Hausärztinnen ab jetzt besser repräsentieren!

2.170 niedergelassene Hausärztinnen sind in Niedersachsen an der Versorgung beteiligt. Jetzt haben sie sich in einem neu gegründeten Forum vernetzt. esanum fragt Dr. Kristina Spöhrer, Hausärztin in Winsen/Luhe, eine der Sprecherinnen der neuen Organisationen, zu deren Anliegen und Zielen.

2.170 niedergelassene Hausärztinnen sind in Niedersachsen an der Versorgung beteiligt. Jetzt haben sie sich in einem neu gegründeten Forum vernetzt – ebenso ihre Kolleginnen in Hamburg. esanum fragt Dr. Kristina Spöhrer, Hausärztin in Winsen/Luhe, eine der Sprecherinnen der neuen Organisationen, zu deren Anliegen und Zielen. 

esanum: Sie wollten eigentlich ein gemeinsames Forum für Hausärztinnen in Hamburg und in Niedersachsen gründen – jetzt gibt es gleich zwei neue Organisationen – wie kam es dazu?

Dr. Kristina Spöhrer: Auf Bundesebene gibt es das "Forum Hausärztinnen" schon etwas länger. Um unsere Ideen auf die regionale Ebene zu transportieren, wollten wir eine solche Organisation auch auf Landesebene etablieren. Wir haben dann einige Kolleginnen im hausärztlichen Bereich angesprochen, ob niedergelassen oder angestellt, auch Kolleginnen in Weiterbildung und Studentinnen. Und wir hatten erfreulicherweise aus beiden Landesverbänden so guten Zuspruch, dass sich herausstellte: Wir können für jedes dieser Bundesländer ein Forum gründen mit den rund 20 zur Auftaktveranstaltung gekommenen Kolleginnen. Um zukünftig noch mehr Teilnehmerinnen zu akquirieren, veranstalten wir die nächsten Treffen an verschiedenen Orten und wollen zumindest in Niedersachsen mit einer Veranstaltung auch in jeden Bezirk gehen und uns dort bekannter machen. 

esanum: Sind rund zwanzig Teilnehmerinnen nicht sehr wenig, wenn man die Zahl der niedergelassenen Kolleginnen dagegenstellt?

Dr. Kristina Spöhrer: Ich bin dagegen, dieses Forum klein zu reden. Ich finde, das ist ein Superstart! Berufspolitik ist vielleicht für einige ein schwieriges Thema, weil sie sich zunächst nicht so viel darunter vorstellen können oder sich damit in ihrer Freizeit nicht detailliert auseinandersetzen möchten. Eines steht jedoch fest: Alle, die zur Gründungsveranstaltung kamen, haben sich bereit erklärt, mitzuarbeiten und sehr großes Interesse an diesem Thema gezeigt. Sie möchten sich alle engagieren und sich aktiv beteiligen. Daher bin ich überzeugt, dass sich das Forum „Hausärztinnen Niedersachsen“ groß wachsen wird.

esanum: Was steckt hinter der Idee, dass Hausärztinnen sich besser vernetzen sollten? Welchen Sorgen und Nöten gilt Ihr Augenmerk?

Dr. Kristina Spöhrer: In der Versorgung sind immer mehr Frauen unterwegs, rund 42  Prozent der niedergelassenen Hausärzte in Niedersachsen sind Frauen. Das spiegelt sich aber nicht in den berufsständischen Strukturen, wie zum Beispiel in der Ärztekammer oder in der Kassenärztlichen Vereinigung, wider. Um die Versorgungslandschaft mitzugestalten, brauchen wir aber auch in diesen Gremien eine höhere weibliche Repräsentanz, einfach um die Breite des Berufsalltages darstellen zu können.

esanum: Welche Fragen wollen Sie gemeinsam angehen?

Dr. Kristina Spöhrer: Fragen sind zum Beispiel: Was mache ich in Zeiten von Schwangerschaft oder in Stillzeiten, wie organisiere ich dann meine Praxis, wie handhabe ich generell das Thema Selbstständigkeit, wenn die Kinder noch klein sind? Wie sind die Bereitschaftsdienste zu klären? Wie kann ich Vertretungen organisieren? Das betrifft Frauen immer noch in viel größerem Maß als Männer. Darüber hinaus finden wir, dass Frauen ganz wichtig sind in der allgemeinen Gestaltung des Gesundheitswesens und im Moment nicht hinreichend repräsentiert sind.

esanum: Meinen Sie, die Medizin braucht auch den typisch weiblichen Blick?

