HIV ist doch kein Ausschlusskriterium für Alzheimer

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Kürzlich wurde der erste Fall einer Alzheimer-Erkrankung bei einem HIV-positiven Menschen bestätigt.

Wissenschaftler der Georgetown University berichten über den weltweit ersten bekannten Fall von Alzheimer bei einem HIV-positiven Menschen. Die Diagnose, die bei einem 71-jährigen Mann gestellt wurde, erregt Aufmerksamkeit, weil mit HIV infizierte Menschen erst jetzt ein Alter erreichen, in dem das Alzheimer-Risiko an Bedeutung zunimmt. Die Beobachtung wirft nun die Frage auf, ob HIV-positive Patienten ein generell erhöhtes Risiko für Alzheimer haben. Der Bericht wurde online in dem Open Access Journal Alzheimer’s & Dementia: Diagnosis, Assessment & Disease Monitoring veröffentlicht.

Bisherige Annahme: HIV-Infizierte erkranken nicht an Alzheimer

Der Neurologe R. Scott Turner, MD und PhD, entdeckte im Rahmen eines PET-Scans die verdächtigen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn einer seiner Patienten. Besonders daran war, dass dieser Patient HIV-positiv ist. Bisher nahmen viele Kliniker nämlich an, dass Menschen mit HIV keine Alzheimer-Krankheit entwickeln können. Grund dafür sei die Infektion selbst, da durch HIV-Entzündungen im Gehirn die Bildung von Amyloid-Klumpen verhindert werden soll, so die Annahme. Der Patient könnte somit als Beweis fungieren, dass unsere bisherige Auffassung über Demenz bei HIV-Positiven falsch war.

Darüber hinaus deutet das Ergebnis darauf hin, dass einige ältere HIV-positive Patienten irrtümlicherweise HIV-assoziierte neurokognitive Störungen (HAND) diagnostiziert bekommen haben, obwohl sie eigentlich an einer Alzheimer-Krankheit (AD) litten. Laut Turner ist es aber auch vorstellbar, dass einige Patienten sowohl eine HAND als auch eine AD entwickelten – dies wäre dann eine neue Art von gemischter Demenz. Generell stellt die chronische HIV-Infektion und die Ablagerung von Amyloid während des Alterns eine Doppelbelastung für das Gehirn dar, welche eine voranschreitende Demenz beim Betroffenen nach sich zieht.

FDA hat bisher vier Medikamente für Alzheimer-Therapie zugelassen

Obwohl es mitunter schwierig ist, die Ursache für Demenz bei einem HIV-positiven Patienten zu ergründen, ist  die richtige Diagnose von entscheidender Bedeutung, da HAND und AD unterschiedlich behandelt werden. Für die Alzheimer-Krankheit stehen bis jetzt vier von der FDA zugelassene Medikamente zur Verfügung, effektivere Behandlungen sind auf dem Weg. Für die HAND hingegen, werden antiretrovirale Medikamente, die die Bluthirnschranke besser überwinden können, verschrieben. Aufgrund dieser Unterschiede ist die richtige Diagnose für den Patienten von elementarer Wichtigkeit und ein bedeutender erster Schritt, um das Wissen auf diesem Gebiet voranzubringen.

Eine HAND entwickelt sich bei  30 bis 50 Prozent der Personen mit langfristiger HIV-Infektion. Die Symptome einer HAND sind nahezu identisch zu denen einer AD. Die medizinische Gemeinschaft geht gegenwärtig davon aus, dass die HIV-Demenz von der sogenannten HAND verursacht wird. Ärzte haben Alzheimer in der Vergangenheit keine Beachtung geschenkt, weshalb es gut möglich ist, dass eine Reihe von älteren HIV-positiven Individuen falsch diagnostiziert wurde.

Bisher veröffentlichte Studien zu dem Thema beziehen sich auf lediglich fünf an HAND erkrankte Personen, die einer Amyloid-PET-Bildgebung unterzogen wurden. Alle fünf waren negativ für die wegweisenden Proteinablagerungen. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass der älteste Patient gerade einmal 67 Jahre alt war.

Weltweit mehr als 37 Millionen Menschen mit HIV

Die Diagnose Demenz ist bei älteren HIV-infizierten Personen auf dem Vormarsch. Mit HIV infizierte Erwachsene, im Alter über 55 Jahren, stellen momentan die am schnellsten wachsende Altersgruppe in der HIV-positiven Bevölkerung dar.

Nach dem jüngsten HIV-Überwachungsbericht von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) mit Daten bis zum Jahr 2013, leben in den USA etwa 53.000 Menschen mit HIV, die 65 Jahre alt und älter sind. Ab diesem Alter steigt das Risiko für Alzheimer bekanntermaßen rapide an. Die Zahl wird sich voraussichtlich in weniger als zehn Jahren verdoppelt haben. Von dieser Hochrechnung ausgeschlossen sind diejenigen Menschen, die bis dahin noch nicht diagnostiziert wurden. Weltweit sind mehr als 37 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert.

Der Fallbericht aus Georgetown offenbart wichtige neue Einblicke in das spezifische Problem der HIV-bedingten neurologischen Störungen. Die Feststellung sollte populationsbasierte Studien sowie die rechtzeitige Einleitung klinischer Interventionen und Programme nach sich ziehen, um Menschen mit HIV zukünftig besser unterstützen zu können.

Text: esanum/ pvd

Foto: Juan Gaertner / Shutterstock.com

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