Erhöhtes Suizidrisiko bei Waisen- und Halbwaisenkindern

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Neue Erkenntnis an Fakultät Psychologie/ Psychiatrie: Stirbt ein Elternteil, so erhöht sich das Suizidrisiko des Kindes signifikant.

Kinder, deren Eltern verstorben sind, brauchen viel Zeit, um dieses einschneidende Erlebnis zu verarbeiten. Auch das Entwickeln von Depressionen und anderen psychologischen Problemen ist nicht selten. Es ist wichtig, die Kinder im Zuge ihres Trauerprozesses zu begleiten und zu unterstützen. Denn wie wahrscheinlich ist es, dass sie das Erlebte nicht verarbeiten können und infolgedessen Suizid begehen? Diese Frage hat Dr. Mai-Britt Guldin, Aarhus University, Dänemark, mit ihren Kollegen im Rahmen einer neuen Studie (DOI:10.1001/jamapsychiatry.2015.2094) erörtert.

Die Wissenschaftler haben für einen Zeitraum von 40 Jahren die Daten von Kindern aus skandinavischen Ländern analysiert. Sie evaluierten die Differenzen zwischen folgenden Parametern: Todesursache der Eltern, Alter des Kindes zum Todeszeitpunkt der Eltern, vergangene Zeit seit dem Todesfall, Geburtsreihenfolge falls Geschwister vorhanden sind, sozio-ökonomischer Status und das Vorhandensein von psychiatrischen Erkrankungen der Eltern.

Insgesamt wurden aus dem bundesweiten Register, Daten von 7,3 Millionen Menschen aus Dänemark, Schweden und Finnland verwendet, die vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres ein Elternteil verloren haben. Zum Vergleich zog man eine Kontrollgruppe mit Kindern, deren Eltern noch nicht gestorben waren, heran.

Suizidrisiko erhöhte sich, wenn das Kind beim Verlust des Elternteils jung war

Die Forscher dokumentierten, dass das Versterben eines Elternteils während der Kindheit das Risiko des Kindes, Selbstmord zu begehen, erhöht – dieser Effekt dauerte bis zu 25 Jahre nach dem Tod der Eltern an. Von der Gruppe, die ein Elternteil verloren hat, wurden 265 Suizide verbucht, ein Prozentsatz von 0,14 Prozent. Von der Kontrollgruppe, die kein Elternteil verloren hat, haben 0,07 Prozent der Betrachteten, Selbstmord begangen.

Eine weitere Entdeckung innerhalb der Gruppe, die ein Elternteil in der Kindheit verloren hat,  beläuft sich darauf, dass sich vier von 1000 Jungen und zwei von 1000 Mädchen für den Suizid entschieden haben.

Das Suizidrisiko war sowohl für Kinder, deren Eltern aufgrund von Selbstmord gestorben sind, als auch für Kinder, deren Eltern eines natürlichen Todes gestorben sind, vergleichsweise zu Kindern mit beiden Elternteilen hoch.

Am häufigsten waren Jungen betroffen, deren Mütter Suizid begangen haben sowie Erstgeborene, bei denen ein Elternteil vor dem Erreichen des sechsten Lebensjahres gestorben ist. Im Kontrast dazu steht eine kürzlich veröffentlichte Studie aus England, die postuliert, dass später geborene Kinder ein erhöhtes Suizidrisiko aufweisen.

Die Autoren vermerken, dass die Konsequenzen des Elternteil-Verlustes tiefgreifend sind, zukünftig seien Gesundheitsinitiativen vonnöten, um den trauernden Kindern die notwendige Unterstützung zu bieten, dieses Erlebnis aufzuarbeiten.

Text: esanum/ df

Foto: Maslowski Marcin / Shutterstock.com

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