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Evidenzbasierte Behandlung depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Den Stand der Aktualisierung der S3-Leitlinie "Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen", stellte Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München in Ulm vor.

Neuer Stand der S3-Leitlinie vorgestellt

Den Stand der Aktualisierung der S3-Leitlinie "Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen", stellte Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München auf dem XXXV. Kongress der DGKJ in Ulm vor. Die aktuelle S3  LL ist noch bis zum 30.6 2018 gültig.

Erhalten bleibt der Geltungsbereich der LL: Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren mit depressiven Störungen gemäß den ICD-10-Kriterien. Darunter fallen depressive Episoden, rezidivierende depressive Störungen, Dysthymie und Störungen des Sozialverhaltens mit depressiver Störung.

Psychotherapie: Nutzt die Einbeziehung der Eltern?

Voraussichtlich unverändert bleiben die Empfehlungen zur Psychotherapie:

Psychotherapeutische Interventionen sind insgesamt kurzfristig wirksamer als verschiedene inaktive und aktive Vergleichsbedingungen. Das gilt bei mittelgradig bis schwer Betroffenen.

Und weitestgehend unverändert bleiben die Empfehlungen zur Verhaltenstherapie:

Verhaltenstherapie (VT) war kurzfristig wirksamer als verschiedene inaktive und aktive Vergleichsbedingungen zur Reduktion von Depressivität.

Für das deutschsprachige Programm MICHI (kognitive VT in Gruppen aus vier bis sechs Jugendlichen) zeigte sich ein stärkerer Rückgang depressiver Symptome als bei Standardbehandlung sowie eine nicht signifikante Verminderung von Suizidgedanken bei MICHI.

Leichte Vorteile könnte eine systemische Therapie in Form einer "bindungsbasierten Familientherapie" bei depressiven Jugendlichen bieten. Studien deuten darauf hin, dass die kurzfristig wirksamer gewesen sein könnte als Nichtbehandlung. Im Vergleich zu (erweiterter) Standardbehandlung waren die Ergebnisse aber inkonsistent.

Die Interpersonelle Therapie (IPT) ist bei Jugendlichen kurzfristig wirksamer als Nichtbehandlung zur Reduktion von Depressivität. Im Vergleich zur Standardbehandlung ist sie Jugendlichen kurzfristig wirksamer zur Reduktion von Depressivität und Suizidalität.

Bei 7-12jährigen war eine familienbasierte IPT mit Einbezug der Eltern kurzfristig wirksamer als eine unterstützende und nichtdirektive Behandlung zur Reduktion depressiver Symptome. Doch ob individuelle Therapie oder Gruppensetting -. weder kurzfristig noch nach 12 Monaten zeigte sich ein signifikanter Unterschied.

Unklar bleibt, ob die Einbezug der Eltern in die Psychotherapie nutzt – die Ergebnisse dazu sind inkonsistent. Auch eine gleichzeitige individuelle kognitive VT mit Jugendlichen und ihren ebenfalls erkrankten Eltern zeigte - verglichen mit der alleinigen Behandlung der Jugendlichen - keine eindeutigen Vorteile.

Als Prädiktoren für eine Remission fanden sich:

Unveränderte Empfehlungen zur Pharmakotherapie

Bei Kindern und Jugendlichen (6-18 J.) ist eine Pharmakotherapie kurzfristig wirksamer als Placebo zur Reduktion von Depressivität. Allerdings zeigt sich keine kurzfristige Wirksamkeit der Trizyklischen Antidepressiva (TZA) Amitriptylin, Clomipramin, Desipramin, Imipramin und Nortriptylin im Vergleich zu Placebo.

SSRIs weisen eine höhere Wirksamkeit als TZA auf. In den untersuchten Studien brachen mehr Kinder und Jugendliche die Therapie mit TZA als mit SSRI ab. Bezüglich der Suizidalität unterschieden sich TZA und SSRIs nicht signifikant, auch wenn unter SSRIs etwas häufiger suiziale Gedanken oder suizidales Verhalten berichtet wurden (7,7% vs. 5,9%).

Wie effektiv ist die Kombination aus Psycho- und Pharmakotherapie? Studien zeigen inkonsistente Ergebnisse eines Rückgangs der depressiven Symptome. Eine begrenzte Evidenz spricht für eine höhere Remissionsrate unter Medikation als unter Psychotherapie. Eine etwas höhere Remissionsrate fand sich auch unter Kombination im Vergleich mit alleiniger Medikation. Daten zur Suizidalität konnten nicht metaanalytisch ausgewertet werden. Aufgrund der sehr begrenzten vorhandenen Evidenz kann die relative Wirksamkeit von Psychotherapie, Pharmakotherapie und ihrer Kombination für die Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen nicht festgestellt werden.

Es gibt Hinweise, dass Sport depressive Symptome bessern kann. Untersucht wurden in dem Zusammenhang Tanzen, Yoga, Lauf-, Aerobic-, Kraft-oder Zirkeltrainings in wöchentlichen oder mehrmals wöchentlichen Terminen über 6-12 Wochen im Vergleich zu Aktivitäten mit jeweils geringerer Intensität oder alltäglicher Bewegung. Um eindeutig nachzuweisen, dass und wie sportliche Aktivität depressive Symptome verringern kann, sind weitere Studien notwendig.

Kunsttherapie – subjektives Wohlbefinden bessert sich

Zur Wirksamkeit von Kunsttherapie wurden drei Studien ausgewertet. In einer unkontrollierten Studie mit suizidalen Jugendlichen in stationärer Behandlung war die KT nicht wirksamer als ein Aufmerksamkeitsplacebo zur Reduktion von depressiven Symptomen. In der zweiten Studie nahmen männliche Jugendliche mit depressiven Symptomen oder Angstsymptomen an Gruppen-Kunsttherapie mit oder ohne Atemmeditation teil. Das subjektive Wohlbefinden der Schüler verbesserte sich stärker als in einer nichtbehandelten Kontrollgruppe. In der dritten Studie wurde eine Gruppenintervention für Schülerinnen und Schüler mit emotionalen Problemen und Verhaltensproblemen ebenfalls in der Schule angeboten. Eine eindeutige Reduktion fand sich nicht.

Computer-gestützte Therapien scheinen vielversprechend zu sein

Zu computergestützter Therapie wurden acht systematische Reviews gefunden. Mit Ausnahme eines Reviews kommen alle Autoren zu dem Schluss, dass computerbasierte Interventionen (meist KVT basiert) zur Reduktion depressiver Symptome im Vergleich zu verschiedenen Kontrollbedingungen vielversprechend sind. 

In den RCTs wurden insgesamt 844 Jugendliche und junge Erwachsene (11-22 Jahre) mit erhöhten, zumeist leichten bis mittelgradigen depressiven Symptomen untersucht. In zwei RCTs verbesserten sich die depressiven Symptome sowohl in den Interventions- als auch in den Wartegruppen ohne statistisch bedeutsame Unterschiede. In den übrigen drei RCTs gingen die depressiven Symptome in den Interventionsgruppen stärker zurück als in den Wartegruppen.

Referenz:

XXXV. DGKJP Kongress, 22.- 25. März 2017, CCU Ulm

State-of-the-art-Symposium: Depressionen , 23. März 2017, 10.45.– 12.15 Uhr.