Impfungen: Schutz und Sicherheit aus Sicht der evidenzbasierten Medizin

Beim diesjährigen Berliner Kongress "Impfen: Selbstbestimmung oder Bürgerpflicht?" wurde die Hypothese aufgestellt, dass in Deutschland eine Überversorgung mit Impfungen und präventiven medizinischen Maßnahmen herrscht.

Beim diesjährigen Berliner Kongress "Impfen: Selbstbestimmung oder Bürgerpflicht?" wurde die Hypothese aufgestellt, dass in Deutschland eine Überversorgung mit Impfungen und präventiven medizinischen Maßnahmen herrscht.

Die Lösung hierfür könnte eine gemeinsame Analyse medizinischer Fakten und eine reduzierte Auswahl an präventiven Untersuchungen sein. Eine verbesserte Arzt-Patient-Interaktion ist hierfür der Grundbaustein. Die evidenzbasierte Patienteninformation und informierte partizipative Entscheidungsfindung soll auch im Impfwesen eine wichtige Rolle spielen.

Partizipative Entscheidungsfindung

Partizipative Entscheidungsfindung bedeutet, gemeinsam (Arzt und Patient) zu einer medizinischen Entscheidung zu kommen. Der Patient steht im Fokus und wird als gleichberechtigt in der Arzt-Patienten-Interaktion angesehen. Er nimmt aktiv an Entscheidungen zur medizinischen Diagnostik und Therapiefindung teil.

Voraussetzung hierfür ist, dass der Patient vor dem Arztbesuch Zugriff auf korrekte medizinische Daten hat und auch in der Lage ist, diese einzuschätzen. In den Tagen des World Wide Web stellt sich das zwar auf den ersten Blick einfach dar, doch bei einem schier unüberschaubaren Wirrwarr von oftmals unseriösen Information besteht die große Gefahr, Falschinformationen oder tendenziöser, ideologisch geprägter Realitätsauslegung aufzusitzen. Die Quellenprüfung ist deshalb essentiell für das Funktionieren des Kommunikationskonzepts der partizipativen Entscheidungsfindung. Ist dies nicht der Fall, so kann aus diesem Kommunikationskonzept eine Quelle für medizinische Missverständnisse im klinischen Alltag werden.

Evidenzbasierte Medizin: HPV-Impfung

Evidenzbasierte Medizin ist die Integration und Nutzung der bestverfügbaren wissenschaftlichen Beweislage in Kombination mit der klinischen Expertise des medizinischen Personals, sowie den Patientenwerten. Sie ist ein auf die Behandlung des einzelnen Patienten ausgerichtetes Verfahren. Um angemessen den Nutzen und den Schaden eines Impfverfahrens zu bewerten, müssen unterschiedliche Aspekte hierbei berücksichtigt werden. Jede einzelne Impfung und jedes einzelne Krankheitsbild muss für sich individuell bewertet werden.

Das primäre Ziel der HPV-Impfung ist das Risiko der Entstehung eines Zervixkarzinoms zu reduzieren. "Intensive wissenschaftliche Begleitforschung und strukturierte Evaluation der neu eingeführten Impfung sind deshalb aus wissenschaftlicher, ethischer und gesundheitspolitischer Perspektive unverzichtbar." So heißt es in der Stellungnahme des Deutschen Netzwerkes für Evidenzbasierte Medizin, zu dessen Vorstand Frau Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser gehört. In ihren Augen ist die HPV-Impfung derzeit noch zu unorganisiert und viele offene wissenschaftliche Fragen seien noch zu klären.1

Die HPV-Impfung sei ein gutes Beispiel dafür in welchem Kontext und mit welcher Komplexität die Implementierung einer Impfung im Gesundheitssystem vonstatten geht. Im klinischen Alltag ist es daher umso wichtiger, jede Impfung einzeln für sich zu bewerten. Für jeden Patienten und jede Impfung sollte individuell die richtige Präventivmaßnahme getroffen oder auf sie verzichtet werden. Der Nutzen und der mögliche Schaden einer Präventivmaßnahme muss also für den Einzelfall geprüft werden.

Referenzen:

1. http://www.ebm-netzwerk.de/pdf/stellungnahmen/stellungnahme-hpv.pdf/view?searchterm=evidenzbasierte

Referentin: Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser 

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