HIV-Diskriminierung im Gesundheitsbereich

Bei Behandlung von HIV sinkt der Virustiter unter die Nachweisgrenze und Betroffene sind dann keine Überträger mehr. Dennoch genügt das Stigma "HIV" selbst noch in medizinischen Berufen, Ängste, Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit HIV-Infektion auszulösen.

Noch immer sind Vorurteile und unbegründete Ängste vor HIV im Gesundheitswesen sehr präsent.

HIV ist heute dank moderner Medikamente eine gut behandelbare Infektionskrankheit. Bei Behandlung sinkt der Virustiter zudem unter die Nachweisgrenze und Betroffene sind dann keine Überträger mehr. Dennoch genügt das Stigma "HIV" selbst noch in medizinischen Berufen, Ängste, Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit HIV-Infektion auszulösen.

Menschen mit HIV sehen sich im Umgang mit ihrer Umwelt tagtäglich mangelndem Wissen über ihre Infektion, sozialer Ausgrenzung sowie teilweise sogar einer Kriminalisierung ausgesetzt. Hinzu kommen Diskriminierungserfahrungen und überzogene Übertragungsängste seitens der Mitmenschen. Solche Erfahrungen erstrecken sich auch weit über das persönliche Umfeld der Betroffenen hinaus, z. B. ebenso in das Erwerbsleben oder auf Kontakte mit dem Gesundheitswesen.

Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitswesen sind häufig

Einer BzgA-Umfrage aus dem Jahr 2017 zufolge sagten 23% der befragten Menschen, dass Menschen mit HIV-Infektion selbst schuld seien an ihrer Lage. Nur 10% wussten zudem, dass eine behandelte HIV-Infektion mit Virustitern unterhalb der Nachweisgrenze nicht mehr übertragbar ist.

Darüber hinaus ist bekannt, dass das Problem der Diskriminierung von Menschen mit HIV-Infektion insbesondere in Zahnarztpraxen sehr weit verbreitet ist. So erhielten nach Informationen des Portals "Positive Stimmen.de" 15% der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), keinen Zahnarzttermin, bei Häftlingen waren es schon 30% und bei den SexarbeiterInnen war jede Zweite von der Terminvergabe ausgeschlossen. Interessant ist zudem, dass einer Umfrage zufolge nur ein Drittel der Praxen überhaupt uneingeschränkt Termine an Menschen mit HIV-Infektion vergab.

Subtile Markierungen fördern Stigmatisierung und Diskriminierung  

Offensichtlich geht es aber sogar noch schlimmer: In jedem 5. Fall wurde einem Menschen mit HIV-Infektion sogar eine medizinische Behandlung verweigert. Dazu gehört z. B. auch, einer betroffenen Frau keine Akupunktur bei Schmerzen geben zu wollen und ebensowenig eine adäquate Alternative anzubieten. 10% der Betroffenen gehen aufgrund solcher Zurückweisungen erst gar nicht in die Arztpraxis, selbst wenn dies eigentlich nötig wäre. Fast jeden 5. Betroffenen hielten negative Vorerfahrungen von einem Gang zum Arzt ab.

Insgesamt betrachtet, liegt das Gesundheitswesen sogar auf Platz 1 der Diskriminierungserfahrungen. Zu den verwehrten Terminen kommen nämlich noch weitere Aspekte hinzu, wie beispielsweise der Ausschluss von Auslandskrankenversicherungen oder längere Wartezeiten auf einen Rehaplatz.

In einer 2016 durchgeführten nicht-repräsentativen Umfrage unter 166 Reha-Einrichtungen in Deutschland zeigte sich ein ähnliches Bild: Etwa ein Viertel der PatientInnen erlebte in der Rehabilitationseinrichtung eine Diskriminierung. Besonders häufig war hierbei der "rote Punkt auf der Patientenakte".

Wege aus dieser Situation

Quelle: Workshop C "Community Session", 8. Münchner AIDS-und Hepatitis-Werkstatt 2019, München

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