Genetische Ursache für Autismus Spektrum Störung gefunden

Eine Studie (DOI: 10.1038/srep19372), die kürzlich in Scientific Reports veröffentlicht wurde, deutet auf eine starke Verbindung zwischen einem bestimmten Gen, Autismus und dem Mikrodeletionssyndro

Eine Studie (DOI: 10.1038/srep19372), die kürzlich in Scientific Reports veröffentlicht wurde, deutet auf eine starke Verbindung zwischen einem bestimmten Gen, Autismus und dem Mikrodeletionssyndrom 22q11 hin.

Nach Angaben des Centers for Disease Control und Prevention (CDC), betreffen die Autismus Spektrum Störungen eins von 68 Kindern in den USA. Charakterisiert durch repetitive Handlungen und Schwierigkeiten in der Kommunikation und sozialen Interaktion bleibt der Autismus trotzdem weiterhin eine mysteriöse Störung. Die Ursachen und Mechanismen, die bei Betroffenen auf das Gehirn einwirken, sind weitestgehend unbekannt und daher gibt es auf diesem Feld einen hohen Bedarf an Forschung.

Als die Autismus Spektrum Störung erstmals in den 1940er Jahren beschrieben wurde, glaubte man, dass es sich hierbei um die Folge einer Störung in der frühen Kindheit handelt. In Zwillingsstudien konnte jedoch gezeigt werden, dass die Autismus Spektrum Störung, im Englischen Autism Spectrum Disorder (ASD), eine gewisse Vererbbarkeit aufweist. In der Forschung wurde nun begonnen, nach genetischen Komponenten zu suchen.

Genetische Ursachen bisher nicht komplett erforscht

Das volle Ausmaß der genetischen Beteiligung in der autistischen Störung ist derzeit noch unbekannt. Da es aber einige Hinweise für eine genetische Beteiligung gibt und die ASD eine sehr komplexe Störung ist, bewerten viele Forscher die Suche nach den genetischen Anhaltspunkten als lohnenswert. Über die letzten Jahre hinweg, konnten mehrere Gene gefunden werden, die potenziell in die Entwicklung der ASD verwickelt sind.

Dr. Hakon Hakonarson und sein Team von dem pädiatrischen Krankenhaus in Philadelphia, erforschen potenzielle molekulare Marker und ihre Rolle in anderen Erkrankungen. Ein bemerkenswerter Aspekt des Autismus ist sein Vorkommen bei einer Zahl von grundverschiedenen genetischen Erkrankungen. Zum Beispiel ist die ASD oft assoziiert mit dem Mikrodeletionssyndrom 22q11, das auch unter dem Namen DiGeorge-Syndrom bekannt ist, mit dem fragilen X-Syndrom und der tuberösen Sklerose.

Obwohl die Ursachen der ASD unklar sind, sind die Mechanismen der Krankheiten, die autistische Merkmale aufweisen, wie das fragile X-Syndrom und die tuberöse Sklerose, besser verstanden. In Studien konnte gezweigt werden, dass die Signalübertragung bei diesen genetischen Störungen über einen bestimmten Glutamatrezeptor (mGluR5) läuft und dass dieser Stoffwechselweg signifikante Bedeutung hat. Das Gen, das den mGluR5 codiert, heißt RANBP1 und wird mit einer Reihe von neuropsychiatrischen Störungen in Verbindung gebracht. In Versuchen wurde der mGluR5 bei bestimmten Mäusen, bei denen das fragile X-Syndrom simuliert wird, blockiert und man konnte ein Abklingen der ASD assoziierten Symptome feststellen. Die derzeitigen Bemühungen von Dr. Hakonarson fokussieren sich ausdrücklich auf die Funktionsweise des mGluR5 bei Patienten mit einer ASD im Vergleich zu Patienten mit einem Mikrodeletionssyndrom 22q11.

Mikrodeletionssyndrom 22q11 wird oft nicht erkannt

Das Mikrodeletionssyndrom 22q11 tritt bei einem von 2000 bis 4000 Individuen auf und wird aber oft von Ärzten übersehen. Die genetische Krankheit beinhaltet Störungen auf bestimmten Regionen des Chromosoms 22. Diese Mutation verursacht eine Unzahl von Symptomen, die von Magen-Darm-Störungen, kardialen Symptomen, Veränderungen des Immunsystems, Defekten im Gesicht und am Gaumen bis zu Lernschwierigkeiten reichen. Auch die ASD gehört zum Spektrum der Symptome, die im Rahmen eines Mikrodeletionssyndroms 22q11 auftreten können.

Die Forscher haben die DNA von 539 Kindern, die an einem ASD leiden, mit der DNA von 75 Kindern, die an einem Mikrodeletionssyndrom 22q11 erkrankt sind, verglichen. Von den 75 Kindern mit einem Mikrodeletionssyndrom 22q11 zeigten 25 Kinder auch autistische Symptome. Die Proben wurden auf Duplikationen und Deletionen im RANBP1 Gen geprüft.

Vorarbeiten von Herrn Dr. Hakonarson konnten zeigen, dass die RANBP1 Gene bei Patienten mit einer ASD mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verändert sind. Für die aktuelle Studie wollte er untersuchen, ob Individuen mit einem Mikrodeletionssyndrom 22q11, die auch charakteristische autistische Züge tragen, ähnliche Veränderungen in ihren mGluR5 Genen vorweisen.

Dr. Hakonarson berichtet von seinen neusten Ergebnissen: “Auf der Grundlage unser derzeitigen Arbeit möchten wir verkünden, dass das RANBP1 Gen ein signifikanter genetischer Faktor bei der ASD und dem Mikrodeletionssyndrom 22q11 ist. Zusätzlich kann man sagen, dass es zu schweren Krankheitsverläufen kommt, sobald das mGluR5-Netzwerk an multiplen Stellen gestört ist.”

Es lässt sich demnach sagen, dass nicht nur Mutationen im RANBP1 Gen den ASD Symptomen vorausgehen, sondern, dass je mehr Mutationen ein Individuum in dieser Region trägt, desto ausgeprägter sind dessen Symptome.

Diese Art von genetischer Forschung führt uns einen Schritt näher an das Verständnis für diese mysteriösen und facettenreichen Erkrankungen. Mit einer ausführlichen und tiefgründigen Erforschung der genetischen Hinweise, kann es in Zukunft gegebenenfalls möglich sein, eine Therapie zu entwickeln.

Das untersuchte Gen ist womöglich nicht nur in der Pathogenese der ASD ein wichtiger Faktor, sondern auch in anderen neuropsychiatrischen Konditionen.

Text: esanum /ab

Foto: Dubova / Shutterstock.com

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