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Diagnose Pankreaskarzinom – eine Erkrankung mit vielen Gesichtern

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist nicht gleich Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ganz im Gegenteil: So unterschiedlich die Symptome sein können, so verschieden sind auch die einzelnen Tumorarten und ihre Entstehung.

<strong>Bauchspeicheldrüsenkrebs ist nicht gleich Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ganz im Gegenteil: So unterschiedlich die Symptome sein können, so verschieden sind auch die einzelnen Tumorarten und ihre Entstehung. Die moderne molekulargenetische Forschung bringt immer wieder neue Erkenntnisse hervor, die dabei helfen, unterschiedliche Tumoren anhand ihrer individuellen Charakteristika voneinander abzugrenzen und daraus auch einen therapeutischen Nutzen zu ziehen.</strong>

Als zwölfthäufigste Krebserkrankung, die weltweit 3 Prozent aller Krebsfälle ausmacht, gehört das Pankreaskarzinom zu den seltenen Krebserkrankungen.1 Jedes Jahr erhalten in Deutschland etwa 16.700 Menschen die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Zahl der jährlichen Todesfälle ist ähnlich hoch.2

2012 war das Pankreaskarzinom weltweit die siebttödlichste Erkrankung, in Deutschland belegte sie Platz 4 – Tendenz steigend. Experten schätzen, dass das Pankreaskarzinom bis 2030 die zweithäufigste krebsassoziierte Todesursache sein wird.1,2,3

Entscheidende Risikofaktoren: Rauchen, Alkohol und Diabetes

Männer und Frauen erkranken gleichermaßen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt für Männer bei 71, für Frauen bei 75 Jahren.2,4 Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung eines Pankreaskarzinoms gehören Rauchen, zunehmendes Alter, die Familiengeschichte, Diabetes und Adipositas.5 Darüber hinaus tragen Frauen mit erblichem Mamma- oder Ovarialkarzinom sowie deren enge Familienangehörige ein erhöhtes Pankreaskarzinomrisiko. Vermutet wird außerdem, dass auch Bakterien aus der Mundhöhle eine Rolle spielen könnten. In einer Studie fanden Forscher nach Berücksichtigung von 25 oralen Bakterien heraus, dass hohe Blutspiegel von Antikörpern gegen den pathogenen Keim Porphyromonas gingivalis ATCC 53978 mit einem zweifach erhöhten Risiko für ein Pankreaskarzinom assoziiert sind (>200 ng / ml vs. <200 ng / ml).6 Der Keim steht im Zusammenhang mit der Zerstörung des Parodontalgewebes. Für diese Hypothese spricht, dass sich einige Bakterienarten der Mundflora auch im Verdauungstrakt wiederfinden. Diese könnten zur Entstehung einer chronischen Pankreatitis beitragen und damit den Weg für ein Pankreaskarzinom ebnen.7 Da es sich hierbei um die erste Studie dieser Art handelt, sind jedoch noch weitere Forschungen notwendig, um die Ergebnisse zu verifizieren.

Laut einer europäischen Studie liegt das 5-Jahres-Überleben für das Pankreaskarzinom bei lediglich 3 Prozent.8 Dabei hat sich die Prognose in den vergangenen 20 Jahren nicht verbessert.4


Abb. 1: Das Stadium bei Diagnosestellung bestimmt die Therapie.

Einzige Chance auf Heilung: die chirurgische Resektion

Die einzige Behandlungsoption mit einer Chance auf Heilung ist die chirurgische Resektion im primären Stadium der Erkrankung. Sie kann das 5-Jahres-Überleben auf bis zu 10 Prozent erhöhen.9 Für die Patienten bedeutet dies wertvolle Lebenszeit. Soweit die Theorie. In der Realität kommen jedoch lediglich 20 Prozent der Patienten für eine solche Operation überhaupt infrage.8 Denn bei 80 Prozent der Patienten wird die Diagnose erst dann gestellt, wenn sie sich bereits in einem fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium der Erkrankung befinden und die Resektion keine Option mehr darstellt.10 Der Grund dafür, dass das Pankreaskarzinom meist erst viel zu spät erkannt wird, ist, dass die Patienten aufgrund der Lage des Pankreas tief im Inneren der Bauchregion in der Regel keine Symptome verspüren, bis die Erkrankung in weitere nahe gelegene Organe wie Leber oder Lunge gestreut hat.11

Wie kommt es zur Entstehung eines Pankreaskarzinoms?

Durch spontan auftretende oder durch äußere Einflüsse verursachte genetische Veränderungen entstehen erste einzelne Krebszellen. Ein Phänomen, das grundsätzlich häufig stattfindet, sich jedoch durch entsprechende Kontrollmechanismen des Organismus selbst reguliert und eine Erkrankung daher nicht zwingend die Folge ist. Mutierte Zellen werden also gewissermaßen unschädlich gemacht, bevor sie sich weiter ausbreiten können. Entzieht sich jedoch eine Krebszelle diesem Mechanismus, kann daraus ein Tumor entstehen. Mutationen in Protoonkogenen können dann zu einer ungehemmten Teilung der betreffenden Zelle führen oder durch die übersteigerte Ausbildung von sogenannten Wachstumsfaktoren das Tumorwachstum fördern. Man unterscheidet zwischen Protoonkogenen, den normalen Genen einer Zelle, und Onkogenen, die aufgrund einer Mutation aus dem Protoonkogen hervorgehen.12

