Die Mehrzahl der Bakterien bereichert unser Leben

Antibiotikaresistenzen und eine sehr erregerlastige Presse haben wohl dazu geführt, dass wie uns heute kaum noch mit neugierigem Staunen der Bakterienwelt zuwenden, sondern stattdessen oftmals die Alarmsirenen in unseren Köpfen schrillen. Dabei ist der Anteil der Problemkeime doch sehr viel geringer als uns bewusst ist.

Nur 0,1% der bekannten Bakterien machen krank

Antibiotikaresistenzen und eine sehr erregerlastige Presse haben wohl dazu geführt, dass wie uns heute kaum noch mit neugierigem Staunen der Bakterienwelt zuwenden, sondern stattdessen oftmals die Alarmsirenen in unseren Köpfen schrillen. Dabei ist der Anteil der Problemkeime doch sehr viel geringer als uns bewusst ist.

Im Bewusstsein der Bevölkerung werden Mikroorganismenm, und vor allem Bakterien, meist als schädlich angesehen – sie verursachen verschiedenste, zum Teil schwerwiegende oder sogar tödliche Krankheiten. Mit diesem Vorurteil räumte der renommierte Mikrobiologe Prof. Dr. Jörg Overmann kürzlich auf: "Nur ein verschwindend geringer Anteil von weniger als 0,1% der bisher bekannten Bakterien machen krank.“ Dabei legen die krankheitserregenden Bakterien es eigentlich nicht darauf an, ihren Wirt zu töten. Denn stirbt der Wirt, geht auch das Bakterium zugrunde.

Im Menschen überwiegen die bakteriellen Zellen

Der Mensch hat drei- bis zehnmal mehr Bakterienzellen als Körperzellen, allein 400 verschiedene Arten befinden sich im Dickdarm und sorgen für das Gleichgewicht der Darmflora. Wie wichtig diese ist, hob Jörg Overmann anhand eines Beispiels hervor: Eine durch die Einnahme von Antibiotika gestörte Darmflora kann auch Auswirkungen auf die Psyche haben und zum Beispiel Depressionen begünstigen. Der zum Teil unnötige Einsatz von Antibiotika begünstige außerdem die Entwicklung von Resistenzen. "Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass aktuell nur ein neues Antibiotikum pro Jahr auf den Markt kommt, während sich zahlreiche Resistenzen gegen die bereits genutzten Antibiotika pro Jahr ausbilden", warnte Overmann.

Die Erde ist ein Planet der Mikroorganismen

Während der Homo sapiens erst seit ungefähr 250.000 bis 300.000 Jahren die Erde bevölkert, besiedeln die Mikroorganismen unseren Planeten schon seit rund vier Milliarden Jahren. "Die Bakterien hatten viel Zeit, sich zu entwickeln und haben gelernt, sich äußerst schnell an Veränderungen anzupassen", gab Mikrobiologe Overmann in der Debatte um bakterielle Krankheitserreger zu Bedenken. Ein gutes Beispiel dafür seien die besonders effektiven Mechanismen, die Bakterien zur Weitergabe von genetischen Informationen entwickelt haben. Diese begünstigten unter anderem die schnelle Entwicklung von Resistenzen.

Bakterien – Sauerstofflieferanten der Erde

Die globale Bedeutung von Bakterien machte Overmann zudem an der Produktion von Sauerstoff deutlich. "50% des Sauerstoffs auf der Erde werden von Bakterien (Cyanobakterien) im Meer produziert", stellte er eindrücklich dar. Die globale Erwärmung trifft diese Kleinstlebewesen im Meer besonders stark – sie sterben bei Temperaturanstiegen immer schneller ab als die "grünen Lungen“, die Bäume und Regenwälder auf den Kontinenten.

Neben der Sauerstoffproduktion sind Mikroorganismen auch in anderen Umweltbelangen von größter Bedeutung. Bakterien sind beispielsweise in der Lage, Plastik oder Chemikalienrückstände aus der Industrie abzubauen. Erfolge wie in Kanada, wo im Grundwasser befindliche, eigentlich nicht abbaubare Chemikalien, erfolgreich von Bakterien zersetzt wurden, zeigt das große, und häufig noch ungenutzte Potenzial der Mikroorganismen.

Bisher sind nur etwa 16.000 Bakterienarten bekannt, das ist lediglich ein Bruchteil der geschätzten 2,2 Milliarden Bakterienarten insgesamt weltweit. "Es gibt also noch großen Forschungsbedarf – und das Potenzial, Bakterien sinnvoll einzusetzen, ist enorm“, resümierte Overmann am Ende seines Vortrages.

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