Hohes Influenza-Risiko in Flüchtlingsunterkünften

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Täglich kommen Hunderte Schutzsuchende in Niedersachsen an. Geschwächt von den Strapazen der Flucht und untergebracht auf engstem Raum, sind sie anfällig für ansteckende Krankheiten. Bisher wurde nicht direkt nach der Ankunft geimpft – das soll sich ändern.

In Niedersachsens überfüllten Flüchtlingsunterkünften droht die Gefahr, dass sich Infektionskrankheiten schnell ausbreiten. Das Land ließ jedoch lange in Erstaufnahmeeinrichtungen nicht impfen und hielt auch eine zentrale Impfstelle für unnötig. Erst seit die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts vor drei Wochen eine Empfehlung zur frühzeitigen Impfung von Asylsuchenden ausgesprochen hat, kommt Bewegung in die Sache.

Die Opposition im Landtag kritisiert, dass die Landesregierung zu spät und unkoordiniert reagiert. “Ich kann noch kein landesweites Impfkonzept erkennen”, sagte der stellvertretende CDU-Fraktionschef Reinhold Hilbers der Deutschen Presse-Agentur.

Im Erstaufnahmelager Bramsche-Hesepe sollen von diesem Montag an Neuankömmlinge gegen Influenza geimpft werden. Voraussetzung ist, dass sie einwilligen, denn in Deutschland gibt es keine Impfpflicht. Nach und nach will der für Bramsche verantwortliche Mediziner Gerhard Bojara allen knapp 3000 Menschen in dem überbelegten Lager Impfungen anbieten. “Windpocken oder Masern könnten sich hier rasend schnell ausbreiten”, sagte der Chef des Gesundheitsdienstes für die Stadt und den Landkreis Osnabrück.

Angesichts von Lieferengpässen bei bestimmten Impfstoffen etwa gegen Diphterie, Keuchhusten oder Kinderlähmung will der Arzt zunächst vor allem den Impfstatus der Kinder überprüfen. “Syrien war vor Beginn des Krieges gut durchgeimpft”, sagte Bojara. Dies sei aber in den vergangenen Jahren kaum möglich gewesen.

Im Erstaufnahmelager Friedland bei Göttingen ist ebenfalls eine wöchentliche Kinderarzt-Sprechstunde mit Schwerpunkt Impfungen geplant. “Wir haben als niedergelassene Kinder- und Jugendärzte angeboten, das Lager zu unterstützen”, sagte Tanja Brunnert. Die Sprecherin des niedersächsischen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte hält es für sinnvoll, die kleinen Patienten bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen zu behandeln. “Dann kann in den wöchentlichen Sprechstunden samstags im Lager auch ein Dolmetscher dabei sein.”

Bisher gehen die Kommunen in den zahlreichen Notunterkünften im Land höchst unterschiedlich mit dem Thema Impfungen um. Gisela Penteker vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat wünscht sich mehr Unterstützung vom Land. “Die Leute vor Ort leisten Erstaunliches, aber im Moment wird überall improvisiert”, sagte die Ärztin aus dem Kreis Cuxhaven.

Kritik an Niedersachsens Impfstrategie weist der Sprecher der Erstaufnahmeeinrichtungen, Stefan Pankratowitz, zurück. Die Impfungen werden ihm zufolge einheitlich angeboten. “Die Umsetzung ist kurzfristig geplant”, sagte er.

Text und Foto: dpa /fw

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