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"Ernährungswende" für gesünderes Leben gefordert

Verbraucher sollten umfassend informiert werden: Zur Grünen Woche in Berlin fordert die rheinland-pfälzische Umweltministerin Höfken eine verpflichtende Kennzeichnung zur Art der Tierhaltung.

Verbrauchern sollen gesunde Entscheidungen leichter gemacht werden

Verbraucher sollten umfassend informiert werden: Zur Grünen Woche in Berlin fordert die rheinland-pfälzische Umweltministerin Höfken eine verpflichtende Kennzeichnung zur Art der Tierhaltung.

Vom persönlichen Wohlergehen bis zur Versorgung der Weltbevölkerung - so weit reichen aus Sicht der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) die Gründe für ein Umdenken beim Essen. Nötig sei eine "Ernährungswende", sagte die Ministerin der Deutschen Presse-Agentur vor ihrem Besuch der Internationalen Grünen Woche. Dazu gehörten eine Reduzierung des Fleischkonsums und mehr Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft.

Zur Grünen Woche in Berlin stellen 1660 Aussteller aus 66 Ländern ihre Produkte aus Landwirtschaft, Lebensmittelbetrieben und Gartenbau vor. In Fachveranstaltungen geht es um Themen wie Tierwohl, ökologischer Ackerbau und Digitalisierung auf dem Bauernhof.

"Das Wichtigste ist zunächst einmal, dass Essen schmeckt und wir es genießen können", erklärte Höfken. Aber die Produktion von Lebensmitteln habe erhebliche Auswirkungen auf Wasser, Klima, Tiere, Landwirtschaft und auch auf die globale Hungersituation. Der Weg zu einem bewussteren und sinnvolleren Umgang mit Lebensmitteln führe nicht über Verbote und Regulierungen, sondern über "Information, Ernährungsbildung, die Aufwertung guten Essens und den Genuss".

Damit Verbraucher wissen, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden, bevor ihr Fleisch in den Handel kommen, sollte es nach Ansicht Höfkens ein Tierwohllabel geben, das über eine freiwillige Kennzeichnung hinausgeht. "Ich fordere ein Label, das in erster Linie gut verständlich zeigt, wie die Tiere gehalten wurden - analog zu der Eierkennzeichnung." Dann könnten sich Verbraucher sehr bewusst für bessere Tierhaltungsbedingungen entscheiden. Nach Einführungs- und Übergangsfristen sollte es zu einer verpflichtenden Kennzeichnung kommen. "Die bisher veröffentlichten Konzepte des Bundes sind sehr kompliziert, aufwendig und wettbewerbsverzerrend", kritisierte Höfken.

"Nicht nur aus Gründen des Tierschutzes, sondern auch vor dem Hintergrund der Verbesserung unserer Gesundheit und der Umwelt- und Klimabelastung müssen wir unsere Ernährung hinterfragen - wir brauchen eine Ernährungswende", sagte Höfken. Beim Fleischkonsum sei es sinnvoll, sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu orientieren: 300 bis 600 Gramm in der Woche oder 15 bis 30 Kilogramm im Jahr. "Aktuelle Zahlen zeigen aber, dass im Durchschnitt doppelt so viel Fleisch gegessen wird."

Nach dem "Fleisch-Atlas" von BUND und Heinrich-Böll-Stiftung hat sich zwar der Anteil der Vegetarier in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als vier Prozent verdoppelt. Und etwa zwölf Prozent bemühen sich, als "Flexitarier" ihren Konsum zu reduzieren. Dennoch sei der der Pro-Kopf-Verzehr vom Fleisch in Deutschland kaum gesunken - "offensichtlich hat also ein anderer Teil der Bevölkerung den Fleischkonsum parallel erhöht".

"Ob jemand Fleisch isst oder nicht, das ist eine ganz persönliche Entscheidung", sagte Höfken. Aber als Ernährungsministerin wolle sie die Grundlagen für eine gesunde und ausgewogene Ernährung schaffen. "Beim Fleisch gilt: gut und aus artgerechter Tierhaltung statt Masse." Auch Wild sei auf jeden Fall gesund, nachhaltig und aus tiergerechtem Aufwuchs.

In ökologisch erzeugten Lebensmitteln seien nachweislich sehr viel weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln zu finden. "Und der Verzicht auf Pestizide ist enorm wichtig, um das Artensterben unserer Tiere, Insekten und Pflanzen zu stoppen." Die Landesregierung will erreichen, dass 20 Prozent der Äcker und Felder nach ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet werden. Bislang sind es gut neun Prozent - bundesweit liegt der Anteil bei 7,5 Prozent. Auch die Vermarktung der ökologisch und in der Region erzeugten Lebensmittel solle ausgebaut werden, sagte Höfken. "Die Erzeugnisse des rheinland-pfälzischen Ökolandbaus sollen ja auch zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern im Land gelangen."