Genmutationen spielen eine Schlüsselrolle

An der Entstehung eines malignen Tumors wie dem Pankreaskarzinom sind meist mehrere Protoonkogene bzw. Onkogene beteiligt. In Zellvorstufen sammeln sich zunehmend genetische Veränderungen an, wodurch eine unkontrollierte Zellvermehrung provoziert werden kann.11 Auffallend beim Pankreaskarzinom ist, dass hier besonders häufige Mutationen eines bestimmten Protoonkogens, des KRAS-Gen, zu beobachten sind. Bei nahezu allen Patienten mit Pankreaskarzinom ist diese Mutation zu finden. Hinzu kommt eine ganze Reihe weiterer (Proto-)Onkogene, bei denen man vermutet, dass sie an der Entstehung des Pankreaskarzinoms beteiligt sind. Eine zentrale Rolle scheint das Tumorsuppressorgen p53 zu spielen. Mutationen in diesem Gen haben auch einen entscheidenden Einfluss auf die Prognose. Eine Sequenzanalyse von p53 in Pankreaskarzinomen ergab eine Mutationshäufigkeit von 50 bis 76 Prozent.13 Normalerweise besteht die Aufgabe von p53 darin, nach verschiedenen Schädigungen der DNA einen Wachstumsstopp der Zellen oder den programmierten Zelltod zu induzieren, um die Ausbreitung von Mutationen zu verhindern. Diese Funktion wird durch Mutation inaktiviert. Die auf diese Weise entstehenden, verschiedenen Tumoren haben ihren Ursprung in ganz unterschiedlichen Zellen und Zellregionen.

Unter den Begriff Pankreaskarzinom summieren sich verschiedene Formen der Erkrankung. Bei den meisten Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs liegt ein duktales Adenokarzinom vor, welches aus einer entarteten Drüsenzelle des Pankreasgangs hervorgeht. Darüber hinaus existieren Tumoren, die aus Insulin-produzierenden Zellen hervorgehen, sowie zystische Tumoren, die aus den Gangzellen entstehen, oder azinäre Tumoren, die von den sekretproduzierenden Parenchymzellen des Pankreas ausgehen.11

Molekulargenetische Charakterisierung als Hoffnungsträger

Das Ziel der molekulargenetischen Erforschung von individuellen Tumoren wie dem Pankreaskarzinom besteht darin, die gewonnenen Erkenntnisse zukünftig zur Früherkennung sowie zur Entwicklung neuer Therapieansätze nutzen zu können.14 Damit verbindet sich die Hoffnung, die Prognose der Patienten langfristig zu verbessern. Neben einer solchen molekulargenetischen Charakterisierung individueller Tumoren wird aber auch in Zukunft die histologische Untersuchung von Tumorgewebe weiterhin ihren festen Platz haben. Denn die Merkmale der Tumorzellen lassen wichtige Rückschlüsse auf die Aggressivität des Tumors zu und bilden die Grundlage für das jeweilige Vorgehen bei der Therapie.11


C-APROM/DE//1629

Quellen

  1. World Cancer Research Fund International. Pancreatic Cancer Statistics. Verfügbar unter: http://www.wcrf.org/int/cancer-facts-figures/data-specific-cancers/pancreatic-cancer-statistics. [Zugriff am 12.03.2018]
  2. Robert Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V., Berlin. Krebs in Deutschland 2011/2012. 10. Ausgabe. 2015. Verfügbar unter: http://www.gekid.de/Doc/krebs_in_deutschland_2015.pdf. [Zugriff am 07.03.2018]
  3. Rahib L, Smith BD, Aizenberg R, et al. Projecting cancer incidence and deaths to 2030: the unexpected burden of thyroid, liver, and pancreas cancers in the United States. Cancer Res. 2014;74(11): 2913-2921.
  4. Ducreux M, Cuhna A, Caramella C, et al. Cancer of the pancreas: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2015; 26(5): 56-68.
  5. Pancreatic Cancer Action Network. Risk factors. Verfügbar unter: https://www.pancan.org/section-facing-pancreatic-cancer/learn-about-pan-cancer/risk-factors/. [Zugriff am 12.03.2018]
  6. Michaud DS et al. Gut 2013; 62(12): doi:10.1136/gutjnl-2012-303006.
  7. Mysak J et al. Porphyromonas gingivalis: Major Periodontopathic Pathogen Overview. J Immunol Res. 2014;2014:476068.
  8. Carrato A et al. J Gastrointest Cancer 2015; 46:201.
  9. Jones OP, Melling JD, Ghaneh P. Adjuvant therapy in pancreatic cancer. World J Gastroenterol. 2014;20:14733-46.
  10. Walker EJ and Ko AH. Beyond first-line chemotherapy for advanced pancreatic cancer: An expanding array of therapeutic options? World J Gastroenterol, 2014; 20(9): 2224-36.
  11. Deutsche Krebshilfe Leitlinienprogramm Onkologie. Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse - Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten. Verfügbar unter: https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Leitlinien/PLL_Bauchspeicheldruese_WEB.pdf. [Zugriff am 12.03.2018]
  12. Lüscher B, Nordheim A. (2006) Onkogene und Protoonkogene. In: Schmoll HJ, Höffken K, Possinger K (eds) Kompendium Internistische Onkologie. Springer, Berlin, Heidelberg
  13. Hahn SH, Kern SC, Schmiegel WH. Dt Ärztebl 1997; 94: A-3342-3350.
  14. Birnbaum DJ et al. Molecular classification as prognostic factor and guide for treatment decision of pancreatic cancer. Biochim Biophys Acta. 2018 Feb 27. pii: S0304-419X(18)30025-8. doi: 10.1016/j.bbcan.2018.02.001. [Epub ahead of print]