Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes auch durch süßstoffhaltige Getränke

Diabetes-Prävention: Wasser statt Limo, Saft und Cola

Der häufige Genuss zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke fördert bekanntlich Übergewicht und Adipositas und trägt damit zu einem erhöhten Risiko für einen Typ-2-Diabetes bei. Der Ersatz durch kalorienfreie Getränke mit künstlichen Süßstoffen scheint keine Alternative - auch durch diese Getränke wird das Diabetes-Risiko in die Höhe getrieben, wie eine prospektive Studie im Rahmen der Women’s Health Initiative gezeigt hat.

Mit Zucker gesüßte Erfrischungsgetränke machen einen großen Anteil der täglichen Zucker- und Kalorienaufnahme aus und tragen somit zu Übergewicht und Adipositas bei. Mehrfach wurde bereits eine Assoziation zwischen dem Konsum solcher Getränke und einem erhöhten Risiko für einen Typ-2-Diabetes gezeigt.

Die Idee, die zuckrigen Getränke durch solche mit künstlichen Süßstoffen zu ersetzen, ist daher naheliegend und wird auch von der amerikanische Diabetes-Gesellschaft zur Gewichtskontrolle und damit zur Diabetesprävention empfohlen.

Auch Kalorienreduzierte Cola ist ein Problem

Dies scheint aber keine gute Idee: Auch die kalorienfreien Varianten gesüßter Getränke wie Cola, Limo oder Eistee erhöhen offensichtlich das Risiko für einen Typ-2-Diabetes – wenn auch nur halb so stark wie zuckerhaltige Erfrischungsgetränke.

Schon öfter wurde in letzter Zeit der Verdacht ausgesprochen, dass auch mit künstlichen Süßstoffen gesüßte Getränke die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes fördern könnten. Bisher war die Studienlage hier aber schwach und zum Teil widersprüchlich.

Große Kohortenstudie mit postmenopausalen Frauen

Die US-amerikanische Arbeitsgruppe von Mengna Huang et al. hat daher jetzt die Assoziation zwischen dem Konsum künstlich gesüßter und zuckerhaltiger Getränke mit der Diabetes-Inzidenz überprüft. Dazu nutzten sie die Daten der Women’s Health Initiative. In dieser zwischen 1993 und 1998 begonnenen Kohortenstudie mit postmenopausalen Frauen wurde mit entsprechenden Fragebögen auch der Getränkekonsum erfasst wurde.

Die Analyse umfasste 64.850 Frauen, die bei Studienbeginn um die 60 Jahre alt waren. 4.675 entwickelten im Beobachtungszeitraum von im Mittel 8,4 Jahren einen Typ-2-Diabetes. 42.257 Frauen (65%) hatten angegeben, nie oder weniger als 3x pro Monat künstlich gesüßte Getränke zu konsumieren, 14.602 (23%) tranken 1-6x pro Woche solche Getränke, 4.961 (8%) einmal am Tag und 3030 (5%) mindestens zweimal am Tag. 

40% mehr Diabetes bei zuckrigen, 20% bei künstlich gesüßten Getränken

Wie erwartet, war ein erhöhter Konsum gezuckerter Getränke (≥ 2 am Tag vs. < 3 im Monat) mit einem deutlichen erhöhten Diabetes-Risiko assoziiert (Hazard ratio 1,43). Aber auch ein hoher Konsum mit Süßstoffen gesüßter Getränke (≥ 2 am Tag vs. < 3 im Monat) ging mit einem um 21% höherem Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes einher.

Beide Assoziationen waren unabhängig von möglichen Einflussfaktoren wie Alter, Ethnie, Familienstatus und Einkommen, Bildungsstand, Diabetes in der Familienanamnese, BMI, Einnahme anderer Medikamente und Komorbiditäten. Die Subgruppenanalyse ergab, dass der negative Einfluss des Konsums süßstoffhaltiger Getränke am stärksten bei adipösen Frauen ausgeprägt war (HR 1,26).

Diabetes-Prävention: Wasser statt Limo, Saft und Cola

Auf Grundlage ihrer Daten stellten die Autoren folgende Rechnung auf: Würden die Frauen mit dem höchsten Konsum süßstoffhaltiger Getränke dauerhaft ein Glas der künstlich gesüßten Brause (355 ml) am Tag durch reines Wasser ersetzen, könnten sie ihr Diabetesrisiko langfristig um 5% reduzieren.

Der Ersatz eines zuckerhaltigen Getränks am Tag durch Wasser würde mit 10% Risikoreduktion zu Buche schlagen. Der Austausch süßstoffhaltiger oder zuckerhaltiger Getränke durch reines Wasser hat somit ein großes Potenzial, das Diabetesrisiko zu reduzieren. Der Ersatz eines zuckerhaltigen durch ein süßstoffhaltiges Getränk hat dagegen keinen signifikanten Einfluss auf das Diabetesrisiko.

Wie bei allen reinen Beobachtungsstudien lässt sich eine Kausalität damit noch nicht beweisen und ein Bias durch andere Einflussfaktoren nicht sicher ausschließen. So könnten z.B. Frauen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko vermehrt zu künstlich gesüßten Getränken greifen, um ihr Gewicht zu halten, schreiben die Autoren. Der gute Rat, bei Durst statt zu zuckrigen oder künstlich gesüßten Getränken zu Wasser zu greifen, ist aber sicher nicht verkehrt.

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Referenz:
Huang M et al. Artificially sweetened beverages, sugar-sweetened beverages, plain water, and incident diabetes mellitus in postmenopausal women: the prospective Women’s Health Initiative observational study; Am J Clin Nutr 2017; 106: 614-22; doi: 10.3945/ajcn.116.145391 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28659294

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