Frauen, Partnerwahl und Eisprung: Studie untersucht "ovulatory shift hypothesis"

Seit Jahren diskutieren Wissenschaftler darüber, wie sich das sexuelle Begehren bei Frauen während der fruchtbaren Tage verändert und ob in Partnerschaft lebende Frauen in diesem Zeitraum andere Männer anziehender finden als sonst.

Sexuelles Verlangen nach dem eigenem Partner und fremden Männern  vor dem Eisprung erhöht 

Seit Jahren diskutieren Wissenschaftler darüber, wie sich das sexuelle Begehren bei Frauen während der fruchtbaren Tage verändert und ob in Partnerschaft lebende Frauen in diesem Zeitraum andere Männer anziehender finden als sonst. Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Göttingen zeigt, dass sich entgegen des bisherigen Forschungsstandes die Partnerpräferenz während des Eisprungs nicht verändert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht.

Dass sich im Laufe des weiblichen Zyklus Stimmung und Verhalten verändern können, weiß sowohl die Wissenschaft als auch nahezu jede Frau. Während der fruchtbaren Phase des Zyklus sorgen Hormone wie das Östrogen Estradiol dafür, dass das sexuelle Verlangen steigt. In diesem Zusammenhang wird seit einigen Jahren in der evolutionären Psychologie die "ovulatory shift hypothesis" diskutiert. Dieser Hypothese nach können Frauen ihren Reproduktionserfolg erhöhen, indem sie eine Partnerschaft mit einem zuverlässigen Mann eingehen, der zur Investition in Familie und Kinder bereit ist, während der fruchtbarsten Phase es aber eher riskieren genetisch attraktivere Partner außerhalb der festen Beziehung als Vater für ihre Nachkommen auszusuchen. Frühere Studien waren aufgrund kleiner Stichproben und methodischer Schwächen in die Kritik geraten. Ziel der großangelegten Studie war es deshalb, diese These mit einem robusten Studiendesign und einer hohen Anzahl an Teilnehmerinnen zu überprüfen. Darüber hinaus wurden die wissenschaftlichen Vorhersagen, statistischen Analysen und die Definition des fruchtbaren Fensters schon vor Studienbeginn festgelegt und online registriert.

Auswertung von 26.000 Online-Tagbuch-Einträgen

Die Wissenschaftler ließen über 1.000 Frauen 35 Tage lang ein anonymes Online-Tagebuch ausfüllen. Die ausgewählten Probandinnen waren im Schnitt 25,5 Jahre alt und alle in einer festen heterosexuellen Beziehung. Ihre Aufgabe war es, im Tagebuch Angaben zu ihrer Beziehung, ihren sexuellen Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Partnerschaft, dem Grad ihres sexuellen Verlangens nach dem Partner oder anderen Männern sowie ihrem Flirt-Verhalten zu machen. Außerdem wurden ihre Wahrnehmungen der eigenen Attraktivität, die Wahl ihrer Kleidung und andere psychologische Parameter abgefragt. Anhand von Angaben zum Zeitraum der Menstruation war es möglich, den Zeitpunkt des Eisprungs für jede Frau individuell zu schätzen.

Die Daten bestätigen, dass Frauen vor dem Eisprung ein erhöhtes sexuelles Verlangen haben – dies jedoch gleichermaßen nach dem eigenen Partner wie auch nach fremden Männern. Es gibt hingegen keine Hinweise darauf, dass Frauen, die ihren Partner weniger sexuell anziehend finden, vor dem Eisprung überproportional häufiger mit anderen Männern flirten oder sogar fremdgehen. Außerdem war die selbstwahrgenommene Attraktivität der Frauen in der fruchtbaren Phase erhöht, während sich jedoch im Kontrast zu Befunden aus früheren, kleineren Studien keine nennenswerten Veränderungen beim Kleidungsstil oder im Verhalten zeigten.

Etwa 60 Prozent der befragten Frauen nutzten hormonelle Verhütungsmittel, die den Eisprung unterdrückten. Bei ihnen beobachteten die Forscher keine der genannten Veränderungen während des Zyklus. Das sexuelle Verlangen sowohl nach dem eigenen Partner, als auch nach fremden Männern blieb genauso wie die selbstwahrgenommene Attraktivität auf einem konstanten Niveau.

Hypothese bestätigt sich nicht

"Wir konnten in den 26.000 Tagebucheinträgen keine Hinweise finden, die die 'ovulatory shift hypothesis' stützen. Wir sehen aber Anzeichen dafür, dass manche Frauen große und manche nur schwache Zyklusschwankungen in ihrem sexuellem Verlangen und ihrer Selbstwahrnehmung erleben. Diese individuellen Unterschiede wollen wir besser verstehen. Dadurch erhoffen wir uns auch, nachvollziehen zu können, warum Frauen, die hormonell verhüten und damit ihren Eisprung unterdrücken, unterschiedliche Nebenwirkungen erleben“, sagt Erstautor Ruben Arslan, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich "Adaptive Rationalität" des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Um diese Fragen zu beantworten, sind weitere Studien angedacht, in denen Frauen über einen noch längeren Zeitraum befragt werden sollen. Zu diesem Zweck ist auch eine Zusammenarbeit mit einer Tracking-App für Menstruationszyklen geplant. So können Daten von hunderttausenden Frauen über mehrere Jahre ausgewertet werden.
 

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