Impfung auf Basis des Masern-Virus hilft gegen Chikungunya-Infektion

Durch die afrikanische Ebola-Epidemie 2014 sind uns Viren, die ein hämorrhagisches Fieber auslösen wieder unangenehm präsent. Fiebererkrankungen, die mit Blutungen einhergehen, können durch viele verschiedenen Viren hervorgerufen werden: nicht nur das Ebolavirus sorgt dafür, dass ein Mensch innerlich verblutet, sondern unteranderem auch das Chikungunya-Virus aus der Familie der Togaviridae. Das einzelsträngige RNA-Virus wurde erstmals 1952 in Tansania und Uganda beschrieben. Chikungunya bedeutet in der Bantusprache “der gekrümmte Mann”. Der Name ist auf die Gelenk- und Muskelbeschwerden zurückzuführen, welche durch das Virus ausgelöst werden können. Chikungunya wird durch Stechmücken, vor allem durch die sogenannte Tigermücke, übertragen. Nach einer relativ kurzen Inkubationszeit von 3 bis 7 Tagen kommt es zunächst zu Fieberschüben, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Die charakteristischen Gelenkbeschwerden können auch persistieren, selten kommt es zu einem hämorrhagischen Verlauf. Der Kontakt mit dem Virus kann auch gänzlich asymptomatisch bleiben. Grundsätzlich besteht für Chikungunya eine Labormeldepflicht. Klinisch gemeldet werden muss der Erkrankungsverdacht nur bei Ausbruch des hämorrhagischen Fiebers.

Das Virus breitet sich aus

Hätte das Virus Afrika nicht verlassen, würde man wahrscheinlich in Europa nicht an einer Impfung forschen. Aber wie Ebola, so profitiert auch Chikungunya von der Globalisierung und unserer Reiselust. Im Herbst 2007 kam es in Italien zu einem regionalen Ausbruch des Virus mit 200 Erkrankungsfällen. Seit 2005 hatte die Erkrankung sich zunächst auf Inseln der Ostküste Afrikas und dann auch auf die französische Karibik, Südamerika und die USA ausgebreitet. In Deutschland werden jährlich zwischen 9 und 53 Erkrankungsfälle gemeldet. 2014 wurden 18 Erkrankungsfälle gezählt, davon 9 Fälle bei Reiserückkehrern.

Chikungunya kann bisher nur symptomatisch behandelt werden – umso wichtiger ist die Impfung

Bisher existiert nur eine symptomatische Therapie der Erkrankung, unteranderem mit Schmerzmitteln. Wie bei allen Viruserkrankungen helfen Antibiotika nicht. Einzig wirksam ist bisher die Prävention der Erkrankung durch Mückenschutz in Form langer Kleidung und Mückennetze. Doch Forscher aus Wien scheinen nun eine wirksame Impfmethode entwickelt zu haben. Ein modifiziertes Masern-Virus wird verwendet, um Oberflächenstrukturen des Chikungunya-Virus in den Menschen zu schleusen. Diese Antigene lösen keine Erkrankung aus, aber sie führen dazu, dass der Körper spezifische Antikörper produzieren kann. Eine im Lancet veröffentlichte Studie (DOI: https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(15)70043-5/fulltext) beinhaltete Daten, welche zwischen November 2013 und Februar 2014 erhoben wurden. In die Studie wurden 42 gesunde Teilnehmer zwischen 18 und 45 Jahren eingeschlossen. Drei randomisierte Gruppen erhielten niedrige, mittlere und hohe Dosen des Impfstoffes, während eine vierte Gruppe Priorix bekam, einen auf dem Markt erhältlichen Lebendimpfstoff gegen Mumps, Maser und Röteln. Die Studie wurde doppelblind durchgeführt. Primärerer Endpunkt der Studie war die Antikörperkonzentration an Tag 28, gemessen mit Hilfe eines Neutralisationstests. Bei dem Neutralisationstest handelt es sich um eine Form des Plaque-Essays: vereinfacht gesagt beruht das Prinzip darauf, dass existierende Antikörper das Eindringen des Virus in die Zellen verhindern und so schädigende Folgen ausbleiben.

Bereits zweimaliges Impfen erzeugt Schutz

Grundsätzlich haben alle Probanden unabhängig von der Impfdosis, die sie erhielten neutralisierende Antikörper gegen das Chikungunya-Virus gebildet. Niedrige Impfdosen waren allerdings mit einer geringeren Serokonversion verbunden, als hohe Impfdosen (40% versus 90%). Nach einer zweiten Impfung, zeigten die Teilnehmer aller Gruppen 100% Serokonversion.

Eine zweimalige Impfung auch in niedriger Dosierung sollte also für die Bildung spezifischer Antikörper ausreichen. Schwere Nebenwirkungen wurden während des kurzen Untersuchungszeitraums bei den Teilnehmern nicht beobachtet.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Infocenter Impfen.

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