Dritte Corona-Welle: Deutlich mehr Menschen stecken sich an

Die Corona-Zahlen steigen deutlich. Auch auf den Intensivstationen liegen wieder mehr Covid-Patienten. Besserung ist zunächst nicht in Sicht.

Von 68 auf 107,93 innerhalb von zwei Wochen

Die Corona-Zahlen steigen deutlich. Auch auf den Intensivstationen liegen wieder mehr Covid-Patienten. Besserung ist zunächst nicht in Sicht.

Die Infektionslage in Deutschland verschlechtert sich rasant. So steckten sich zuletzt knapp 60 Prozent mehr Menschen nachweislich mit dem Coronavirus an als noch vor zwei Wochen. Das Robert Koch-Institut gab die 7-Tage-Inzidenz am heutigen Tag mit 107,3 an, der höchste Stand seit dem 26. Januar. Vor 14 Tagen lag die Inzidenz noch bei 68. Zwischen Weihnachten und Mitte Februar waren die Zahlen deutlich gefallen.

Ein Grund für den erneuten Anstieg - trotz Lockdowns - dürfte die ansteckendere und wohl auch etwas gefährlichere Corona-Variante B.1.1.7 sein, die das Infektionsgeschehen in Deutschland mittlerweile dominiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen heute über das weitere Vorgehen beraten.

Experten befürchten, dass saisonale Entspannung ausbleibt

Experten befürchten, dass die ersehnte saisonale Entspannung im Frühjahr durch die Variante schwächer ausfällt als erhofft. Grundsätzlich würden Umweltfaktoren wie etwa UV-Strahlen und höhere Temperaturen sowie das vermehrten Aufhalten im Freien in der wärmeren Jahreszeit helfen, das Infektionsgeschehen zu bremsen, sagte der Virologe Ulf Dittmer der Deutschen Presse-Agentur. "Dieser Vorteil könnte jetzt - und das ist ein wenig die Gefahr - von den Mutanten aufgefressen werden."

Das könnte dazu führen, dass der R-Wert im Frühjahr und Sommer nicht langfristig unter die Schwelle von 1 sinke, ab der die Pandemie abflaut. Am Sonntagabend gab das RKI den bundesweiten Sieben-Tage-R-Wert mit 1,22 (Vortag ebenfalls 1,22) an. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 122 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab.

Intensivstationen erwarten wieder mehr Corona-PatientInnen

Die Intensivstationen in Deutschland erwarten wieder deutlich mehr Corona-PatientInnen mit schwerem Verlauf. "Wir starten jetzt auf den Intensivstationen in die dritte Welle und das auf einem sehr hohem Niveau. Davor hatten wir bereits Ende Februar gewarnt und das bereitet uns große Sorgen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx.

Nach DIVI-Daten wurden am Sonntag 3056 Covid-19-PatientInnen auf deutschen Intensivstationen behandelt. Damit liegt die Belastung im Moment erneut so hoch wie zu den Spitzenzeiten in der ersten Welle im Frühjahr 2020. "Wir erwarten in den nächsten Wochen einen rasanten Anstieg der Patienten, da die Welle der Intensivpatienten immer zwei bis drei Wochen der Infektionswelle nachrollt", sagte Marx. Insgesamt sind in Deutschland momentan rund 20 000 Intensivbetten belegt und gut 4000 frei.

Bei Inzidenzen um die 200 Corona-Infektionen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner prognostizieren Notfallmediziner für Anfang Mai rund 5000 Covid-Patienten auf Intensivstationen. Das wären fast so viele wie auf dem Höhepunkt der zweiten Welle Anfang Januar und könnte viele Kliniken erneut schwer belasten.

Die gute Nachricht: Kommt keine neue gefährlichere Mutante hinzu und geht das Impfen weiter gut voran, könnte die Pandemie nach der aktuellen Prognose im August für die Notfall-Stationen der Kliniken so gut wie ausgestanden sein.

PatientInnen auf Intensivstationen werden jünger

Auf die leichte Schulter nehmen wollen Experten die Lage nicht. "Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die PatientInnen dort ändern: Die werden jünger", sagte Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts. Auch Virologen haben wiederholt davor gewarnt, dass das Impfen der ältesten Jahrgänge allein noch keine Entspannung bringe. Denn schon in der ersten Welle war lediglich etwa ein Viertel der Intensivpatienten über 80 Jahre alt. Viele Altenheimbewohner starben in ihren Einrichtungen und kamen gar nicht auf Intensivstationen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 7709 Corona-Neuinfektionen, wie aus Zahlen von Montagmorgen hervorgeht. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 50 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 6604 Neuinfektionen und 47 neue Todesfälle verzeichnet.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2 667 225 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2 423 400 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 74 714.

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