Freigabe von Marihuana als Arzneimittel führt nicht zu mehr Konsum

Millionen Daten analysierten US-Forscher und kamen zu dem Ergebnis: Wenn Marihuana per Rezept erhältlich ist, führt das nicht automatisch auch zu einem höheren Konsum. Die Freigabe von Marihuana al

Millionen Daten analysierten US-Forscher und kamen zu dem Ergebnis: Wenn Marihuana per Rezept erhältlich ist, führt das nicht automatisch auch zu einem höheren Konsum.

Die Freigabe von Marihuana als Arzneimittel führt einer Studie zufolge nicht zu einem höheren Konsum. Derartige Sorgen seien unbegründet, schreiben die Wissenschaftler um Deborah Hasin von der Columbia-Universität in New York. Die Forscher analysierten Daten von mehr als einer Million Jugendlichen aus 48 Staaten der USA zwischen 1991 und 2014. Sie fanden keinen Hinweis darauf, dass mehr gekifft wird, wenn Marihuana vom Arzt verordnet wird. Die Studie ist im Medizin-Journal The Lancet veröffentlicht worden.

Der Drogenkonsum der Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren in 21 Staaten, in denen Marihuana für medizinische Zwecke legalisiert wurde, hat sich demnach nicht verändert. Auch wenn unterschiedliche Gruppen betrachtet würden – etwa nach Bildung, Herkunft, Geschlecht oder Hautfarbe – ergebe sich keine Zunahme.

Hasin sagte, dass in den Staaten, die Marihuana auf Rezept erlauben, der Konsum zwar höher sei als in den anderen Staaten – das sei so aber auch schon vor der Freigabe so gewesen. “Weil der Konsum von Marihuana bei Jugendlichen zu späteren Schäden führen kann, sollten wir die Faktoren erforschen, die zu diesem Konsum führen.” Die Freigabe als Arznei sei aber kein solcher Umstand.

Seit den 90er Jahren haben immer mehr Bundesstaaten in den USA  Marihuana für medizinische Zwecke erlaubt, darunter Kalifornien, Colorado, Illinois, Washington, Arizona und New York. Auch in anderen Ländern wie Israel wird das Mittel eingesetzt, um beispielsweise Übelkeit zu bekämpfen. Den beiden Hauptwirkstoffen Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol wird eine krampflösende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben.

Befürworter sehen einen großen Nutzen etwa für Menschen mit chronischen Schmerzen, Patienten mit Krebs oder Aids-Kranke. Kritiker weisen unter anderem auf mögliche Nebenwirkungen des Rauschmittels wie Schwindel und Wahrnehmungsstörungen hin.

Das einzige in Deutschland zugelassene Medikament auf der Basis von Cannabis ist Sativex. Viele Kassen übernehmen die Kosten.

Schwer kranke Menschen dürfen mit einer Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte auch getrocknete Blüten oder Blätter über Apotheken beziehen.

Text: dpa /fw

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