Münchner Forscher arbeiten an Impfstoff für Helicobacter Pylori

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Ein Forschungsteam  von der Technischen Universität München arbeitet derzeit an einem vielversprechenden Impfstoffkandidaten für Helicobacter Pylori.

Die Entwicklung von Impfungen läutete Anfang des letzten Jahrhunderts eine Revolution in der Medizin ein, durch die viele, ehemals häufig tödlich verlaufende, Infektionskrankheiten heutzutage verhindert werden können. Groß ist daher die Hoffnung, diese elegante Methode in Zukunft auch auf weitere Erkrankungen anwenden zu können. Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Helicobacter pylori.

Erstmals in den 80er Jahren beschrieben, ist der Erreger die Ursache für Entzündungen der Magenschleimhaut, bei denen man vorher psychische Faktoren wie Stress als Auslöser annahm. Auch bei etwa 90 Prozent von bösartigen Magentumoren ist der Keim als kausaler Faktor mit beteiligt.

Anders als bei krebsauslösenden Viren, geht die karzinogene Wirkung nicht von einer Integration von Erreger-DNA in das Wirtsgenom aus. Die genauen Mechanismen werden derzeit noch erforscht, eine Hypothese aber lautet, dass die durch Helicobacter verursachte chronische Entzündungsreaktion durch Sekretion von Entzündungsmediatoren wie Interleukinen und Interferonen die Zellproliferation im Gewebe anregt, wodurch das Risiko zur Entartung führender Muatationen steigt.

Das Besondere an Helicobacter ist, dass das Immunsystem trotz der starken Entzündungsreaktion, die von dem Bakterium ausgelöst wird, nicht mit diesem fertig wird. Der Keim hat nämlich Mechanismen entwickelt, mit deren Hilfe er sich geschickt vor der Immunantwort schützt. Zum einen tarnt er sich durch Produktion von Antigenen, die den Blutgruppenantigenen ähneln, als körpereigen, zum Anderen produziert Helicobacter Faktoren wie das Enzym γ-Glutamyl-Transpetidase, welches immunmodulatorisch wirkt und so vor einer Elimination durch die körpereigene Abwehr schützt.

Start-Up nimmt sich der Entwicklung eines Impfstoffes an

Zwar gibt es wirkungsvolle Antibiotika-Therapien gegen die Infektion, ein Großteil der durch Helicobacter verursachten MALT- Lymphome lassen sich sogar durch eine Keimerradikation heilen, jedoch bilden sich zunehmend Resistenzen gegen die Therapeutika aus und geht die Behandlung mit Medikamentennebenwirkungen einher. Zudem ist das Behandlungsregime kompliziert und erfordert die Einnahme gleich mehrerer Medikamente nach festgelegtem Schema, sowie die Therapiekontrolle nach einigen Wochen. Das führt zu Problemen mit der Complicance und stellt insbesondere ärmere Regionen mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur vor große Herausforderungen. Eine präventive Therapie in Form einer Impfung wäre daher eine große Hilfe, insbesondere für die Menschen in solchen Regionen. Aber auch hierzulande ist aufgrund der hohen Durchseuchungsrate die Nachfrage nach einem Impfstoff groß.

Ein Team unter der Leitung von Privatdozent Dr. Markus Gerhard von der Technischen Universität München arbeitet derzeit an einem vielversprechenden Impfstoffkandidaten (IMX 101) mit γ-Glutamyl-Transpetidase als Molekularer Zielstruktur. Die Idee ist es, durch Inaktivierung dieses Virulenzfaktors den Organismus dazu zu befähigen, selbst mit dem Erreger fertig zu werden. Ergebnisse aus Tierversuchen zeigen, dass dieser Ansatz sowohl der Prävention als auch der Behandlung einer Infektion dienen kann.

Unter anderem zur Entwicklung dieses Impfstoffs hat Gerhard letztes Jahr ein eigenes Unternehmen namens ImevaX gegründet, das in Kooperation mit dem Institut für medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Technischen Universität München an Impfstoffen gegen chronische und nosokomiale Infektionen arbeitet. Finanzielle Unterstützung erhält das Unternehmen unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Investitionsunternehmen Wellington Partners.

Text: esanum /wt

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