Herzklappenersatz: Örtliche Betäubung bei TAVI so sicher wie Vollnarkose

Eine örtliche Betäubung ist beim Einsatz einer neuen Herzklappe mit dem minimalinvasiven TAVI-Verfahren genauso sicher wie die Vollnarkose. Das hat eine randomisierte Studie des Herzzentrums Leipzig und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gezeigt.

Studie bringt Klarheit für minimalinvasive Verfahren

Eine örtliche Betäubung ist beim Einsatz einer neuen Herzklappe mit dem minimalinvasiven TAVI-Verfahren (Transcatheter Aortic Valve Implantation) genauso sicher wie die Vollnarkose. Das hat eine randomisierte Studie des Herzzentrums Leipzig und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gezeigt.

Die minimalinvasive Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) wird angewendet, wenn zwischen Hauptschlagader (Aorta) und Herz eine neue Klappe mithilfe eines Katheters über die Leistenarterie geschoben und im Herzen platziert werden muss. ÄrztInnen sind sich bisher nicht einig gewesen, welche Art der Betäubung sicherer ist: die Vollnarkose oder die örtliche Betäubung. Bei der Vollnarkose sind die PatientInnen gänzlich ohne Bewusstsein und werden künstlich beatmet. Bei der örtlichen Betäubung werden die Schmerzen nur in einem begrenzten Gebiet unterdrückt. Sie gilt bei kleinen Eingriffen als schonender für die Behandelten. AnästhesistInnen bevorzugen die Vollnarkose, Registerstudien befürworteten die örtliche Betäubung.

Nun hat eine Studie des Herzzentrums Leipzig in Zusammenarbeit mit einem Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein erstmals geklärt: eine örtliche Betäubung ist genauso sicher wie die Vollnarkose.

Sterblichkeit und Anzahl der Komplikationen bei Örtlicher Betäubung nicht höher

Bisher fehlte eine randomisierte Studie, in der die PatientInnen zufällig entweder eine Vollnarkose oder eine örtliche Betäubung während der TAVI erhielten. "Bei Registerstudien besteht immer die Gefahr und die Tendenz, dass die Ergebnisse verzerrt sind. Etwa, weil eher kränkere Patienten eine Vollnarkose erhalten, da sie bei ihnen als sicherer angesehen wird", erklärt Studienleiter Professor Holger Thiele, Direktor des Universitätsklinikums für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig.

Die Ergebnisse der randomisierten SOLVE-TAVI Studie zeigen: 30 Tage nach dem Eingriff waren die Sterblichkeit und die Anzahl der Komplikationen (Schlaganfall, Herzinfarkt oder Infektionen) bei beiden Narkoseverfahren gleich. An der Studie nahmen 447 PatientInnen über 75 Jahre teil mit einer hochgradig verengten Aortenklappe und einem hohen Risiko für eine konventionelle Operation.

Klinik entscheidet über Art der Betäubung bei TAVI

Welche der beiden Narkosen genutzt wird, entscheiden die Kliniken selbst. Laut Thiele arbeiten größere Einrichtungen beim Einsatz neuer Herzklappen bereits länger mit der Lokalanästhesie anstelle der Vollnarkose. Der Einsatz einer neuen Herzklappe dauere nur 35 bis 40 Minuten. Grundsätzlich entscheidet darüber die Anästhesie, die per Gesetz bei dem Eingriff anwesend sein muss. Neben der örtlichen Betäubung bekommen die PatientInnen bei TAVI auch eine leichte Beruhigungsspritze. In einer weiteren Studie will Thiele vergleichen, ob eine Lokalanästhesie ohne die Sedierung genauso sicher wäre wie mit der Schlafspritze.

Bisher wurde das minimalinvasive Verfahren TAVI nur bei sehr kranken und alten PatientInnen angewendet, bei denen der chirurgische Herzklappenersatz zu riskant erschien. Während dieser Operation wird der Brustkorb geöffnet und eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. In der Zwischenzeit sind viele Studien erschienen, in denen TAVI genauso gut oder sogar besser als die Operation abschnitt. Demnach könnten ÄrztInnen das minimalinvasive Verfahren bei allen PatientInnen anwenden. In Deutschland werden jährlich rund 21.000 Herzklappen durch TAVI eingesetzt und rund 9.000 bei einer Operation.

Quelle: 
General versus Local Anesthesia with Conscious Sedation in Transcatheter Aortic Valve Implantation: The Randomized SOLVE-TAVI Trial. Thiele H, Kurz T, Feistritzer HJ, Stachel G, Hartung P, Lurz P, Eitel I, Marquetand C, Nef H, Doerr O, Vigelius-Rauch U, Lauten A, Landmesser U, Treskatsch S, Abdel-Wahab M, Sandri M, Holzhey D, Borger M, Ender J, Ince H, Öner A, Meyer-Saraei R, Hambrecht R, Fach A, Augenstein T, Frey N, König IR, Vonthein R, Rückert Y, Funkat AK, Desch S, Desch S, Berggreen AE, Heringlake M, de Waha-Thiele S; SOLVE-TAVI Investigators. Circulation. 2020 Aug 21. https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.046451

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