Digitalisierung in der Orthopädie und Unfallchirurgie – ein internationaler Vergleich

Der DKOU hat sich auch in diesem Jahr intensiv mit Chancen und Problemen der Digitalisierung auseinandergesetzt. esanum sprach dazu mit PD Dr. med. Dominik Pförringer vom Klinikum rechts der Isar und Co-Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Digitalisierung" der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Der DKOU hat sich auch in diesem Jahr intensiv mit Chancen und Problemen der Digitalisierung auseinandergesetzt. esanum sprach dazu mit PD Dr. med. Dominik Pförringer vom Klinikum rechts der Isar und Co-Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Digitalisierung" der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

esanum: Herr Dr. Pförringer, was gab es im diesjährigen DKOU in Berlin an Themen aus dem Bereich Innovation, Digitalisierung und moderne Disruption und wie wurden diese beleuchet?

Pförringer: Haben Sie vielen Dank für die erneute Möglichkeit des Interviews, praktisch schon eine kleine Tradition zum DKOU. In diesem Jahr lässt sich besonders herauskristallisieren, dass wir im Rahmen der sogenannten internationalen Sitzung mit den beiden Gastländern Italien, Professor Confalonieri und Dr. Labiana, Kanada, Frau Professor Yanchar sowie zusätzlich mit Australien; Professor Schütz eine wahrlich augenöffnende und sehr inspirierende internationale Sitzung abhalten konnten. Im Rahmen dieser wurden länderübergreifende Vergleiche gezogen und der Status Quo sehr offen besprochen.

esanum: Was fiel Ihnen hierbei besonders ins Auge und was sind die konkreten Angriffspunkte?

Pförringer: Es ist insgesamt zugleich beruhigend zu sehen, dass das Gras auf der "anderen Seite des Zauns" auch nicht grüner ist, als bei uns. Sprich: die drei vorab genannten Länder kämpfen mit ähnlichen Problemen der Datenstrukturierung, des Datentransfers sowie der Konnektivität, wie wir es auch in Deutschland tun. Zugleich ist es bedauerlich, dass wir keinen echten Vorreiter in Rahmen dieser Länder in unserer Mitte hatten, welche uns eventuell Lösungswege aufgezeigt hätte. Insbesondere von Ländern wie Estland oder Singapur, deren Gesundheitssysteme als "durchdigitalisiert" gelten, wäre es wünschenswert, zu lernen. Auch Israel als digitaler globaler Vorreiter kann einem in dieser Hinsicht oft die Augen öffnen, so wie es unlängst geschah, als ich mit Prof. Zimlichman vom Sheba Medical Center aus Israel auf dem Panel auf der Xpomet Medicinale über deren Grad der Innovation sprechen durfte. Konkret sind diese Länder, was das Teilen von Daten angeht, aufgrund der weniger strengen Datenschutzgesetzgebung sowie einer höheren Investmentbereitschaft deutlich innovativer und fortschrittlicher unterwegs, als das in Deutschland der Fall ist.

esanum: Wo liegen konkret die Schwierigkeiten, wo sehen Sie Chancen?

Pförringer: Die großen Schwierigkeiten in Deutschland sind die bereits genannten Themen Konnektivität, Datenstruktur, Datenuniformität und Datenschutz. Hier gibt es für Herrn Minister Spahn und seine schnelle Eingreiftruppe, das sogenannte Health Care Innovation Hub unter Leitung von Prof. Dr. Debatin, einem Vorreiter des papierlosen Krankenhauses, einem der Vordenker der digitalen Medizin, noch viele Aufgaben zu lösen, wobei der Minister fleißig – 16 Gesetze in 16 Monaten – sich diesbezüglich auf gutem Wege befindet.
Die digitalen Rahmenbedingungen, sprich die Basisgrundvoraussetzungen wie die Konnektivität in den Kliniken, in den Praxen, sowie die Möglichkeiten des sicheren Datentransfers, sind noch nicht gegeben. Zudem herrschen keine einheitlichen Standards, welche es uns ermöglichen würden, auf diese Strukturen konkret einzuwirken und sie den medizinischen Anforderungen anzupassen.  Hieraus resultiert ein Rückstau, welcher auch ökonomische Konsequenzen mit sich bringt.

esanum: Was heißt das konkret für die Kliniken und Ärzte in Deutschland?

Pförringer: Konkret heißt das, dass wir nicht in den nächsten Jahren damit rechnen können, an die Weltspitze nach vorne zu galoppieren, auch wenn wir derzeit mit der aktuellen Legislative und dem Fortschrittstempo, welches u.a. Gottfried Ludewig, der Abteilungsleiter Digitales im Bundesministerium für Gesundheit, vorgibt, einen echten Turbolader gezündet haben. Dennoch bedarf es der Basisinvestitionen, welche in die hohen Millionenbereiche, wenn nicht weit darüber hinausgehen werden, um die jetzigen technischen Voraussetzungen den künftigen Anforderungen anzupassen.

esanum: Halten Sie es für schwierig, in diesem Kontext optimistisch zu bleiben?

Pförringer: Auf jeden Fall bin ich durch und durch Optimist, ich sehe die besten Voraussetzungen, durch die Digitalisierung wieder mehr Zeit für die Medizin zu schaffen, die Medizin wieder medizinischer und damit menschlicher zu machen. Digitalisierung wird der moderne Co-Pilot der Ärzte werden. Jeder Einzelne muss angreifen, jeder Einzelne hat die Aufgabe, sich dem Thema zu stellen, sich dem Thema zu öffnen, dann werden wir auch im digitalen Medizinbereich dort anknüpfen, wo wir sonst in der medizinischen Versorgung stehen: an der Weltspitze. Sie merken, ich bleibe Optimist und zusammen mit digitalen Vordenkern wie PD Dr. David Back und PD Dr. Georg Osterhoff kämpfen wir aus den Reihen der Orthopäden und Unfallchirurgen jeden Tag dafür.

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