Frühkindliche Bronchiolitis erhöht Asthma-Risiko im Erwachsenenalter

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Menschen, die in ihrer frühen Kindheit an einer Bronchiolitis erkrankten, haben ein erhöhtes Risiko im Alter von 28 bis 32 Jahren an Asthma zu erkranken und eine im Allgemeinen weniger gute Gesundheit als Gleichaltrige ohne diese Vorerkrankung.

Darüber hinaus stellte man bei ihnen mit Hilfe von Lungenfunktionstests eine irreversible Obstruktion der Luftwege fest. Zu diesen Erkenntnissen kam eine neue Studie(DOI: 10.1111/pai.12448) der University of Eastern Finland.

Bronchiolititiden und Pneumonien sind in im frühen Kindesalter häufige Erkrankungen des unteren Respirationstraktes. Während ihres ersten Lebensjahres erkranken rund 30 Prozent aller Kinder an einer Bronchiolitis, wovon wiederum 1 bis 2 Prozent der Fälle eine stationäre Einweisung erfordern. In dieser Zeit ist der Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) der am häufigsten vorkommende Auslöser für sowohl Bronchiolititiden als auch Pneumonien.

Bronchiolititiden und Pneumonien werden schon länger mit späteren Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht

Kindheits-Bronchiolititiden und Pneumonien werden schon seit Längerem mit dem Auftreten verschiedener Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und weiteren Lungenerkrankungen im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht. Allerdings entstammt ein Großteil der Evidenz, welche frühkindliche Erkrankungen der unteren Atemwege mit solchen Prognosen für das Erwachsenenalter verbinden, aus retrospektiven Studien. Frühere Forschungsarbeiten konnten auch zeigen, dass Personen, die in ihrer frühen Kindheit an einer unteren Atemwegserkrankung litten, in den Folgejahren eine schlechtere gesundheitsbedingte Lebensqualität vorweisen als ihre Altersgenossen. Allerdings ist in den Studien nicht geprüft worden, ob sich diese Tendenz bis ins Erwachsenenalter fortsetzt.

Die Ausgangsdaten für die Doktorarbeit (PhD) von Katri Backman, MD, wurden in der Zeit von 1981 bis 1982 gesammelt. Die Studie involvierte 83 Kinder bei denen eine Bronchiolitis diagnostiziert wurde sowie 44 Kinder mit einer Pneumonie. Alle Kinder waren zu diesem Zeitpunkt jünger als zwei Jahre und wurden im Krankenhaus behandelt. Um herauszufinden, durch welche Viren die Erkrankungen jeweils ausgelöst wurden, analysierten die Wissenschaftler bei allen Kindern bei ihrer Aufnahme Abstriche aus dem Nasen- und Rachenbereich. Diese Studienkohorte wurde dann seit den 1980er Jahren fortwährend begleitet und überwacht.

Ehemalige Patienten wurden noch einmal untersucht

Im Jahr 2010 wurden dann 48 ehemalige Bronchiolitis-Patienten, 22 Teilnehmer der Pneumonie-Gruppe sowie 138 Kontrollprobanden zu einer klinischen Follow-Up-Studie eingeladen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich alle Probanden in einem Alter zwischen 28 und 31 Jahren. In diesem Rahmen wurden alle Probanden gebeten den Saint George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ) zu beantworten, um die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Menschen zu bewerten. Darüber hinaus wurden die Teilnehmer einer klinischen Untersuchung durch einen Arzt unterzogen sowie ein Prick-Test, eine Stickstoffmonoxid-Messung in der Expirationsluft, eine Peak expiratory flow Messung (PEF) und eine Spirometrie mit Bronchodilatationstest (BD) durchgeführt.

Bei diesen Testungen wurde in der Bronchiolitis-Gruppe bei 31% der Probanden ein Asthma bronchiale festgestellt währenddessen lediglich 11% in der Kontrollgruppe diese Diagnose erhielten. In der Pneumonie-Gruppe waren nur 9%  der Probanden an Asthma erkrankt. In der Bronchiolitis-Gruppe war die Prävalenz für Asthma somit signifikant höher als in den anderen Gruppen. Bei Probanden bei denen ein RS-Virus die Ursache für die frühere Atemwegserkrankung darstellte und ein Giemen auftrat, war das Auftreten von Asthma deutlich häufiger als bei gesunden Altersgenossen. Die innerhalb der Spirometrie geprüfte Lungenfunktion war bei Patienten mit frühkindlicher Bronchiolitis ebenfalls schlechter. Darüber hinaus konnte die Arbeitsgruppe bei den Erwachsenen mit durchgemachter Infektion eine irreversible Lungenobstruktion feststellen.

Ähnliche Tendenzen bei Patienten mit Lungenentzündung zu beobachten

Ähnliche, wenn auch mildere Tendenzen ließen sich bei den Personen beobachtet, die eine Lungenentzündung durchgemacht hatten. Im SGRQ fielen die Scores der Bronchiolitis- und Pneumonie-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe höher aus, was auf eine schlechtere gesundheitsbezogene Lebensqualität im Erwachsenenalter hindeutet. Grund für dieses Ergebnis ist vermutlich ein vermehrtes Auftreten von respiratorischen Symptomen und Erkrankungen innerhalb der beiden Gruppen.

Die Studie konnte in einem prospektiven Settig zeigen, dass die Mehrzahl der Erwachsenen, welche im frühkindlichen Alter eine Infektion des unteren Respirationstraktes erlitten, im Folgenden Symptomfrei bleiben. Allerdings ergab sich für Personen, die in jungen Jahren eine Bronchiolitis oder eine durch RS-Viren  verursachte Infektion der unteren Atemwege durchgemacht hatten, ein signifikant erhöhtes Risiko für Asthma im Erwachsenenalter. Festgestellte Veränderungen der Lungenfunktion deuten darüber hinaus auf eine irreversible Obstruktion der Luftwege dieser Patienten hin. Daraus lässt sich für diese Menschen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) ableiten. Zu guter Letzt assoziierten die Ergebnisse der Studie die Bronchiolitis- und Pneumoniepatienten mit einer vergleichsweise weniger guten gesundheitsbedingten Lebensqualität im Erwachsenenalter.

Text: esanum /pvd

Foto: Marius Pirvu / Shutterstock.com

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