Experten fordern bessere Ausbildung der Ärzte zur Suizidprävention

Darf kranken Menschen dabei geholfen werden, sich das Leben zu nehmen? Die Gesellschaft für Suizidprävention stemmt sich klar gegen Suizid-Beihilfe. Nötig sei stattdessen eine bessere Betreuung. Di

Darf kranken Menschen dabei geholfen werden, sich das Leben zu nehmen? Die Gesellschaft für Suizidprävention stemmt sich klar gegen Suizid-Beihilfe. Nötig sei stattdessen eine bessere Betreuung.

Die diskutierte Beihilfe zum Suizid stößt bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) auf strikte Ablehnung. “Damit wird eine Stimmung erzeugt: Wenn sie alt sind, wenn sie krank sind, dann bringen sie sich um. Das geht bis zu einem gesellschaftlichen Druck”, kommentierte der Stuttgarter Psychiater Elmar Etzersdorfer am Freitag bei der DGS-Frühjahrstagung im schwäbischen Günzburg die aktuelle Sterbehilfe-Debatte.

Der Bundestag will noch in diesem Jahr die Sterbehilfe in Deutschland neu regeln. Bei einer Grundsatzdebatte im November gab es im Parlament unterschiedliche Positionen zur Frage, ob einem sterbenskranken Menschen Beihilfe zum Suizid geleistet werden darf.

“Dadurch werden Beratungsmöglichkeiten in den Hintergrund gerückt”, kritisierte die DGS-Vorsitzende Barbara Schneider. Die geschäftsmäßige, gewerbliche und organisierte Beihilfe zum Suizid müsse außerdem ausgeschlossen, die präventive Beratung und Versorgung etwa durch Ärzte gestärkt werden. “Ein geschützter Raum zwischen Arzt und Patienten muss vorhanden sein, um frei über suizidale Gedanken zu diskutieren”, sagte Schneider.

Die Zahl der Selbsttötungen in Deutschland ist seit den 1980er Jahren zurückgegangen, steigt aber seit mehreren Jahren wieder an. 2013 gab es laut Statistischem Bundesamt rund 10 000 Suizide, mehr als 100 000 Menschen begingen den Versuch.

In Bayern wurden 2013 beispielsweise 13,7 Selbsttötungen pro 100 000 Einwohner gezählt, in Baden-Württemberg 12,8 (Deutscher Durchschnitt: 12,5). Die Gefahr steigt dabei kontinuierlich mit dem Lebensalter. “Das berechtigt zur Sorge”, sagte Etzersdorfer.

Die Mitwirkung bei der Selbsttötung ist aber laut DGS keine ärztliche Aufgabe. “Vor jeder Beihilfe zum Suizid muss die Hilfe stehen für die, die suizidal sind. Da gibt es eine ganze Menge an Möglichkeiten, die noch nicht ausgenutzt werden”, sagte der Hamburger Psychologe Reinhard Lindner. Die DGS plädiert unter anderem für psychotherapeutische Gesprächsangebote und die Behandlung mit Medikamenten.

Vor allem Ärzte, Psychotherapeuten und Leute in der Altenhilfe müssten außerdem besser ausgebildet werden. Im Medizin-Studium komme die Behandlung psychischer Erkrankungen zu kurz, kritisierte die Dresdner Psychiaterin Ute Lewitzka. “Sie lernen das Leben retten, aber nicht wie ein Mensch gesund altert.”

Text: dpa /fw

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