Erektile Dysfunktion und verminderte Arbeitsproduktivität?

Es wird vermutet, dass über 50% aller Männer im Alter zwischen 40 und 70 an erektiler Dysfunktion leiden. Aktuelle Untersuchungen richteten in acht Ländern den Fokus darauf, ob dieses Leiden auch die Produktivität am Arbeitsplatz beeinträchtigt.

Über 50% der Männer zwischen 40 und 70 sind betroffen

Es wird vermutet, dass über 50% aller Männer im Alter zwischen 40 und 70 an erektiler Dysfunktion leiden. Aktuelle Untersuchungen richteten in acht Ländern den Fokus darauf, ob dieses Leiden auch die Produktivität am Arbeitsplatz beeinträchtigt.

Eine Studie aus dem Jahr 1995 schätzte ein, dass zu diesem Zeitpunkt weltweit bereits 152 Millionen Männer an erektiler Dysfunktion litten. Die ForscherInnen vermuteten damals, diese Anzahl würde sich bis zum Jahr 2025 auf 322 Millionen erhöhen.

Aufgrund der weltweiten Zunahme von Erektionsproblemen interessierten sich die AutorInnen der aktuellen Studie dafür, in welchem Ausmaß die Thematik mangelnde Produktivität am Arbeitsplatz, Einschränkungen bei allgemeinen Tätigkeiten und gesundheitsbezogene Lebensqualität betrifft. Dafür griffen sie auf Daten aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich, China und Brasilien zurück.

Erektile Dysfunktion im Außenleben

Frühere Studien befassten sich bereits damit, wie negativ sich Erektionsstörungen auf die allgemeine Lebensqualität auswirken können, doch bislang existierten nur wenige Untersuchungen zum Thema Arbeitsproduktivität. Den ForscherInnen der aktuellen Studie ging es nach eigenen Angaben darum, einen robusteren, beständigeren Ansatz zu erarbeiten, die Auswirkungen erektiler Dysfunktionen auf das alltägliche Leben zu ermitteln.

Für ihre Untersuchungen wandten sich die ForscherInnen mittels Fragebogen an 52.697 Männer im Alter zwischen 40 und 70. Darin befragten sie die Probanden zu Symptomen von Erektionsstörungen in den vergangenen sechs Monaten, Beeinträchtigungen bei der Arbeit und anderen Tätigkeiten sowie Eigenangaben über ihre Lebensqualität.

Italiener am häufigsten, Briten am seltensten betroffen

Die Umfrage berücksichtigte ebenfalls Faktoren wie Alter, Einkommen, Werktätigkeit, Ehestatus, Bildung, allgemeine Gesundheit, BMI, Tabak- und Alkoholkonsum sowie weitere Fragen zur Gesundheit.

Das Thema Produktivität am Arbeitsplatz wurde mittels eines Fragebogens bewertet, der unter anderem Faktoren wie Abwesenheit aus gesundheitlichen Gründen und übermäßiges Präsentsein am Arbeitsplatz, um positiv aufzufallen, beinhielt. In allen berücksichtigten Ländern waren durchschnittlich 49,7% der Befragten von erektiler Dysfunktion betroffen. Die Prävalenz reichte dabei von 45,2% in Großbritannien bis zu 54,7% in Italien.

Erektionsstörungen demographisch betrachtet

Nach den Umfrageergebnissen lagen bei Männern mit erektiler Dysfunktion häufiger Übergewicht, Tabaksucht, exzessiver Alkoholkonsum und ein Mangel an Sport vor. Ebenfalls war bei dieser Gruppe die Wahrscheinlichkeit höher, weitere medizinische Probleme zu haben. Da all diese Faktoren sich auf die Produktivität am Arbeitsplatz auswirken können, berücksichtigten die ForscherInnen sie ebenfalls für ihre Analyse.

Auch mit Rücksicht auf andere Variablen erkannte das Forschungsteam so, dass erektile Probleme sich signifikant auf die Arbeitsproduktivität auswirkten. Die AutorInnen schrieben: "Nach der Überprüfung auf Kovariate wiesen Männer mit erektiler Dysfunktion in den USA deutlich mehr Beeinträchtigungen auf. Im Hinblick auf die Produktivität am Arbeitsplatz waren diese 2,11-mal so hoch wie bei Männern ohne Erektionsprobleme." Am auffälligsten war dies in Großbritannien, wo die Produktivität 2,66-mal häufiger beeinträchtigt war.

Beeinträchtigungen bei erektiler Dysfunktion mehr als doppelt so hoch

In allen acht Ländern hatten Männer mit erektiler Dysfunktion innerhalb der letzten sieben Tage mehr Arbeitszeit durch Krankheit verloren als solche ohne Störungen (7,1% vs. 32%). Ähnlich sah es bei übermäßiger Präsenz am Arbeitsplatz aus (22,5% vs. 10,1%).

Die ForscherInnen fassten zusammen: "Fehlstunden, übermäßige Anwesenheit am Arbeitsplatz, allgemeiner Verlust an Arbeitsproduktivität und Beeinträchtigungen bei anderen Tätigkeiten waren bei Männern mit Erektionsstörungen mehr als zweimal so hoch als bei Männern ohne erektile Dysfunktion."

Ein globales Problem

Laut Umfrageergebnissen war zudem in allen befragten Regionen die selbst wahrgenommene Lebensqualität bei Männern mit erektilen Problemen geringer. Mitautor Wing Yu Tang merkte an: "Die Studie zeigt, dass erektile Dysfunktion nach wie vor ein großes Problem ist. Sie beeinflusst sowohl die Produktivität am Arbeitsplatz als auch krankheitsbedingte Fehlzeiten."

Tarek Hassan, der leitende Studienautor, ergänzte: "Da die Daten aus acht unterschiedlichen Ländern stammen, legen unsere Ergebnisse nahe, dass diese Thematik weltweit von großer Bedeutung ist."

Einschränkungen der Studie

Trotz umfangreicher Untersuchungen weist die Studie allerdings auch einige Einschränkungen auf. So besteht die Möglichkeit, dass Probanden bei ihrer Selbsteinschätzung Fehlangaben machten. Zudem wurden Aussagen anhand einer Fünf-Punkte-Skala getroffen und Teilnehmer, die sich selbst im Bereich von 2-5 einschätzten, als Männer mit erektiler Dysfunktion klassifiziert.

Da die ForscherInnen eine Vielzahl von Kriterien berücksichtigten, ließ sich außerdem nicht zu 100% schlussfolgern, ob erektile Dysfunktion für den Abfall von Produktivität am Arbeitsplatz zu verantworten ist. Die Studie wurde von Pfizer finanziert.

Trotz ihrer Einschränkungen weist die Studie großes Potenzial auf. Da erektile Dysfunktion in immer mehr Fällen auftritt, ist es wichtig zu verstehen, wie sich die Problematik auf das persönliche und gesellschaftliche Leben auswirkt.

Quelle: Goldstein I et al., The association of erectile dysfunction with productivity and absenteeism in eight countries globally. International Journal of Clinical Practice 2019; https://doi.org/10.1111/ijcp.13384

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