"Gib mir 40!“

Je mehr Liegestütze, desto geringer das Herz-Kreislauf-Risiko

Die gängigen Belastungstests zur korrekten Beurteilung der körperlichen Fitness in Bezug auf das kardiovaskuläre Risiko sind aufwendig, langwierig, kostspielig – und könnten bald durch eine denkbar einfache Methode ersetzt werden: Liegestütze.

Die durch eine neue Studie gestützte Erkenntnis, dass das kardiovaskuläre Risiko bei Männern umso geringer ist, je mehr Liegestütze am Stück sie leisten, könnte ein neues, unkompliziertes Maß für die Risikobewertung schaffen, das keine kostspieligen Spezialausrüstungen erfordert.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jedes Jahr 17,9 Millionen Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKLs) verzeichnet – was etwa 31% aller Todesfälle weltweit ausmacht. In Deutschland lag die Zahl in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant bei etwa 350.000 Fällen pro Jahr.

Je mehr Liegestütze, umso besser

Konstant sind auch die meisten der Faktoren, die das Risiko für HKLs erhöhen: ungesunde Ernährung, mangelnde körperliche Aktivität, Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum. Da diese Ursachen sämtlich verhaltensabhängig, im Prinzip also veränderlich sind, ist auch die enge Verbindung zwischen körperlicher Fitness bzw. Leistungsfähigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht neu.

Die heute üblichen Methoden, wie z. B. der kardiale Belastungstest oder der submaximale Lauftrainingstest, um die körperliche Fitness und das kardiovaskuläre Risiko zu beurteilen, sind kostspielig und dauern recht lange.

Die Ergebnisse einer neuen Studie der “Harvard T.H. Chan School of Public Health“ in Boston, MA, ermöglichen ÄrztInnen gegebenenfalls eine viel einfachere Risikobewertung: Basierend auf der Fähigkeit einer Person, viele Liegestütze auszuführen.

Der Zusammenhang mag im Prinzip offensichtlich erscheinen – die Ergebnisse zeigen, dass körperlich aktive Männer, die mehr als 40 Liegestütze ausführen können, ein deutlich geringeres HKL-Risiko haben als Männer, die weniger schaffen –; aber wenn nun konkret und eindeutig belegt wird, dass die "Push-Up-Kapazität“ viel enger mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen korreliert als z.B. der submaximale Lauftrainingstest, ergeben sich weitreichende praktische Konsequenzen.  

"Unsere Ergebnisse belegen, dass die Push-Up-Kapazität eine einfache, kostenlose Methode zur Beurteilung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein kann", so der Erstautor der Studie, Justin Yang, M.D.

Das Forscherteam analysierte die Gesundheitsinformationen von 1.104 aktiven männlichen Feuerwehrleuten mit einem Durchschnittsalter von 39,6 und einem mittleren BMI von 28,7 über einen Zeitraum von 10 Jahren, zwischen 2000 und 2010.

Zu Beginn der Studie maßen die ForscherInnen sowohl die Push-Up-Kapazität als auch die Leistungsfähigkeit im submaximalen Lauftrainingstest jedes Teilnehmers, sammelten die verbleibenden relevanten Daten durch die jährlichen körperlichen Untersuchungen der Teilnehmer und forderten sie auf, eine Reihe von medizinischen Fragebögen auszufüllen.

Während des gesamten Zeitraums von 10 Jahren registrierten die Forscher 37 HKL-bezogene Ereignisse – bemerkenswerterweise passierten bis auf ein einziges alle dieser Ereignisse bei Männern, die zu Beginn der Studie "40 oder weniger“ Liegestütze ausführen konnten.

“40 oder mehr“ Liegestütze: Um 96% geringeres kardiovaskuläres Risiko 

Eine einfache Rechnung ergab, dass Teilnehmer, die zu Studienbeginn “40 oder mehr“ Liegestütze absolviert hatten, ein um 96% niedrigeres kardiovaskuläre Risiko hatten als Männer, die nicht mehr als 10 Liegestütze abschließen konnten.

Außerdem, so das Team, hatte die Push-Up-Kapazität eine stärkere Verbindung mit einem geringeren HKL-Risiko als die aerobe Kapazität, die durch den submaximalen Lauftrainingstest gemessen wird.

Die ForscherInnen wiesen jedoch darauf hin, dass die Befunde möglicherweise nicht auf Frauen oder ältere, jüngere oder körperlich weniger aktive Männer zutreffen, da ihre Teilnehmergruppe eben sämtlich aus Personen einer bestimmten Gruppe bestand; aktiven Männern in ihren 30er und 40er Jahren. Die Studie unterstreicht dennoch die Bedeutung der körperlichen Fitness für die Gesundheit – und warum Ärztinnen und Ärzte die Fitness während klinischer Begegnungen stets bewerten sollten.

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