Dr. Kristina Spöhrer: Natürlich, wie alle anderen Felder übrigens auch. Frauen lösen Probleme häufig anders als Männer. Klassischerweise nehmen wir eher  die Rolle der Kümmerin ein – was zum Beispiel eine gute Voraussetzung für die Ausübung der hausärztlichen Tätigkeit ist. In einer Zeit, in der wir eine zunehmende Vereinsamung älterer Menschen erleben, geht die hausärztliche Tätigkeit weit über das Medizinische hinaus. Und da haben Frauen besondere Stärken. Gleichwohl kommt es darauf an, dass auch in einer "weiblichen" Hausarztpraxis schließlich Patient und Ärztin zueinander finden.

esanum: Zeichnet sich weiblicher Zulauf beim hausärztlichen Nachwuchs ab? Könnte damit auch dem Ärztemangel auf dem Land begegnet werden?

Dr. Kristina Spöhrer: Es sind viele Frauen, die unseren Beruf ausüben möchten. Und ich denke, dieses wird zunehmen, je besser wir das Berufsbild und die Freude an und in diesem Beruf in die Öffentlichkeit transportieren. Wir möchten jungen Frauen zeigen, wie vielfältig und interessant die Tätigkeit als Hausärztin ist und dass sich Lösungswege finden lassen für die Herausforderungen, die sicherlich bei einer Niederlassung auf dem Land entstehen. Wir wollen zeigen, dass nicht jede das Rad  neu erfinden muss. Wir sind mit diesen Herausforderungen nicht allein und wir können uns mit Kolleginnen zusammentun, sodass man sich vielleicht mit Mehreren eine Praxis teilt und dadurch viele Schwierigkeiten besser und vor allen Dingen gemeinsam meistert. 

esanum: Welche Änderungen schweben Ihnen vor?

Dr. Kristina Spöhrer: Der Bereitschaftsdienst ist beispielsweise eines der Probleme, die Frauen mehr Sorgen bereiten als Männer. Es gibt immer noch Regionen, wo man als Ärztin ganz allein zum Beispiel nachts unterwegs ist, und dieses ohne Fahrer. Das bereitet vielen meiner Kolleginnen Unbehagen, sodass es vermehrt Diskussions- und Klärungsbedarf gibt. Unser Vorschlag: Man könnte zum Beispiel flächendeckend Fahrer einführen, sodass man künftig mindestens zu zweit unterwegs ist. Denn die Kapazität ist vorhanden. Wenn man den hausärztlichen Bereitschaftsdienst stärkt, dann kann das für alle nur ein Gewinn sein.

esanum: Wie gehen Sie vor? Was außer Austausch sind Ihre Mittel, um etwas zu verändern?

Dr. Kristina Spöhrer: Wir haben verschiedene Möglichkeiten. Das eine ist, jetzt erstmal zu klären, wo der Bedarf am größten ist. Was ist für die Kolleginnen am drängendsten? Sind es tatsächlich die Themen, die wir bislang auf unserer Agenda haben oder gibt es noch ganz andere Probleme? Beispielsweise interessieren uns auch Mentoring-Programme, wie es sie auch in anderen Bundesländern gibt. Das würden wir gern auch in der Fläche etablieren. Da schauen wir, was es für Konzepte gibt, wir müssen uns ja nicht alles ganz neu ausdenken.

Außerdem nutzen wir die Vernetzung auf Landesebene, besonders über den Hausärzteverband Niedersachsen, wo diese Probleme besprochen werden und wir gemeinsam schon in der Vergangenheit praktische Lösungen gefunden haben. Und darüber werden die Themen auch in die Gremien der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung hineingetragen.

esanum: Wer sind Ihre Mitstreiterinnen und Verbündeten?

Dr. Kristina Spöhrer: Wir haben auf Landesebene ein breites Spektrum an Mitstreiterinnen: sowohl junge Frauen, die kurz vor der Niederlassung stehen, die um die Facharztprüfung herum erstmal eine Anstellung anstreben, als auch berufserfahrene Kolleginnen. Das ist sehr schön, denn diese Breite kann viel bewirken.

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