Entwicklung des MERS-Impfstoffes geht weiter

Neben dem aktuell weltweit verbreiteten SARS-Coronavirus-2 lassen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch das verwandte MERS-Coronavirus nicht aus dem Blick, könnte es doch zukünftig potentiell auch zu einer überregionalen Gesundheitsgefahr werden.

Internationale Phase-Ib-Studie beginnt am UKE in Hamburg

Neben dem SARS-Coronavirus-2 lassen die Wissenschaftler:innen auch das verwandte MERS-Coronavirus nicht aus dem Blick, könnte es doch zukünftig potentiell auch zu einer überregionalen Gesundheitsgefahr werden. In einer Zusammenarbeit des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der IDT Biologika GmbH wird bereits seit einigen Jahren ein MERS-Corona-Impfstoff entwickelt, für den nun am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die geplante internationale Phase-Ib-Studie beginnen kann.

"Die Fortsetzung der MERS-Impfstoffentwicklung ist ein wichtiger Schritt, auch in Zeiten von SARS-COV-2", erklärt Studienleiterin Prof. Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie des UKE und Wissenschaftlerin im DZIF. Und sie fügt hinzu: "Wenn wir etwas aus der gegenwärtigen Pandemie gelernt haben, ist es, dass wir uns nicht früh genug auf neu auftretende Viren vorbereiten können." Der Impfstoff MVA-MERS-S hatte sich bereits in einer ersten klinischen Pilotstudie mit 23 Probandinnen und Probanden im vergangenen Jahr als gut verträglich erwiesen und eine anhaltende Bildung von Antikörpern ausgelöst. Nun beginnt die randomisierte, Placebo-kontrollierte Phase-Ib-Studie, in der der Impfstoff an insgesamt 145 Personen getestet werden soll.

MERS – von Dromedaren auf den Menschen

Das MERS-Coronavirus, das 2012 zum ersten Mal nachgewiesen wurde, gehört zu einer Liste von Krankheitserregern, die von der Weltgesundheitsorganisation als besonders gefährlich für die öffentliche Gesundheit eingestuft wurden. Es wird von Dromedaren auf den Menschen übertragen und kann von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Die Infektion verursacht eine Atemwegserkrankung, die in bis zu 35 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Weltweit sind bis heute etwa 2.500 MERS-Fälle in 27 Ländern bestätigt worden, mit Schwerpunkt in Saudi-Arabien (MERS steht für Middle East Respiratory Syndrome), wo die Überträger-Kamele zu den Haustieren gehören. Bislang gibt es gegen das MERS-Coronavirus keinen wirksamen zugelassenen Impfstoff und kein spezifisch wirkendes Medikament.

Der Impfstoff-Kandidat MVA-MERS-S

Um auf größere Ausbrüche vorbereitet zu sein, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im DZIF bereits 2014 begonnen, einen Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus zu entwickeln. Dieser basiert auf einem abgeschwächten Virus (MVA: Modifiziertes Vacciniavirus Ankara), das bereits während der Impfkampagne zur Ausrottung der Pocken zum Einsatz kam und somit gut getestet ist. In das Virus wurden Protein-Bestandteile des MERS-Coronavirus eingebaut. Dieser rekombinante, sogenannte vektorbasierte Impfstoff, wissenschaftlich kurz MVA-MERS-S genannt, soll die Abwehr gegen die MERS-Coronaviren ankurbeln. Prof. Gerd Sutter an der Ludwig-Maximilians-Universität München hatte ihn in Zusammenarbeit mit dem Team um Prof. Stephan Becker an der Philipps-Universität Marburg im DZIF entwickelt.

Zur Impfstoffstudie der Phase Ib

Die nun beginnende Impfstoffstudie wird am UKE in Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Clinical Trial Center North (CTC North) und am Erasmus Medical Center im niederländischen Rotterdam durchgeführt. Insgesamt erhalten in einer ersten Studienphase zehn Proband:innendie Vakzine, anschließend werden 135 weitere Personen geimpft. Die Studie ist Placebo-kontrolliert und doppelt-blind. Sie soll zum einen Auskunft über die Verträglichkeit und Sicherheit geben, zum anderen wird die Immunantwort bestimmt. Werden ausreichend Antikörper und T-Zellen gebildet, um vor einer Infektion gegen das MERS-Coronavirus zu schützen und den Krankheitsverlauf zu bremsen? Diese Tests werden an der Universität Marburg bei Professor Stephan Becker durchgeführt, der im DZIF den Forschungsbereich "Neu auftretende Infektionskrankheiten" koordiniert und an allen Impfstoffprojekten maßgeblich beteiligt ist.

Im Verbund zum Impfstoff

Die internationale Impfstoff-Initiative CEPI (Coalition for Epidemic preparedness Innovation) fördert die Entwicklung des Impfstoffs gegen das MERS-Coronavirus mit bis zu 36 Millionen US-Dollar. IDT Biologika hat diesen Auftrag übernommen und mit einem Konsortium aus Wissenschaft und Klinik, dem neben dem DZIF das Viroscience Department am Erasmus Medical Center und die Klinische Forschungsorganisation CR20 angehören, die Entwicklung vorangetrieben. Das Unternehmen entwickelte eine eigene Zelllinie und Technologie für die großtechnische Produktion des Impfstoffs. Die Wissenschaftler:innen nutzen den gleichen viralen Impfvektor (MVA) für die Entwicklung eines neuen SARS-CoV-2-Impfstoffs, ebenfalls in Zusammenarbeit zwischen dem DZIF und IDT-Biologika.

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