MoodGYM: Stimmungsaufheller aus dem Internet?

Das online-basierte Programm MoodGYM nutzen Patienten aus aller Welt zur begleitenden Therapie bei Depressionen. Experten wie Prof. Steffi G. Riedel-Heller aus Leipzig bestätigen, dass die Freeware zur Verringerung von Depressions- und Angstsymptomen beitragen kann. Erste Ergebnisse wurden auf dem DGPPN Kongress 2015 in Berlin präsentiert.

In der Behandlung von Depressionen greifen Psychologen und Psychiater zunehmend auf e-Health-Lösungen zurück, die begleitend zu einer Therapie eingesetzt werden.

Ein Beispiel für ein online-basiertes Selbsthilfeprogramm auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie ist MoodGYM (deutsch etwa „Fitness für die Stimmung“). Entwickelt haben MoodGYM Wissenschaftler des National Institute for Mental Health Research der Australian National University. Seit 2004 haben sich bereits mehr als 750.000 Nutzer registriert.

“Das Programm eignet sich vor allem für die Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen. Es soll keineswegs einen ausgebildeten Therapeuten oder eine medikamentöse Therapie ersetzen”, erklärt Direktorin Prof. Steffi G. Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Ihr Team hat das Programm für den deutschen Markt übersetzt und angepasst. “In einer cluster-randomisierten Studie mit 600 Hausarztpatienten konnten wir nachweisen, dass depressive Systematik im Kurzzeitverlauf signifikant reduziert wird und die Lebensqualität sich erhöht hat”, so Riedel-Heller.

Untersucht werden in der Studie, deren erste Ergebnisse auf dem DGPPN Kongress 2015 in Berlin vorgestellt wurden, bis zu 65-jährige Erwachsene mit leicht- bis mittelschwerer Symptomatik, die nach einem halben Jahr wieder nach ihrem Befinden befragt werden.

Bisher steht MoodGYM Patienten in Deutschland nur als englische, chinesische, niederländische und norwegische Version zur Verfügung. Es ist jedoch geplant, das Programm nach Durchführung der Forschungsarbeiten voraussichtlich ab 2016 allen Patienten in Deutschland kostenfrei als Freeware zur Verfügung zu stellen.

“Es ist das international am besten evaluierte Programm. Ich sehe es vor allem als ergänzenden Baustein, der die Motivation fördern kann, überhaupt eine fachspezifische Behandlung aufzunehmen, oder als hilfreich für Menschen aus ländlichen Gegenden, in denen der Zugang zu einer therapeutischen Behandlung nicht so leicht ist.” Darüber hinaus würden sich erste verhaltenstherapeutische Behandlungsgrundlagen vermitteln lassen, was sich bei einer anschließenden Therapie positiv auszahlen könne.

Fünf Online-Module mit anschaulichen Charakteren

Das Trainingsprogramm verspricht vor allem einen Beitrag zur Vorbeugung und Verringerung von depressiven Symptomen. Die Patienten werden durch die Module “Gefühle”, “Gedanken”, “Beziehungen”, “Weg mit dem Stress” und “Alternative Gedanken entwickeln” geführt und dabei von Beispielpersonen wie dem “Miesepeter” und dem “NullProblemo-Typ” begleitet.

Wenn die einzelnen Beispielpersonen angeklickt werden, erfährt der Nutzer mehr über diese Person. Mit ihnen erlebt man Beispielsituationen aus dem alltäglichen Leben und erfährt, wie die Charaktere mit Problemen im Alltag umgehen. Die Bausteine können von den Nutzern der Reihenfolge nach in selbst gewählter Geschwindigkeit und Intensität über einen selbst gewählten Zeitraum bearbeitet werden.

Experten und Patienten schätzen das Programm vor allem deshalb, weil es sich durch eine leicht verständliche und praxisorientierte Herangehensweise an komplexe psychotherapeutische Themen auszeichne.

Das Programm behandelt Themen wie den Zusammenhang von Gedanken und Gefühlen, Beziehungsprobleme, Stressbewältigung und vermittelt Entspannungstechniken. Alle Übungen können im Arbeitsbuch-Bereich des Programms gespeichert und ausgedruckt werden. Anhand sich wiederholender Fragebögen und Tests hat der Nutzer die Möglichkeit, den Verlauf seiner Symptome und damit seinen Fortschritt und den Erfolg des Programms zu verfolgen.

Verringerung der Symptome

Etwa 30 wissenschaftliche Studien haben sich bisher mit MoodGYM beschäftigt. Die Ergebnisse unterstreichen, dass MoodGYM nachweislich zur Verringerung von Depressions- und Angstsymptomen beiträgt und auch langfristig Wirkung zeigt.

Die Absolvierung von zwei oder mehr Bausteinen geht bei zahlreichen Patienten mit einer signifikanten Verringerung von Depressions- und Angst-Symptomen einher. Dieser Effekt lässt sich auch nach zwölf Monaten noch nachweisen.

Pro Jahr wird bei über elf Prozent der Erwachsenen eine Depression diagnostiziert. Bis zu sechs Millionen Menschen sind somit betroffen. Das Großteil der Patienten, die im Jahr 2010 erstmals an einer Depression erkrankten, ist ausschließlich ambulant behandelt worden (79 Prozent). Der Anteil der rein stationär versorgten Ersterkrankten lag nach AOK-Angaben bei zwölf Prozent und der ambulant sowie stationär Versorgten bei neun Prozent.

Text und Video: V. Thoms

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