Impfstofftest gegen Ebola ist laut Wissenschaftlern vielversprechend

Die mögliche Rettung liegt seit zehn Jahren in der Schublade: Tests mit einem Ebola-Impfstoffkandidaten sind vielversprechend. Für die aktuelle Katastrophe mit etwa 10 000 Toten kommt er jedoch zu spät.

Tübinger Forscher haben einen weiteren, recht erfolgreichen Impfstofftest im Kampf gegen Ebola vorgestellt. Die internationale Studie mit 138 Freiwilligen in Lambaréné (Gabun), Kilifi (Kenia), Genf und Hamburg sei “vielversprechend” verlaufen, sagte Professor Peter Kremsner, Koordinator der Studie und Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Mittwoch in Tübingen. Der bereits zehn Jahre alte kanadische Wirkstoff rVSV-ZEBOV-GP, der bisher noch keine Lizenz habe, werde vom Menschen recht gut vertagen. Auch konnte nachgewiesen werden, dass Antikörper gebildet werden.

Kremsner schränkte ein: Es gebe eine “hohe Wahrscheinlichkeit”, dass der Impfstoff auch wirksam sei, explizit nachgewiesen sei das aber noch nicht. Das Patent für den Impfstoff liege beim Pharmakonzern Merck. Er könne möglicherweise im Laufe des Jahres zugelassen werden. Die Ergebnisse der Studie werden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Wird der Impfstoff zugelassen, könne er bei einem der nächsten Ebola-Ausbrüche eingesetzt werden. Beim aktuellen Ausbruch sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO bisher in Westafrika mehr als 25 000 Menschen infiziert worden – über 10 000 starben. In der vergangenen Woche hat es Kremsner zufolge noch 75 Neuinfektionen gegeben. Der aktuelle Ausbruch sei jedoch am Abklingen.

Weltweit gehört das Ebola-Virus zu den gefährlichsten Krankheitserregern. Es löst hämorrhagisches – mit Blutungen einhergehendes – Fieber aus. 1976 wurde das Virus erstmals im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe des Ebola-Flusses nachgewiesen. Bei früheren Ebola-Ausbrüchen wurden jedoch höchstens einige Dutzend bis einige Hundert Menschen infiziert.

Und warum war der Impfstoff nicht schon längst marktreif? Die Entwicklung der kanadischen Gesundheitsbehörde sei “irgendwann hängengeblieben”, vermutete Kremsner. Das Interesse daran, einen marktreifen Impfstoff zu entwickeln, sei erst mit dem außergewöhnlich dramatischen Ausbruch in Westafrika extrem gewachsen.

“Es war eine Notfallsituation.” Damit sei es auch zu erklären, warum die ganzen Verfahren nun vergleichsweise schnell verlaufen konnten. Aktuell würden in Gabun weitere Erwachsene geimpft, um die optimale Dosierung des Impfstoffs zu finden. Auch das Impfen von Jugendlichen und Kindern sei geplant. Die registrierten Nebenwirkungen wie Fieber oder Unwohlsein seien “impfüblich”, so Kremsner. Gelenkentzündungen, die bei elf Freiwilligen auftraten, seien rasch abgeklungen.

Es gebe noch rund ein Dutzend andere Impfstoffe. Nur zwei seien aber in ihrer Entwicklung so weit: Neben dem vorgestellten kanadischen Wirkstoff rVSV-ZEBOV-GP, sei es einer namens cAd3-EBOZ. Dieser war von der britischen Firma GlaxoSmithKline (GSK) in Zusammenarbeit mit dem US-Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) entwickelt worden. Beide Testimpfstoffe hatten kürzlich unter anderem auch in großen Studien in Liberia positive Ergebnisse gezeigt.

Text und Foto: dpa /fw

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