Fünf Thesen zur Intensivpflege

Der Fachkräftemangel hat eine direkte Auswirkung auf die Versorgungsqualität in den Krankenhäusern. Damit sich daran etwas ändert, haben ExpertInnen der DIVI sowie der DGF fünf Thesen erarbeitet, um die Relevanz der Pflege-Profession für das Gesundheitssystem öffentlich zu unterstreichen.

Auf dem Weg zur idealen Versorgung kritisch erkrankter Menschen

In der Intensivpflege werden zunehmend Diskussionen über einen Mangel an Ressourcen geführt. Der Fachkräftemangel hat eine direkte Auswirkung auf die Versorgungsqualität in den Krankenhäusern. Insbesondere Fachpflegekräfte stehen den Krankenhäusern nicht mehr ausreichend zur Verfügung. Damit sich daran etwas ändert, haben ExpertInnen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) fünf Thesen erarbeitet, um die Relevanz der Pflege-Profession für das Gesundheitssystem öffentlich zu unterstreichen.

"Wir wollen damit die fachliche Diskussion um die notwendige Anzahl von Fachpflegenden in der Intensivmedizin schnellstmöglich weiter vorantreiben", sagt Tilmann Müller-Wolff, Sektionssprecher der DIVI-Sektion Pflegeforschung und Pflegequalität sowie Akademieleiter der Regionale Kliniken Holding in Ludwigsburg, der das jetzt veröffentlichte Thesenpapier federführend erstellt hat. "Spezifische Qualifikationen, eigenständige Handlungsfelder und Interprofessionalität sind nur drei der Hebel, die wir für eine qualitativ hochwertige Versorgung kritisch kranker Patienten identifiziert haben", so Müller-Wolff.

Auch von Seiten der Ärzteschaft stoßen die Thesen auf breite Zustimmung: "Uns Medizinern ist sehr daran gelegen, dass die Intensivpflege ausreichend Wertschätzung erhält, die Qualität der Berufsausbildung gesichert wird, und dass zukünftig mehr Pflegende eingestellt werden", sagt Professor Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. "Hier ist auch die Gesundheitspolitik gefordert!"

Qualitätsvorgaben: Berufsperspektive für Intensivpflegekräfte schaffen

Im Zentrum der Experten-Arbeit steht ein höheres Ziel: "Wir wollen den Intensivpflegekräften in Deutschland eine Berufsperspektive schaffen. Wir setzen uns dafür ein, dass dieser wichtige Beruf unter professionellen Arbeitsbedingungen Freude bereitet. Auch die Arbeit in einem medizinisch herausfordernden Umfeld macht Spaß", sagt Tilmann Müller-Wolff, der selbst viele Jahre als Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie in verschiedenen Krankenhäusern aller Versorgungsstufen gearbeitet hat. Unterstützung bei der Erarbeitung der Thesen erhielt Tilmann Müller-Wolff von DIVI-Präsidiumsmitglied Thomas van den Hooven, zugleich Pflegedirektor am Universitätsklinikum Münster, vom DGF-Vorsitzenden Lothar Ullrich sowie von Dominik Zerrgiebel, DGF-Landesbeauftragter für Nordrhein-Westfalen. "Die notwendige Anzahl der Fachkräfte, die für eine gute intensivmedizinische Betreuung benötigt werden, sollen strikt am bestmöglichen medizinischen Outcome gemessen werden", sagt Müller-Wolff. "Die dazu erforderlichen Qualitätsvorgaben können mithilfe der fünf Thesen eingehalten werden."

Die fünf Fachthesen zur Intensivpflege im Überblick

1. Intensivpflege erfordert eine spezifische Qualifikation
2. Intensivpflege erfordert spezifische Ressourcen, Rahmenbedingungen und Qualität
3. Intensivpflege erfordert regelmäßige Trainings
4. Intensivpflege erfordert eigenständige Handlungsfelder
5. Intensivpflege erfordert Interprofessionalität & Zusammenarbeit

Spezifische Qualifikationen und Rahmenbedingungen erforderlich

Fachpflegekräfte müssten in Deutschland weiterhin in Theorie und Praxis der Intensivmedizin ausgebildet werden, so die erste These. Hierfür können in Weiterbildungen oder Masterstudiengängen Sonderqualifikationen für den Umgang mit Patienten, Geräten und pharmakologischen Interventionen erworben werden.

Die zweite These stützt sich auf die Strukturempfehlungen der DIVI zur Ausstattung von Intensivstationen. "Strukturempfehlungen und Ausstattung von Intensivstationen sind Bedingungen dafür, dass die Intensivpflege überhaupt wirksam erbracht werden kann", so Müller-Wolff.

Gefordert werden Trainings, eigenständige Handlungsfelder sowie Interprofessionalität

Die dritte These weist auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Fortbildung der Pflegekräfte hin. Nur durch regelmäßige Trainings könne eine Versorgung nach den neuesten Erkenntnissen aus Medizin, Pflege- und Bezugswissenschaften gewährleistet werden.

In der vierten These weisen Müller-Wolff und seine KollegInnen zudem darauf hin, dass nicht nur ein regelmäßiges Training, sondern auch die Übertragung einiger Handlungsfelder an die Pflegenden zu einer besseren Intensivpflege beitragen. Wenn Aufgabenbereiche wie Beatmungstherapie, Entlass-Management oder Steuerung der Medikation an Fachpflegekräfte übertragen werden, steigere das die Entwicklung neuer fachlicher Karrierepfade sowie den Jobanspruch.

Zuletzt könne laut These 5 die Intensivpflege nicht ohne eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen und Berufsgruppen funktionieren. "Nur eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht es allen Beteiligten, in der Intensivpflege in ihrem Kompetenzfeld gehört und wertgeschätzt zu werden. Und nur so erreichen wir eine ideale Versorgung kritisch erkrankter Patienten", betont Müller-Wolff.

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