Diabetes-Prognose: enttäuschende Daten

Haben Sie das gewusst: Für Typ-2-Diabetiker ist die Gefahr eines kardiovaskulären Ereignisses ähnlich hoch wie für Menschen ohne Diabetes, die bereits einen Herzinfarkt hinter sich haben – und doppelt so hoch im Vergleich zu Gesunden.

Diabetes-Prognose: enttäuschende Daten

Haben Sie das gewusst: Für Typ-2-Diabetiker ist die Gefahr eines kardiovaskulären Ereignisses ähnlich hoch wie für Menschen ohne Diabetes, die bereits einen Herzinfarkt hinter sich haben – und doppelt so hoch im Vergleich zu Gesunden1,2. Insgesamt sind die Daten rund um das kardiovaskuläre Risiko bei Diabetes frappierend – und angesichts der therapeutischen Möglichkeiten enttäuschend, wie jetzt mehrere Experten offen zugegeben haben.

Komplikationen bei Diabetes: die Basiszahlen

Zunächst eine Binsenweisheit: Ein gutes Diabetes-Management besteht zu einem großen Teil in einem umfassenden Risikomanagement. Denn der langfristige Behandlungserfolg hängt vor allem davon ab, ob es gelingt, die drohenden Komplikationen zu verhindern. Diese Zahlen verdeutlichen das:

Das hohe kardiovaskuläre Risiko steht also ganz oben auf der Liste. Deshalb findet sich der Herzschutz heute auch zunehmend im Fokus der Überlegungen zu neuen bzw. verbesserten Therapiestrategien.

„Schockierende Daten“

Diabetiker haben eine gegenüber Nichtdiabetikern um mehrere Jahre verkürzte Lebenserwartung. Darauf hatten wir im letzten Beitrag schon hingewiesen. Noch schlimmer sieht das für Diabetiker mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko aus, die schon mal einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten. Ihre Lebenszeit kann nicht nur um bis zu 6, sondern um bis zu 12 Jahre verkürzt sein – auch wenn kardiovaskuläre Risikofaktoren behandelt werden8.

„Neuere Daten geben einem schwer zu denken und enttäuschen eigentlich bezüglich dem, was wir bisher erreicht haben im Hinblick auf die Lebenserwartung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes.“ So äußert sich dazu Dr. Andreas Liebl, Chefarzt am Diabetes- und Stoffwechselzentrum der Fachklinik Bad Heilbrunn, in einer Online-Fortbildung9.

Und weiter: „Dies sind wirklich schockierende Daten, obwohl wir eigentlich ganz genau wüssten, was zu tun ist, um die Prognose für Menschen mit Typ-2-Diabetes zu verbessern.“

Die vier Säulen der kardiovaskulären Therapie bei Diabetes-Patienten

Wir rufen nochmal kurz die vier Säulen in Erinnerung, auf denen die kardiovaskuläre Therapie bei Diabetes-Patienten mittlerweile beruht:

Welche Rolle spielt hier die Blutzuckersenkung?

Mit der ersten Säule ist das so eine Sache: „Epidemiologisch betrachtet ist die Hyperglykämie mit der kardiovaskulären Prognose assoziiert“, schreibt die DDG in ihrem aktuellen Gesundheitsbericht Diabetes 201710. Allerdings ist nicht hinreichend geklärt, ob eine blutzuckersenkende Behandlung alleine das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen reduzieren kann.

Krankheitsverlauf und Überleben der Diabetiker werden durch die frühzeitige Glukoseeinstellung im normnahen Bereich günstig beeinflusst. Das weiß man aus den Nachbeobachtungen der bekannten Studien (UKPDS, ACCOR, VADT). Auch gibt es eine gehäufte Evidenz dafür, dass mit einer intensivierten metabolischen Kontrolle die Rate an koronaren Ereignissen sinkt. Für Schlaganfall und Sterblichkeit konnte das bisher allerdings nicht gezeigt werden.

Kann ein Antidiabetikum das kardiovaskuläre Risiko reduzieren?

Bisher heißt: bis zur Veröffentlichung der EMPA-REG-Outcome-Studie (Empagliflozin Cardiovascular Outcome Event Trial in Type 2 Diabetes Mellitus Patients)11. Gedacht war sie als kardiovaskuläre Sicherheitsstudie für den SGLT2-Hemmer Empagliflozin. Bekannt ist sie mittlerweile als die erste Studie, die für ein modernes Antidiabetikum eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse bei Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes nachgewiesen hat.

Vor diesem Hintergrund ist das Aufsehen zu verstehen, dass diese Studie mit ihren überraschend positiven Ergebnissen erregt hat. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Referenzen:

  1. Sarwar et al. Diabetes mellitus, fasting blood glucose concentration, and risk of vascular disease: a collaborative meta-analysis of 102 prospective studies. Lancet 2010;375(9733):2215-22.
  2. Seshasai et al. Diabetes mellitus, fasting glucose, and risk of cause-specific death. N Engl J Med 2011;364(9):829-41.
  3. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2016.
  4. Nationale VersorgungsLeitlinie „Nierenerkrankungen bei Diabetes im Erwachsenenalter“. Langfassung, 1. Auflage. Version 6. 2010. Letzte Bearbeitung: 09/2015. (//www.leitlinien.de/nvl/diabetes; Zugriff am 25.11.2016)
  5. Nationale VersorgungsLeitlinie „Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes“. Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2015. (//www.leitlinien.de/nvl/diabetes; Zugriff am 25.11.2016)
  6. American Diabetes Association. Fast Facts – Data and Statistics about Diabetes. 2015.
  7. Lobmann R. Das Diabetische Fußsyndrom. Der Internist 2011;52:539-48.
  8. The Emerging Risk Factors Collaboration. Association of Cardiometabolic Multimorbidity With Mortality. JAMA 2015;314(1):52-60.
  9. Liebl A. Die optimale Therapie bei Typ 2 Diabetes – Neue Aspekte für Patienten mit kardialem Risiko. (//cme.medlearning.de; Zugriff am 25.11.2016)
  10. DDG und diabetesDE. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2017.
  11. Zinman B et al. Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes. N Engl J Med 2015;373:2117-28.
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