandlung einer unipolaren Erkrankung stellte die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) im Vorfeld des DGPPN-Kongresses in Berlin eine neue S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie vor, die maßgebend für die Erkennung, Diagnose und Therapie sein soll. Ziel ist es, die Versorgung von betroffenen Patienten in Deutschland weiter zu verbessern.

Nach Ansicht von Dr. Iris Hauth, Präsidentin der DGPPN, bestehen im Bereich der Versorgung von an einer Depression Erkrankten erhebliche Mängel: „Rund 30 Prozent der Patienten in Deutschland werden nicht leitliniengerecht behandelt; sogar 20 Prozent gar nicht.“ Es gebe zusätzlich ein Ost-West- und Stadt-Land-Gefälle. Diese Versorgungsmängel stellen insbesondere vor dem Hintergrund, dass Depressionen mit erheblichen Leidensdruck verbunden sind und im schlimmsten Fall zu einem Suizid führen können, ein schwerwiegendes Problem dar. Die überarbeitete Leitlinie soll deshalb zu einer deutlichen Verbesserung der aktuellen Situation beitragen,

Spezielle Empfehlungen für Schwangere und Migranten

Auf den mehr als 250 Seiten geben die Verfasser 120 Schlüsselempfehlungen, die jetzt erstmals auch spezielle Zielgruppen wie Schwangere, ältere Menschen, Patienten mit Migrationshintergrund sowie Männer und Frauen mit einer Dysthymie – also einer leichten chronischen depressiven Verstimmung – adressieren. Initiator der Überarbeitung sind die DGPPN in Kooperation mit der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Insgesamt 27 Fachgesellschaften waren an der Erstellung beteiligt und sollen jetzt die Kommunikation gegenüber ihren Mitgliedern forcieren. Die Leitlinie richtet sich an alle Berufsgruppen, die – ambulant und stationär – Patienten mit unipolarer Depression behandeln. Für Betroffene und Angehörige wird zusätzlich eine eigene Patientenleitlinie entwickelt, die in den kommenden Wochen verfügbar sein soll. Als S3-Leitlinie flossen in die Empfehlungen die aktuellsten Studien und Forschungsergebnisse mit ein.

Hauptsymptome einer Depression sind dem ICD-10-Schlüssel der WHO zufolge eine gedrückte Stimmung, Interessensverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel und eine erhöhte Müdigkeit. Hinzu können eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, wenig Selbstvertrauen, ein Gefühl von Wertlosigkeit, Schlafstörungen und Suizidgedanken kommen. „Ein Problem ist, dass sich viele Patienten gar nicht bewusst sind, dass sie an einer Depression leiden“, erklärt Prof. Frank Schneider, Vorstandsmitglied der DGPPN und als Mitglied der Steuerungsgruppe maßgeblich an der Entstehung der Leitlinie beteiligt. Rund 60 Prozent der Depressionspatienten werden von einem Hausarzt behandelt. Die Lebenszeitprävalenz für Depressionen liegt deutschlandweit und international zwischen 16 bis 20 Prozent.

Kombination aus Psychopharmaka- und Psychotherapie

Ein wesentlicher Bestandteil jeder Behandlung sei es, depressive Patienten über Symptomatik, Verlauf und Behandlung der Depression aufzuklären, so die Leitlinie. Bei Patienten mit einer „leichten depressiven Episode“ sollen nach einem Zeitraum von 14 Tagen bei einer Verschlechterung der Symptome Behandlungsmöglichkeiten wie psychoedukative-supportive Gespräche, Mittel zur Selbsthilfe wie Online-Programme oder eine psychiatrisch-psychotherapeutische Basisbehandlung in Erwägung gezogen werden. Bei einer akuten mittelschweren depressiven Erkrankung empfiehlt die Leitlinie eine medikamentöse Therapie mit einem Antidepressivum, während bei einer schweren Erkrankung eine Kombinationsbehandlung aus Medikament und Psychotherapie besonders ratsam sei.

Bei Patienten, die nicht auf eine Monotherapie mit Antidepressiva ansprechen, könnte eine Augmentation von Antidepressiva mit den Antipsychotika Quetiapin (zugelassen), Aripiprazol, Olanzapin und Risperidon (jeweils off-label) in verhältnismäßig niedrigen Dosierungen erfolgen, um depressive Symptome zu reduzieren. Bei schweren chronischen Depressionen und einer „Double Depression“ gelte es vom Arzt oder Therapeuten die Indikation zur Kombinationsbehandlung aus Pharmakotherapie und geeigneter Psychotherapie vorrangig vor einer alleinigen Psychotherapie oder Pharmakotherapie zu prüfen. Allgemein gelten Sport und spezielles Training unter Anleitung als förderlich bei der Behandlung von Depressionen. Bei Menschen mit Migrationshintergrund sollen kulturspezifische Krankheits- und Behandlungskonzepte berücksichtigt werden. Insbesondere für Flüchtlinge aus Krisenregionen wird diese Empfehlung von hoher Bedeutung sein.

Knapp 26 Monate hat die Revision der Leitlinie gedauert. Sie soll mindestens für die nächsten fünf Jahre gültig sein. Ein Novum während der Erstellung war eine öffentliche Konsultation, die es Ärzten, Psychologen und Therapeuten ermöglichte, sechs Wochen lang Änderungen und Ergänzungen anzuregen. Die Leitlinie wird auch auf dem DGPPN-Kongress vom 25. bis 28. November in Berlin im Detail diskutiert.