Gebärmutterhalskrebs mit HPV-Selbsttest verhindern?

Eine Forschungsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) aus der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe will mit einer Studie klären, ob mit einem HPV-Selbsttest für Zuhause die Risikogruppe besser erreicht werden kann.

In Deutschland gibt es wenige Erfahrungen mit HPV-Selbsttests für die Vorsorge

Gebärmutterhalskrebs gehört zu den häufigsten Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Fast immer sind Humane Papillomviren, kurz HPV, für Gebärmutterhalskrebs und die entsprechenden Krebsvorstufen verantwortlich. Im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchung können Frauen ab dem 20. Lebensjahr einmal jährlich einen Zellabstrich vom Gebärmutterhals, den Pap-Test, vornehmen lassen, um Zellveränderungen aufzuspüren. Ab dem 35. Lebensjahr wird alle drei Jahre in Kombination mit dem Pap-Abstrich auf Humane Papillomviren getestet. Das Problem: 30 Prozent aller Frauen in Deutschland nehmen das Angebot zur gesetzlichen Früherkennung nicht regelmäßig wahr. Bei Frauen aus sozial schwächeren Schichten oder mit Migrationshintergrund liegt diese Quote noch deutlich höher.

Abhilfe könnte ein HPV-Selbsttestverfahren schaffen, für das die Frauen nicht mehr in die Arztpraxis müssten. Eine Forschungsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) aus der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe will jetzt mit einer Studie klären, ob mit einem solchen Selbsttest für Zuhause die Risikogruppe besser erreicht werden kann. Die Studie ist Teil des Präventionsprogramms des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Hannover der MHH und läuft unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

Seit Januar 2020 ist die Vorsorgeuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs neu geregelt: Frauen ab 20 erhalten Einladungsschreiben, um auf das Angebot zur Vorsorgeuntersuchung aufmerksam gemacht zu werden. Eine Möglichkeit, diejenigen zu erreichen, die nicht in eine Arztpraxis kommen wollen, ist ein HPV-Selbsttestverfahren. "In anderen Ländern, wie den Niederlanden, sind HPV-Selbstuntersuchungen bereits etabliert. In Deutschland bestehen bislang nur sehr begrenzte Erfahrungen. Unsere hannoversche Self-Collection-Studie zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs soll erste Informationen über die bestmögliche Durchführung der HPV-Selbstuntersuchung von Nicht-Teilnehmerinnen liefern, sodass diese die reguläre Vorsorge in Zukunft ergänzen kann", sagt Professor Dr. Peter Hillemanns, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Direktor des CCC Hannover der MHH.

20.000 Frauen in der Region Hannover erhalten HPV-Selbsttest

Per Zufallsstichprobe sollen 20.000 Frauen aus der Region Hannover im Alter von 30 bis 65 Jahren einen HPV-Selbsttest zur Verfügung gestellt bekommen. Der Selbsttest kann zu Hause durchgeführt werden und anschließend per Post ins Labor der Frauenklinik zur Untersuchung geschickt werden. Bei der Studie werden die Frauen in zwei Gruppen geteilt: Der ersten Gruppe von 10.000 Frauen wird der Selbstabstrich mit Anleitung und Fragebogen direkt zugesendet. Die zweite Gruppe bekommt zunächst ein Informationsschreiben, mit dem sie einen Selbstabstrich anfordern kann. Die Teilnahmeraten der Einladungsmodelle werden später verglichen und die eingesetzten CE-zertifizierte HPV-Selbstuntersuchungssysteme bewertet.

Weitere Abklärung positiver HPV-Nachweise notwendig

"HPV-Infektionen sind häufig, führen aber nur in sehr wenigen Fällen wirklich zur Entstehung von Krebs oder Krebsvorstufen. Dennoch ist bei einem positiven HPV-Test eine zusätzliche gynäkologische Untersuchung mittels Pap-Abstrich zur weiteren Abklärung notwendig", erklärt Privatdozent Dr. Matthias Jentschke, Studienleiter und geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der MHH. "Wir hoffen im Rahmen der Studie insbesondere Frauen, die länger nicht bei der Vorsorge waren, zur weiteren Abklärung in einer Facharztpraxis motivieren zu können."

Bei auffälligem Pap-Abstrich erfolgt eine spezielle Untersuchung, Kolposkopie, in der Klinik, bei dem eine Gewebeprobe vom Muttermund entnommen wird. Unauffällige Ergebnisse werden den Teilnehmerinnen schriftlich mitgeteilt, mit der Empfehlung, weiterhin an regelmäßigen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen teilzunehmen.

Schirmherrin ist Sozialministerin Daniela Behrens

Als Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung ist Daniela Behrens die Vorsorge ein besonderes Anliegen. "Bei der Krebsvorsorge und -früherkennung gilt es den Krebs zu erkennen, bevor er entsteht oder Beschwerden macht. Leider erreichen wir bislang noch zu wenige Frauen für die regelmäßige Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs, insbesondere jene mit Migrationshintergrund oder niedrigem Einkommen. Die Studie bietet mit der Option der HPV-Selbsttestung ein besonders niederschwelliges Konzept, wodurch mögliche Barrieren reduziert und Nicht-Teilnehmerinnen für die Vorsorge besser erreicht werden können", betont die Ministerin.

Die aktive Phase der Self-Collection-Studie wird bis Sommer 2022 andauern, danach ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen. Die Deutsche Krebshilfe fördert die Studie mit 750.000 Euro.

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