Großzelliges Lymphom durch Brustimplantate

Brustimplantate mit bakteriellem Biofilm sind verantwortlich für Infektionen, die zum anaplastischen großzelligen Lymphom führen können

In der jüngeren Vergangenheit ist ein Zusammenhang zwischen Brustimplantaten und dem anaplastischen großzelligen Lymphom (anaplastic large-cell lymphoma / ALCL), einem Subtypen des CD4-positiven T-Zell-Lymphoms, beobachtet worden. Eine wachsende Anzahl von wissenschaftlichen Meldungen legt einen ätiologischen Zusammenhang zwischen ALCL und Brustimplantaten nahe. Verglichen mit der klassischen systemischen ALCL verhält sich die Brustimplantat assoziierte ALCL indolenter und lässt sich in zwei pathologische Untergruppen einteilen: den Serom-Typ, gekennzeichnet durch Ergüsse mit einem eingekapselten Randbereich besetzt von CD30-positiven malignen Lypmphozyten; und den weniger häufigen soliden Typen, mit einer klinisch aggressiven infiltrierenden Tumormanifestation. Die U.S. Food and Drug Administration fordert eine Mitteilung zu diesem Thema und weitere Untersuchungen des Phänomens.

Erst kürzlich wurde gezeigt, dass die Kontamination von Brustimplantaten mit bakteriellen Biofilmen zur Ausbildung von Kapselfibrosen, sichtbaren Imlantatverlagerungen und Schmerzen führen kann – was letztlich mittels einer chirurgischen Revision korrigiert werden muss. Diese Erkenntnisse sind durch klinische und experimentelle Studien weiter untermauert worden. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Implantate mit einer texturierten Oberfläche eine höhere bakterielle Besiedlung aufweisen und dass ein linearer Zusammenhang zwischen der Anzahl von Bakterien und einer lymphozytären Hyperplasie auf infizierten Brustimplantaten besteht. Implantate mit einer texturierten Außenhülle wurden in den späten 1980er Jahren eingeführt, um ihre Aufnahme und Einheilung ins umliegende Brustgewebe zu optimieren. Interessanterweise sind texturierte Brustimplantate bei Patientinnen mit Brustimplantat assoziierter ALCL überrepräsentiert. Man geht davon aus, dass chronische Infektionen aufgrund von bakteriellen Biofilmen in der Umgebung von Brustimplantaten einen inflammatorischen Reiz für die chronische Lymphozytenaktivierung, die lymphozytäre Hyperplasie und die potentielle Transformation in ein Brustimplantat assoziiertes ALCL darstellen.

Honghua et al. von der Boston University School of Medicine und dem Roger Williams Medical Center untersuchten Gewebeproben von Brustimplantat assoziierten ALCL-Patientinnen auf die Existenz eines bakteriellen Biofilms und – sofern detektiert – verglichen die Profile der Bakterienspezies (Mikrobiome) mit denen aus Proben von Brustimplantatkapseln ohne Tumorbefall. Für diese international angelegte Studie wurden 26 Brustimplantat assoziierte ALCL-Proben aus vier spezialisierten Zentren zusammengetragen, und zwar von insgesamt 22 Patientinnen. Zusätzlich wurden aus einem Zentrum (M. D. Anderson Cancer Center) drei Proben aus der kontralateralen gesunden Brustkapsel von ALCL-Patientinnen gewonnen. Kapselproben von 62 gesunden Patientinnen, die sich aufgrund einer hochgradigen Kapselfibrose einer operativen Revision unterziehen mussten – über einen Zeitraum von fünf Jahren an sechs Zentren gesammelt – wurden zum analytischen Vergleich in die Studie eingeschlossen. Das durchschnittliche Patientenalter lag bei 52,7 Jahren (Range: von 29 bis 77 Jahre) und die mittlere Zeit zwischen Einsetzen der Implantate und Diagnose der ALCL lag bei 8,8 Jahren (Range: 3 bis 25 Jahre). Bei zwei Brustimplantat assoziierten ALCL-Fällen an der Universität von Südkalifornien wurden für die Analyse vielfache Proben aus unterschiedlichen Tumorlokalisationen gewonnen. Die Gesamtzahl der verfügbaren Proben lag bei 26. Bei drei Patienten lagen die korrespondierenden klinischen und operativen Daten nicht vor. Von den 20 Patientinnen mit bekannter Indikation hatten 10 Brustimplantate zur Rekonstruktion nach einer Mastektomie erhalten, wohingegen sich die anderen 10 Frauen Implantate zur kosmetischen Mammaaugmentation hatten einsetzen lassen. 12 Patientinnen (63%) zeigten einen einseitigen malignen Erguss, wohingegen vier (21%) einen soliden Tumor hatten.

Sieben Brustimplantat assoziierte ALCL-Proben und drei Proben aus der kontralateralen Brust – jeweils mit ausreichend Material – wurden unter dem Elektronenmikroskop untersucht. Alle Proben wiesen transformierte Lymphozyten und einen bakteriellen Biofilm auf. Die Mikrobiome konnten für 19 Fälle von Brustimplantat assoziierter ALCL bestimmt werden. Die dazugehörigen Proben wurden mit 12 nicht tumorösen Kapselproben und drei Proben der kontralateralen Brust von ALCL-Patientinnen verglichen. Sowohl für die Proben des Brustimplantat assoziierten ALCL als auch für die Proben der kontralateralen Brüste konnte eine signifikante Prädominanz von Ralstonia spp. gezeigt werden (p < 0,05). Dagegen wurde Staphylococcus spp. in signifikantem Ausmaß in den nicht tumorösen Kapselproben gefunden (p < 0.001).

Honghua et al. schlussfolgerten, dass das Potential der Bakterien, die Lymphozytenproliferation und –transformation zu befördern, die Notwendigkeit zur Entwicklung und Verbreitung einer Strategie zur Prävention von bakteriellen Infektionen von Brustimplantaten verstärke. “Wir haben kürzlich einen 14-Punkte-Plan für das intraoperative Setting veröffentlicht, der darauf abzielt, die Kontaminationsrate von Brustimplantaten zum Zeitpunkt des Einsetzens in die Implantathöhle  zu reduzieren, und zwar mit der Zielsetzung, Kapselfibrosen komplett zu verhindern”, erklären Honghua et al. “Alle Operateure sollten diese Strategien mit hoher Priorität in ihre Praxisroutine übernehmen. Darüber hinaus sollten alle Patientinnen mit Brustimplantaten in ein Programm fortwährender Überwachung aufgenommen werden; und Fokus künftiger Forschung sollte die Entwicklung neuer Technologien sein, die Brustimplantate (ebenso wie andere Implantate) vor Infektionen schützen.”

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